Die Seele durch den Unterleib entleeren

Montag, 14. Januar 2013

Das Wort vom Sonntag

Die katholische Kirche feiert heute das Gedächtnis des hl. Felix von Nola. Geboren in der campanischen Stadt als Sohn eines Syrers, der in kaiserlichen Diensten reich geworden war, verteilt der fromme Jüngling ein Erbe unter die Armen und tritt in den Dienst der Kirche: als Lektor, Exorzist und später als Priester. Nach der Legende versteckt er sich bei der Christenverfolgung des Kaisers Decius (249-51) in einer Höhle. Als die Häscher sich nähern, weben Spinnen ein so dichtes Gewebe vor den Eingang, dass niemand es für möglich hält, dort könne ein Mensch hindurchgeschlüpft sein. Später verbirgt sich Felix in einer Zisterne; eine Frau, die ihr Gesicht niemals zeigt, versorgt ihn sechs Monate lang mit Lebensmitteln. Nach der Verfolgung in seine Gemeinde zurückgekehrt, lebt er demütig und arm bis zu seinem Tode. Erna und Hans Melchers in ihrem „Großen Buch der Heiligen“: „Um niemandem zur Last zu fallen, hatte er sich einen Acker gemietet, den er selbst bebaute und von dessen Ertrag er seinen Unterhalt bestritt.“ Aus seinem Grab in Nola tropft eine Flüssigkeit, die als Heilmittel gegen Augenkrankheiten gilt.   

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Elie Wiesel: "Wenn ihr nicht wißt, ob euer Tun richtig ist, dann fragt euch, ob ihr dadurch den Menschen näherkommt. Ist das nicht der Fall, dann wechselt schleunigst die Richtung; denn was euch den Menschen nicht näherbringt, entfernt euch von Gott."

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In Joris-Karl Huysmans "Tief unten" sagt der Astrologe Gévingey: "Welch eine verschrobene Zeit! An nichts wird geglaubt, aber jeder Unsinn wird geschluckt. Jeden Morgen wird eine neue Wissenschaft erfunden; den Thron besetzt gegenwärtig jene Banalität, die man 'Pädagogik' nennt." Der Arzt Hermies: klagt: "Die Soutanenträger unserer Zeit haben Herzen voller Risse, Seelen mit Durchfall, Hirne, die verlottern und zerlaufen. Oder nein, es ist noch schlimmer; sie phosphoreszieren gleich Fäulnissen und übertragen Knochenfraß auf die Herde, die sie hüten! Wenn man bedenkt, daß dieses Jahrhundert voller Positivisten und Atheisten alles über den Haufen geworfen hat - außer dem Satanismus, den es nicht einen Schritt weit hat zurückdrängen können! Dieses Jahrhundert macht sich einen feuchten Dreck aus Christus in seiner Herrlichkeit; es verunreinigt das Übernatürliche und bespeit das Jenseits. Wie soll man da hoffen auf die Zukunft, wie sich vorstellen, daß die Bälger, die den stinkigen Bürgern unserer Zeit entsprießen, sauberer sind als ihre Eltern? Ich frage mich, was werden die so Erzogenen später in ihrem Leben treiben?" - Der Schriftsteller antwortet: "Sie werden es machen wie ihre Väter, ihre Mütter. Sie werden sich die Gedärme füllen und ihre Seele durch den Unterleib entleeren!" Dazu zitiert Huysmans den Jesuitenpater Gustave-Xavier de Ravignan (1795-1858), dessen Predigten durch ihre logische Bündigkeit beeindruckten, mit der seither oft zitierten Erkenntnis, die größte Leistung des Teufels bestehe darin, erreicht zu haben, daß man ihn leugnet.

Aus dem Nachwort: "Über Huysmans, dessen Brotberuf Verwaltungsbeamter des Innenministeriums war, wurde einmal gesagt, er habe 32 Jahre lang Berichte für das Sicherheitsbüro verfaßt und Romane für sich selber. Schreiben bedeutete ihm Selbstorientierung, Selbstfindung. Dokumentarische Unterbauung des Erzählten, Einbezug des Häßlichen, Verfeinerung des Beschreibungs- und Schilderungsinstrumentariums - von diesen Prinzipien des Naturalismus hat Huysmans sich nie trennen mögen; an ihnen hielt er noch fest, als er später, vom Standpunkt eines katholischen Mystizismus her, Kathedralen, Wallfahrtsorte und Heilige zum Thema machte. Der Kritiker und Literaturhistoriker Georges Pellissier hatte 1891 so unrecht nicht, wenn er in seiner Besprechung vermutete, Husymans beabsichtige schlicht, die Verfahren des Naturalismus auf die Welt das Übernatürlichen anzuwenden." Und: "Die Handlung von Là-Bas endet in der Glöcknerstube Carhaix', wo ein ernüchterter, glaubensunfähiger Durtal resümiert, die dem Materialismus verfallene Gegenwartsmenschheit sei zur Erlösung weder bereit noch ihrer wert. Doch Durtal ist entwicklungsfähig, ähnlich seinem Schöpfer, der sich 1892, ein Jahr nach Là-Bas, wieder zum Katholizismus bekannte."

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Bete jedes Gebet, als wäre es das einzige deines Lebens.

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Romano Guardini: "In uns ist nicht nur jenes Tiefste, das auf Ihn horcht, sondern auch der Widerspruch, der sich verschließt. Der größte Feind unserer Erlösung sind wir selbst. Gegen uns muss der gute Hirt kämpfen für uns."

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Haydns Symphonie Nr.30 in C-Dur "Hallelujah" schickt Engel auf Wanderschaft. Sie singen ein ruhiges, liebevolles Lob der Schöpfung aus berufenem Munde.

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Im „Jung-Stilling“ sagt Goldmann: "Alle moralischen Predigten sind nicht einen Pfifferling wert, der Verstand bestimmt niemalen unsere Handlungen, wenn die Leidenschaften etwas stark dabei interessiert sind, das Herz macht allezeit ein Mäntelchen darum und überredete uns: schwarz sei weiß!" - "Wer nicht dahin kommt, daß das Herz mit einer starken Leidenschaft Gott liebt, dem hilft alles Moralisieren ganz und gar nichts. Die Liebe Gottes allein macht uns tüchtig, moralisch gut zu werden." Die alte Großmutter: „Wenn ich eine Axt mache, so will ich damit hauen; und wozu unser Herrgott einen Menschen schafft, dazu will er ihn brauchen." - "Wer gering ist, kann durch Demut groß werden, und wer vornehm ist, kann durch Stolz gering werden; wenn ich nun tot bin, so ist’s einerlei, was ich in der Welt gewesen sind, wenn ich nur christlich gelebt habe."

 

 

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