Wie viele Seelen passen in eine Kubikmeile?

Montag, 21. Januar 2013

Das Wort vom Sonntag

Die katholische Kirche feiert heute den Gedenktag einer ihrer lieblichsten Heiligengestalten, der hl. Agnes. „Die übereinstimmenden Quellen sagen aus, dass sie ihr Martyrium, zu dem sie sich freiwillig stellte, schon im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren erlitt“, schreiben Erna und Hans Melchers in „Das Große Buch der Heiligen“. „Der Überlieferung nach stammte sie aus einem vornehmen römischen Haus und war von Kindheit an Christin.“ Nach der Legende verliebt sich der Sohn des Stadtpräfekten in das junge Mädchen und macht ihr einen Heiratsantrag. Als er abgewiesen wird, rächt er sich durch eine Anzeige. Der Richter kann Agnes weder durch gutes Zureden noch durch Drohungen zur Abkehr von ihrem Glauben bewegen. Auch die Ankündigung, sie ins Bordell zu zwingen, bleibt wirkungslos. Als Agnes ins Feuer geworfen wird, teilen sich die Flammen, und die Verurteilte bleibt unverletzt. Zuletzt bietet sie den Hals gefasst dem Henkersschwert dar. Der hl. Ambrosius schreibt über sie: „Männer mögen bewundernd zu dieser Märtyrerin aufschauen, deren Seele stark genug war, alle Marter zu überwinden. Mädchen ihres Alters ertragen sonst kaum, daß die Eltern ihnen zürnen, und über einen Nadelstich weinen sie, als hätten sie sich schwer verletzt. Sie aber stand unerschrocken vor dem Henker. Sie hatte kaum eine Ahnung, was Sterben heißt, und schon war sie bereit, ihr junges Leben unter dem Schwert auszuhauchen.“ Auf ihrem Hinrichtungsplatz im Stadion des Kaisers Domitian, der heutigen Piazza Nova, steht heute die Kirche Sant’Agnese. In ihrem inneren zeigen große Marmortafeln die Tapferkeit der Heiligen. Ihr Biograph Jacobus de Voragines: „‘Agnes‘ kommt von agna (Lamm), weil sie sanft und demütig war wie ein Lamm, oder vom griechischen (h)agnos, das „fromm“ bedeutet, weil sie fromm und barmherzig war, oder von agnoscere (erkennen), weil sie den Weg der Wahrheit erkannt hat.“

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In „Das Wort zum Sonntag“ (ARD) sagt Pfarrer (ev.) Alfred Buß: "Über sieben Millionen Menschen hatten dieser Tage Spaß am Dschungelcamp bei RTL. Mehr als die Hälfte davon waren Mädchen und junge Frauen. Die Jüngsten unglaubliche drei Jahre alt. Ekelprüfungen, Zickenkriege, Heulkrämpfe und Lästerattacken faszinierten sie. Die Quote stimmt. Mitlästern ist angesagt. Was ist das? Spaß auf Kosten anderer? Humor ist das jedenfalls nicht. Humor kennt keine Schadenfreude, Humor erniedrigt nicht andere Menschen, ist auch das Gegenteil von Häme. Wer Humor hat, kann über sich selber lachen. Lachen ist gesund.

Roemer 12.12: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal.“

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Es ist nicht immer leicht, umgehend einen Termin bei seinem Vorgesetzten zu bekommen. Und es ist fast immer schwierig, bei einer hochgestellten Persönlichkeit vorsprechen zu dürfen. Aber bei Gott, dem Herrn und Schöpfer der Welt, bekommt jeder Mensch augenblicklich jeden gewünschten Termin: Ein Gebet genügt.

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Im „Tristram Shandy” schreibt Laurence Sterne: „Ich hasse alle Geheimniskrämerei, sie ist die herzlose und vorsichtige Art jener kleinen Seelen, von denen bereits Lessius (lib. 13 de moribus divinis cap. 24) seine Schätzung abgegeben hat, wenn er behauptet, daß eine deutsche Meile, zum Kubik erhoben, Raum genug und mehr als genug für 800 Tausend Millionen derselben bieten wird, was, wie er vermutet, die allerhöchste Zahl der Seelen (von Adams Fall an) sein möchte, die bis ans Ende der Welt verdammt werden. Auf welchen Grund er diese zweite Annahme stützt, – wenn nicht vielleicht auf die väterliche Liebe Gottes, – weiß ich nicht; noch viel weniger aber, was Franciscus Ribbera gedacht haben muß, der behauptet, es gehörte ein Raum von 200 italienischen Meilen multiplicirt mit sich selber dazu, um die obige Anzahl zu fassen; er hat bei seiner Berechnung wahrscheinlich alte römische Seelen angenommen, von denen er gelesen, ohne dabei in Anschlag zu bringen, daß dieselben zu der Zeit, als er schrieb, durch achtzehnhundertjähriges allmähliches Schwinden und Verfallen fast zu nichts zusammengeschrumpft sein mußten. Als Lessius schrieb, der mehr ruhige Überlegung gehabt zu haben scheint, waren sie schon so klein, wie man sich nur irgend vorstellen kann. Jetzt sind sie noch kleiner. Und nächsten Winter werden sie noch kleiner sein, und wenn das so von klein zu kleiner und von kleiner zu nichts fortgeht, so zweifle ich keinen Augenblick daran, daß wir auf die Weise in einem halben Jahrhundert gar keine Seelen mehr haben werden.“

Lenart Leys (1554-1623), latinisiert Leonardus Lessius, ist ein flämischer Jesuit. Bei Antwerpen geboren, wird er mit sechs Jahren Waise, beginnt mit zwölf Jahren ein Studium an der Universität Löwen und ist mit 17 Jahren Professor der Philosophie. 1572 tritt er in die Societas Jesu ein. Er studiert noch einmal in Rom, lehrt dann in Löwen und hinterlässt ein reiches theologisches Werk. 

Francisco Ribera (1537–1591) ist ein spanischer Jesuit und Theologe. An der Universität Salamanca ist er Beichtvater der hl. Teresa von Avila. Sein Hauptwerk ist ein Kommentar der Apokalyse. Viel Hochgelehrtes ist mit dem Glauben geschwunden.

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Bach, Präludium in G-Dur BWV 541: Wie so oft bei Bach spielt die Orgel eine Himmelsleiter, auf der die träge Seele schwankt, die muntere aber immer höher steigt.

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Vielleicht ruft der Schöpfer die Menschen immer dann heim, wenn sie ihr volles Maß zu seiner Ehre gearbeitet und gelitten haben.

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Aus einem Hymnus Ernst Moritz Arndts von 1819:

  „Ich weiß, woran ich glaube,

  ich weiß, was fest besteht,

  wenn alles hier im Staube

  wie Sand und Staub verweht.

  Ich weiß, was ewig bleibet,

  wo alles wankt und fällt,

  wo Wahn die Weisen treibet

  und Trug die Klugen prellt.“

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Luther: „Man muß beten, als ob alles Arbeiten nichts nützt, und arbeiten, als ob alles Beten nichts nützt.“

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Am Mittwoch gedenkt die katholische Christenheit des Seligen Heinrich Seuse (1295-1366), den seine Verehrer als den „schwäbischen Franziskus“ und den „Minnesänger Gottes“ rühmen. Er gilt als der liebeswürdigste und gemütstiefste unter den deutschen Mystikern. Am Bodensee, wahrscheinlich in Konstanz, ist er geboren. Sein Vater ist Ritter, ein roher Kerl, nur interessiert an Geld und Genuss. Seine frommen, tugendhafte Mutter, genannt „die Seuserin“, erzieht ihn zu einem guten Christen. Als er in seiner Heimatstadt Dominikaner wird, nimmt er ihren Namen an. In Köln wird er Schüler des großen Mystikers und Theologen Meister Eckehart. Mit 18 Jahren  beginnt er harte Bußübungen. Immer wieder erlebt er wunderbare Erscheinungen, aber er findet in der Kirche auch Feinde und muss große Glaubenszweifel bestehen. Seine Predigtreisen durch Schwaben, die Schweiz und da Rheinland bis zu den Niederlanden machen ihn ungemein populär. Seine Vita hebt seine Gewohnheit hervor, immer dann, wenn er etwas Besonders mitteilen will, zu sagen: „Merkt auf, denn der Seus will seusen!“ Wenn er sich dagegen selbst ermahnen wollte, schreit er: „Nun wohlan, Seus, du musst sausen!“ Strafen droht er dem Volk mit dem Satz an: „Da muß der Seus sausen, daß euch die Ohren sausen!“ Und wenn ihm mulmig wird, gesteht er: „Der Seus getraut sich nicht zu sausen.“ In einem Hymnus des Seligen heißt es: 

„Jenseits allen Glücks,

jenseits aller Schönheit,

bist meiner Seele

Glück und Schönheit du.

Denn das Glück kam mit dir,

und in und mit dir

hab alles Glück ich empfangen.“

 

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