Im Grab des 15.Apostels

Donnerstag, 24. Januar 2013

Das Wort zum Freitag

Die katholische Kirche feiert heute den Gedenktag des hl. Franz von Sales (1567-1622). In Annecy geboren, wird er 1593 Priester, 1599 Koadjutor des Bischofs von Genf und 1602 Bischof. Seine Zeitgenossen schätzen ihn als großen Prediger und einfühlsamen Seelenführer. 1665 wird er heiliggesprochen, 1877 zum Kirchenlehrer erhoben. An Aussprüchen des Heiligen ist überliefert: "So sehr verlangen wir manchmal, Engel zu werden, daß wir vergessen, gute Menschen zu sein." - "Wenn dein Herz wandert oder leidet, bring es behutsam an seinen Platz zurück und versetze es sanft in die Gegenwart deines Herrn. Und selbst, wenn du in deinem Leben nichts getan hast, außer dein Herz zurückzubringen und wieder in die Gegenwart unseres Gottes zu versetzen, obwohl es jedes Mal wieder fortlief, nachdem du es zurückgeholt hattest, dann hast du dein Leben wohl erfüllt." - "Eine einzige Arbeit, in aller Ruhe und gewissenhaft ausgeführt, ist wertvoller als viele Arbeiten, bei denen wir uns überstürzen. Nicht an der Menge unserer Arbeit hat Gott Freude, sondern an der Liebe, mit der wir arbeiten." - „Begegne dem, was auf dich zukommt, nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung.“ - "Bei der Erschaffung gebot Gott den Pflanzen, Frucht zu bringen je nach ihrer Art. So befiehlt er auch den Christen, den lebendigen Pflanzen seiner Kirche, Frucht der Frömmigkeit zu bringen je nach persönlicher Eigenart, nach Stand und Beruf.“ – „Wenn die Frömmigkeit nur wahr und aufrichtig ist, zerstört sie nichts, sondern vervollkommnet und vollendet alles. Wenn sie jedoch der Berufung und dem Stand eines Menschen widerspricht, ist sie ohne Zweifel falsch. Die Biene sammelt ihren Honig aus den Blüten, ohne sie im geringsten zu schädigen oder zu zerstören; sie hinterläßt sie vielmehr heil und frisch, wie sie sie vorfand. Die wahre Frömmigkeit tut dies noch besser: sie zerstört nicht nur keine Form von Beruf oder Tätigkeit, sondern macht sie sogar noch gefälliger und schöner. Durch sie wird dir auch die Sorge um die Familie friedvoller, die gegenseitige Liebe von Mann und Frau wird lauterer, der Dienst bei den Fürsten gewinnt an Treue, und alle Tätigkeiten, welche immer es seien, werden angenehmer und ansprechender. An welcher Stelle wir immer stehen, stets können und sollen wir uns um das vollkommene Leben bemühen." - „Die Liebe hat zwei Arme: Der eine umfaßt Gott, der andere den Nächsten.“ – „Gewiß, du sollst immer nach dem Höchsten streben, aber mit Maß, mit Ruhe und mit Geduld.“ - "Gott hat dich in die Welt gestellt. Darum darfst du die Welt nicht fliehen." - „Nicht nur gute Worte soll man für den nächsten haben, sondern mehr: Das Herz soll ihm gut sein.“ - „Die Zeit, Gott zu suchen, ist das Leben. Die Zeit, Gott zu finden, ist der Tod. Die Zeit, ihn z besitzen, ist die Ewigkeit.“ - „Das Leben ist kurz, aber von unendlichem Wert, denn es birgt den Keim der Ewigkeit in sich.“ - "Versetze dich immer in die Lage des Nächsten, dann wirst du gut handeln. Man verliert nichts, wenn man großmütig und mit einem königlichen und vernünftigen Herzen lebt. Prüfe oft dein Herz, ob es so gegen deine Nächsten ist, wie du möchtest, daß sie gegen dich seien." - „Ich will keine absonderliche, unruhige, traurige und verdrossene Frömmigkeit, sondern eine milde, sanfte, angenehme und friedliche, mit einem Wort eine freie und fröhliche Frömmigkeit, die liebenswürdig ist vor Gott und den Menschen.“ - "Täglich eine halbe Stunde auf Gott horchen ist wichtig, außer wenn man sehr viel zu tun hat, dann ist eine Stunde nötig." - „Gib dir jeden Tag eine Stunde Zeit zur Stille, außer wenn du viel zu tun hast - dann gib dir zwei.“

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Für den Gläubigen sind Wunder keine Wunder, sondern Bestätigungen; sie verwundern nur den, der nicht an Gottes Allmacht glaubt.

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Schon Augustinus fragt, ob tote Sünder durch "eine Art Fegefeuer" gerettet werden könnten, und Gregor von Nazianz spricht von einem Reinigungsfeuer - die Idee entstammt also keineswegs dem "finsteren" Mittelalter, das jedenfalls in der der Bevölkerung durchaus nicht dunkler wirkt als die neopagane Postmoderne: so viel Schaden damals die bekannten Auswüchse klerikalen Machtmißbrauchs verursachten, so viel Segen brachte die tief verwurzelte Volksfrömmigkeit. Ernst Jünger erinnert an die unterirdischen Kammern der Etrusker, errichtet, auf daß die Toten sich wohlfühlten: "Noch heute wird man heiter, wenn man sie betritt." Im Februar 1978 stieg ich zum ersten Mal in das Grab des Apostels Barnabas bei Famagusta hinab. Der türkische Wächter des nahen Klosters gab uns den Schlüssel, kam selbst nicht mit, der Fußweg von höchstens fünfzig Metern durch den Garten war ihm wohl zu beschwerlich. So standen mein Bruder und ich allein in dem kleinen Schacht, der etwa fünf Meter unter dem Erdboden liegt, vor einem schmucklosen Sarkophag in einer Nische. Barnabas hatte Paulus auf Reisen nach Antiochia und Korinth begleitet. Später missionierte er mit seinem Vetter Johannes Markus, dem Evangelisten, auf Zypern. In Salamis wurde er von Juden gesteinigt. Seit dem 4.Jhdt. hatte der Patriarch von Antiochien das Recht der zyprischen Kirche bestritten, Bischöfe einzusetzen. Im Jahr 477 aber wies eine Vision dem bedrängten Erzbischof Anthemius den Weg zu dem verschollenen Apostelgrab. Man fand den Leichnam mit einem handgeschriebenen Matthäus-Evangelium auf der Brust. Damit war bewiesen, daß die Kirche von Zypern eine apostolische, von einem Apostel selbst gegründet war. Eine Synode erkannte die Unabhängigkeit an, und Anthemios erhielt die entsprechenden Privilegien: Er durfte den Purpur und statt des Hirtenstabs ein Zepter tragen und wie der Kaiser mit roter Tinte unterschreiben. Damit war Zypern nach den Patriarchaten die erste autokephale Kirche überhaupt - vor Georgien und Bulgarien; Griechenland erreichte diesen Rang erst im Jahr 1850. Es gibt wohl kein bescheideneres Apostelgrab. Seit der Teilung der Insel im August 1974 liegt es in der türkischen Zone. Das Wasser des nahen Brunnens wird für heilkräftig gehalten. Barnabas wird vor allem in den Ostkirchen zu den Apostel gerechnet. Nach den zwölf von Jesus berufenen, dem später für Judas durch das Los in den Kreis gewählten Matthias und dem durch die Vision vor Damaskus berufenen Paulus ist er der fünfzehnte.

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Friedrich Kardinal Wetter. "Wo Gott keine Rolle spielt, spielt nichts eine Rolle - auch nicht der Mensch."

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Im Alten Testament setzt Gott seine Ziele mit Gewalt durch, in Ägypten oder etwa bei der Eroberung Kanaans. Im Neuen Testament verzichtet Jesus auf diese Macht. Und wenn der Schöpfer auf Gewalt verzichtet, wie kann sich dann das Geschöpf dazu legitimiert fühlen? Und: Der Gott, der im Alten Bund gefürchtet werden wollte, will im Neuen Bund geliebt werden.

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In "Die Elenden" stellt Victor Hugo drei Schöpfungstexte einander gegenüber: Genesis: "Im Anfang schwebte der Geist Gottes über den Wassern." Flavius Josephus: "Ein Wind von oben stürzte auf die Erde." Und die chaldäische Paraphrase des Onkelos (35-120 n.Chr.): "Ein Wind, der von Gott kam, wehte über die Gewässer."

Über den Bischof von Digne heißt es in dem Roman: "Die Pflichten aller sind die großen Pflichten. Es gibt ihrer vier. Matthäus nennt sie die Pflichten gegen Gott (Matth.VI), die Pflichten gegen sich selbst (V,29,30), die Pflichten gegen den Nächsten (VII,2) und die Pflichten gegen die Kreatur (VI,20.25). Die übrigen hatte der Bischof anderswo bezeichnet und vorgeschrieben gefunden: die Pflichten der Herrscher und der Untertanen im Römerbrief, die der Behörden, der Ehefrauen, der Mütter und der jungen Männer bei Petrus, die der Ehegatten, der Väter, der Kinder und der Diener im Epheser-, die der Gläubigen im Hebräer-, die der jungen Mädchen im Korintherbrief. All diese Vorschriften verarbeitete er mit großem Fleiß zu einem ausgewogenen Ganzen, das er den Gläubigen vorlegen wollte."

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Teresa von Avila: „Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“



 

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