Der Fausthieb des hl.Thomas von Aquin

Montag, 28. Januar 2013

Das Wort vom Sonntag

Die katholische Kirche feierte gestern den Gedenktag des hl. Thomas von Aquin (um 1224-1274). Auf Burg Roccasecca bei Aquino in der Nähe von Neapel wird er in eine lombardische Adelsfamilie geboren. Sein Großonkel Kaiser Friedrich Barbarossa, sein Taufpate Papst Honorius III., sein Onkel und Erzieher Abt auf dem Monte Cassino. Als der junge Thomas aus dem reichen und berühmten Kloster in den damals jungen, armen Predigerorden der Dominikaner wechselt und nach Paris reisen will, kidnappen ihn Mitbrüder und halten ihn ein Jahr lang gefangen. Thomas lässt sich jedoch nicht umstimmen. In Paris studiert er bei Albertus Magnus, dem er später nach Köln folgt. Die anderen Studenten halten nicht viel von dem Lombarden und verspotten ihn als „stummen Ochsen“, doch der große Albertus sagt: „Dieser stumme Ochse wird einst brüllen, dass die ganze Welt davon widerhallt.“ Um 1248 wird Thomas Priester und hält, mit 24 Jahren, seine ersten Vorlesungen. Seine „Summa theologica“ formt das bis heute gültige katholische Weltbild, seine „Summa contra gentiles“ werden die wichtigste Auseinandersetzung des christlichen Mittelalters mit der arabischen Philosophie. Seine Hymnen werden noch heute zu Fronleichnam gesungen. Schwerkrank stirbt er auf einer Reise im Auftrag des Papstes zum Konzil von Lyon. 1323 wird er heiliggesprochen, 1567 zum Kirchenlehrer ernannt. Aus seinen Erkenntnissen: „Die eigentliche Wirkung der Eucharistie ist die Umwandlung des Menschen in Gott." - „Es hat mit Dummheit zu tun, wenn der Mensch an Gott und seinen Gaben Überdruss empfindet.“ - „Wo viele gemeinsam beten, werden sie bestimmt erhört.“ - „Es ist erforderlich für die Entspannung des Geistes, daß wir von Zeit zu Zeit spielerische Aktionen und Scherze setzen.“ - „Die Liebe ist das Wohlgefallen am Guten; das Gute ist der einzige Grund der Liebe. Lieben heißt: jemanden Gutes tun wollen.“

In ihrem „Großen Buch der Heiligen“ erzählen Erna und Hans Melchers eine typische Anekdote: Von König Ludwig von Frankreich zur Tafel geladen, lässt der durchaus nicht als Asket bekannte Kirchenmann die Genüsse der besten Küche der Welt auf- und wieder abtragen, ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen. Der König gibt seinen Diener Zeichen, den Gast in seinen Gedanken nicht zu stören. Als das Mahl endet, erhebt sich der große Gelehrte in seiner ganzen Körperfülle, lässt die Faust auf die Tischplatte krachen und ruft den erschrockenen Höflingen zornesrot zu: „Das wird die Häretiker erledigen!“ Ihm war gerade das entscheidende Argument gegen die Irrlehre der Manichäer eingefallen.

Nach einer mystischen Erfahrung beim Zelebrieren einer Messe in Neapel legt Thomas plötzlich Feder und Tinte beiseite und überlässt die Vollendung der letzten Kapitel seiner Summa Theologica einer anderen Hand: „Die Tage meines Schreibens sind vorüber“, sagt er, „denn solche Dinge sind mir offenbar geworden, daß alles, was ich geschrieben und gelehrt habe, mir nur von geringem Wert erscheint, weshalb ich in meinem Gott hoffe, daß so, wie das Ende meines Lehrens gekommen ist, bald das meines Lebens kommen möge.“ Bald darauf ist er tot.

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Auch der Böse hat jemanden, der ihn liebt: Mutter, Frau, Geliebte, Bruder, Kind. Dennoch muß ihn Gottes Gerechtigkeit strafen. Können die anderen im Himmel auch dann selig sein, wenn sie ihn in der Verdammnis wissen? Die Liebe de Seele zu ihrem Schöpfer ist so unendlich groß, dass neben ihr nichts Irdisches bleiben kann. Auf Erden gebunden, im Himmel gelöst.

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Jean Paul in "Selina": "Er, er mit seiner Wahrheit, mit seiner Liebe, mit seiner Heiligkeit redet unser Herz an und sagt: du kannst nicht vergehen...zum Glücke wird uns das Grausen vor einer einsamen vaterlosen Unsterblichkeit erspart, worin eine lange Ewigkeit und ein ausgebreitetes Chaos vor uns lägen, welche gerade hinreichen, alle Höllen zu vervielfachen und zu vertiefen; denn ohne einen allgültigen Geist ist ein Himmel nur die Ausnahme, und die regellosen Höllen sind die Regel, und das Chaos wäre der Urteufel als Allherr."

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Aus einem Hymnus Hildegards von Bingen:

  „Ich bin das heimliche Feuer in allen,

  und alles duftet von mir,

  und wie der Odem im Menschen, Hauch der Lohe,

  so leben die Wesenheiten und werden nicht sterben,

  weil ich ihr Leben bin.

  Ich flamme als feurig göttliches Leben

  Über dem prangenden Feld der Ähren,

  ich leuchte im Schimmer der Glut,

  ich brenne in Sonne, in Mond und in Sternen,

  im Windhauch ist heimlich Leben aus mir

  und hält beseelend alles zusammen.“

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Wer nur dann an einen Schöpfer glauben will, wenn er ihn sehen darf, kann auch der Astrophysik erst dann glauben, wenn er den Urknall gehört hat.

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Kempowski, „Sirius“, 6.10.: „Menschenketten und ähnliches: Leute tun das, die an Gott nicht glauben. Wenn sie es täten, dann würde ihnen das Beten im stillen Kämmerlein genügen. Die Politiker verbrüdern sich mit der Straße. Das geschieht immer dann, wenn sie mit ihrem Latein am Ende sind.“ Kein Wunder, dass der linke Literaturbetrieb, und die politische Korrektheit und die neudeutsche Betroffenheitsindustrie diesen klugen und mutigen Schriftsteller totschweigen wollten.

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