Ansgar - Apostel des Nordens

Freitag, 1. Februar 2013

Am Sonntag feiert die Christenheit besonders im Norden Deutschlands und Europas den Gedenktag des hl. Ansgar (um 901-865). Sein Stützpunkt, die Hammaburg, bleibt bis heute verschollen.

„Als Ansgar nach dem Tode Kaiser Karls sich Gott ganz geschenkt hatte und nicht wußte, was er ihm noch geben könnte, hatte er in der Pfingstnacht einen Traum vom Himmel. Er hörte die Stimme Gottes: Gehe hin, und mit dem Martyrium gekrönt kehre zu mir zurück!' Dieses Erlebnis erschreckte und tröstete ihn zugleich, er mühte sich eifriger in der Furcht Gottes und setzte seine Hoffnung auf Gottes Erbarmen, das ihm durch irgendeine Fügung zur Palme des Martyriums verhelfen werde.“

So beschreibt die Legende Berufung und Beweggründe des ersten Bischofs an der Elbe. Es ist nicht der einzige mystische Ruf in Ansgars Seele: Immer wieder empfängt der fromme Franke himmlische Botschaften, Weisungen und Visionen; er begegnet Johannes dem Täufer und dem Apostelfürsten Petrus, erleidet die Qualen des Fegefeuer und tritt in den Himmel der Apokalypse ein.

Wohl am 8.September 801 im nordostfranzösischen Amiens geboren, an dessen Tor der hl. Martin einst den Mantel mit einem Bettler teilte, verliert Ansgar mit fünf Jahren die überaus gläubige Mutter. Der Vater, ein Gefolgsmann Karls des Großen, läßt den Waisen im nahen Benediktinerkloster Corbie aufziehen. Dort pflegt der Kaiser vor seinen vielen Feldzügen zu beten, dort läßt er auch eine Schar junger Sachsen christlich bilden.

Als Ansgar zwölf wird, erscheint ihm die sieben Jahre zuvor verstorbene Mutter und legt ihm nahe, Mönch zu werden. Der Tod des Kaisers am 28.Januar 814 wird dem Dreizehnjährigen vollends zum Menetekel: „Er ging in sich, sagte allem Leichtsinn ab, wandte sich dem Dienst am Herrn zu und mühte sich in Gebet, Nachtwachen und Enthaltsamkeit“, berichtet seine Vita. „In diesem tiefen unablässigen tiefen Ernst starb die Welt in ihm ab und er der Welt.“

Karl der Große wünschte sich auch für Sachsen ein solches Kloster, doch erst Sohn Ludwig der Fromme verwirklicht den Plan: An der Weser bauen Mönche ein Neu-Corbie, das heute Corvey heißt. 822 wird auch Ansgar dorthin versetzt. Fünf Jahre später läßt sich König Harald von Dänemark mit Familie und Gefolge in Mainz taufen, bittet Kaiser Ludwig um einen Missionar für sein Volk, und Abt Wala von Corvey schlägt Ansgar vor.

Der junge Mönch scheint für die Aufgabe prädestiniert: der alte germanische Namen Ansgar (heute Oskar) bedeutet „Speer Gottes“, für die Nordländer ein gutes Omen. Doch die bekehrungsunwilligen Dänen schlagen ihren neuchristlichen Herrscher in die Flucht, und der fränkische Glaubensbote entkommt nur mit Mühe. Fünf Jahre später wünscht auch der König Björn der Alte von Schweden (ca.900-950) einen Missionar, und wieder wird Ansgar ausgewählt. Diesmal überfallen Wikinger die Reisenden, die Ausgeplünderten kommen mittellos, ohne Geschenke und auch ohne Bibel an – in den Augen der nordischen Kraftprotze jämmerliche Diener eines schwachen Gottes: Nur wenige Schweden lassen sich taufen.

831 kehrt Ansgar zum Kaiser zurück und meldet die mäßigen Erfolge. Darauf führt Ludwig einen anderen Plan des großen Vaters aus: Er gründet für die Missionierung der nordischen Völker ein eigenes Bistum. Mit kaum 30 Jahren ist Ansgar Erzbischof und päpstlicher Legat, sein Dienstsitz wird die Hammaburg am Zusammenfluß von Alster und Bille. Nach ihren Resten gruben Archäologen schon mehrere Male vergeblich, ihre genaue Lage bleibt umstritten. Der Missionar baut an der heutigen Hamburger Domstraße ein zehn Meter langes Holzkirchlein, daneben ein kleines Kloster für Mönche aus Corvey und eine Schule, in der junge, aus der Sklaverei freigekaufte Dänen zu Glaubensboten ausgebildet werden.

Im Jahr 845 aber greift Dänenkönig Horik der Alte das Frankenreich an: Seine Wikinger überfallen die Friesen, belagern Köln und brennen die Hammaburg nieder. Ansgar flieht, um die Kirchenschätze zu retten: Vor allem die Reliquien dürfen den Heiden nicht in die Hände fallen; der Bischof bringt die geheiligten Gebeine im Boot nach Ramelsloh rund 40 Kilometer südlich am Rand der Lüneburger Heide.

Danach geht Ansgar, von neuen Visionen geleitet, wieder als Glaubensverkünder nach Dänemark und Schweden, diesmal mit mehr Erfolg. In den letzten Lebensjahren leitet er das Missionswerk von Bremen aus und baut drei Klöster. Am 3.Februar 865 stirbt er im Kreis seiner Mönche. „Es war ein einmütiges gemeinsames Trauern und Klagen“, schließt Ansgars Vita, „am innigsten aber beweinten ihn die Priester, Waisen, Witwen, Unmündigen und Armen.“ Das ersehnte Martyrium des Blutes wurde dem Heiligen nicht zuteil, wohl aber das des rastlosen, an Entbehrungen und Rückschlägen reichen Dienstes an der Kirche.

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