Ohne Eis kein Preis

Sonntag, 3. Februar 2013

Tiere und Pflanzen sind jetzt schwer gefrostet, denn bis in den Februar bleibt Mutter Natur immer besonders cool. Deshalb greifen die Survival-Profis jetzt in die Trickkiste!

 

Brrrrrrr! Sibirische Kaltluft lässt die Fauna tierisch bibbern, beißender Wind treibt Spaziergängern die Tränen in die Augen, Bäche und Teiche haben dicke Panzer angelegt: Wenn der Winter so richtig ungemütlich wird, hilft es nichts mehr, die Ohren steifzuhalten, denn dann frieren die ab - schlauere Strategien müssen her! Der harte Kern der Tierwelt, der jetzt noch draußen kreucht und fleucht, hat raffinierte Tricks auf  Lager. Besonders die Insekten lassen sich allerhand einfallen.

Denn für sie sind normalerweise schon Temperaturen nahe null Grad tödlich: Wenn das Wasser in ihren kleinen Zellen gefriert, zerstören Eiskristalle die hauchfeinen Eiweißstrukturen, und das Leben erlischt unwiderruflich. Die Blattlaus übersteht die Kälte-Krise als Lebenskonzentrat in kleinster Verpackung: An den Rosen- und Apfeltrieben des letzten Sommers hängen ihre schwarzglänzenden Wintereier wie Bergsteiger in Daunenschlafsäcken - auch bei Tiefkühl-Temperaturen bleibt es drinnen schön warm! Ihre Todfeinde, die Marienkäfer, drängeln sich zu Hunderten in Spalten oder Asthöhlen zusammen. Ihr Blut produziert das Frostschutzmittel Ethylenglykol, das sie genauso vor dem Einfrieren bewahrt wie das Wasser in der Scheibenwaschanlage. Deshalb bleiben auch sie trotz des widrigen Wetters eiskalt, Motto: Nur die Harten kommen in den Garten! Auch der Borkenkäfer läuft mit chemischem Gefrierschutz - bis 34 Grad minus! Deshalb sind warme Winter für die Wälder Gift: Die gefräßigen Schädlinge kriegen erst bei wirklich klirrendem Nachtfrost Probleme. Die Bienen feiern eine Pattex-Party, kleben sich ganz fest zu einem dicken Klumpen zusammen und wärmen sich gegenseitig - alle 20 Stunden werden sie wach und schlecken am Honigvorrat, das bringt verbrauchte Energie sofort zurück! Zitronenfalter und Weinbergschnecke reduzieren das Wasser im Körper.

Noch viel radikaler macht sich das winzige Bärtierchen winterfest: Es lässt sich bei Kälte einfach total austrocknen - und taut im nächsten Sommer wieder auf. Besonders clever wettert die Tannenwanze den Winter ab: Sie kriecht rechtzeitig unter die Schuppen eines Fichtenzapfens, die sich bei Feuchtigkeit und Kälte automatisch schließen, wodurch ein gut isoliertes Holzhäuschen entsteht - die Kleine ist wirklich schwer auf Zapf! Die Puppen der Bohrfliege machen sich in Beifußstengeln breit, die jetzt überall aus dem Schnee ragen - wer die Halme mit dem Taschenmesser aufschneidet, sieht die Schlafgäste im warmen, trockenen Mark, als wären sie in Styropor verpackt. Andere versuchen es mit viel Bewegung: Wintermücken schwirren noch bei null Grad durch die Luft - die Flügelschläge machen warm, kosten allerdings viel Energie: Ist der Tank leer, droht Absturzgefahr!

Besonders hart ist die Grenze zwischen Leben und Tod auf den Gewässern - nicht umsonst ist das Wort "Eis" mit dem Wort "Eisen" verwandt! Kaum ein Tier kann die oft viele Zentimeter dicke Schicht durchdringen. Sie trennt die Natur jetzt in zwei Welten: Oben kommen Fuchs und Hase ins Schleudern - um unter dem dicken Winterpelz möglichst wenig Wärme zu verlieren, senken sie die Körpertemperatur von 39 Grad an ungeschützten Körperteilen kräftig ab: an den Pfoten auf acht, an der Schnauze auf fünf, an den Zehenballen sogar auf null Grad. Das geht natürlich auf die Elastizität und damit der Bodenhaftung; deshalb trägt es sie jetzt öfter aus der Kurve, manchmal so heftig, dass sie sich die Vorderläufe verstauchen. Peinlich! Und noch eine weitere Gefahr droht: Weil das Fell jetzt so dicht ist, droht bei längerem Joggen

Überhitzung. Meister Lampe hat es leicht, er leitet die überschüssige Wärme einfach über seine langen Ohren ab; der Fuchs dagegen muss hecheln, und das geht auf die Kondition. Sieger: Hase! Auch bei den Seevögeln herrscht jetzt erhöhte Unfallgefahr: Über Nord- und Ostsee fliegen sie jetzt immer wieder mal in Wolken unterkühlter Nebeltröpfchen hinein und müssen dann mit vereisten Tragflächen notlanden. Die Singvögel plustern sich kräftig auf, denn je runder sie sind, desto dicker wird die isolierende Luftschicht in den Federn. Wegen Insektenmangels haben sie sich auf vegetarische Kost umgestellt. Die Bartmeise bekommt sogar einen speziellen Wintermagen: er ist grösser und mit Reibplatten ausgestattet, die jedes noch so harte Samenkorn kleinkriegen. Nur die Raubvögel schieben Kohldampf, denn ihr Leibgericht, die Maus, buddelt sich Tunnel durch den Schnee und bleibt deshalb so gut wie unsichtbar. Wasservögel bekommen kalte Füße, denn auch das spart Energie - das Blut zirkuliert nicht mehr bis zu den Zehen, sondern bleibt im Bein, und so macht es ihnen nichts aus, stundenlang barfuß auf dem Eis herumzulaufen. Leider kommt es schon mal vor, dass ein Vögel nicht aufpasst und die Adern zu den Füssen öffnet - dann taut das Eis unter ihm auf, und sobald die kleine Pfütze wieder gefriert, sitzt die dumme Gans fest. Oberpeinlich! Nur die Enten freuen sich wie die Schneekönige, denn weil sie sich clever abwechseln, halten sie immer irgendwo eine Stelle offen und können dort der Sache auf den Grund gehen. Weil sie sich die Federn dick mit Fett eingeschmiert haben, schwimmen sie wie in einem Tauchanzug. Unter dem Eis leben die Fische kaltblütig weiter: Dort hat das Wasser konstant vier Grad, und Flossentiere frieren nie. der Karpfen z.B. passt einfach seine Körpertemperatur an und legt sich faul auf den Grund. Auch die Kröten sind jetzt nicht in Nöten, denn sie bleiben jetzt ebenfalls unter Wasser und schalten einfach von Lungen- auf Hautatmung um. Manche Frösche buddeln sich sogar im Schlamm ein und warten in aller Ruhe auf bessere Zeiten. Das kann eine Weile dauern, denn auch im Februar ist es noch tierisch kalt.

Aber das ist gut so: Die Natur braucht diese Kälteperioden, denn sonst könnte sich das Leben nicht immer wieder so gut und rasch erneuern - ohne Eis kein Preis! Und wenn der Winter im März dahinschmilzt, feiert die Natur eine große Frühjahrs-Party!       

 

 

 

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