An einer Mauer des Warschauer Ghettos

Montag, 4. Februar 2013

Das Wort vom Sonntag

Die katholische Christenheit feiert heute den Gedenktag des hl. Hrabanus Maurus (780-856). Der hochgelehrte Mann mit dem Ehrennamen „Primus Paeceptor Germaniae“ - „Erster Lehrer der Deutschen“ - kam in Mainz zur Welt. Mit zehn Jahren besuchte er in Fulda die Klosterschule, mit 15 wurde er Benediktinermönch, mit 24 Priester und mit 32 Abt von Fulda. „Unter ihm erlebte das Kloster in geistlicher, wissenschaftlicher, künstlerischer und wirtschaftlicher Hinsicht einen gewaltigen Aufschwung“, schreiben Otto Wimmer und Hartmann Melzer in ihrem „Lexikon der Namen und Heiligen“. Hrabanus Maurus war der bekannteste Gelehrte seiner Zeit, aber „gemäß der geistigen Eigenart seiner Zeit kein origineller spekulativer Denker, vielmehr trug er den gesamten Wissensstoff aus den antiken Schriftstellern, den Kirchenvätern und den Werken des frühen Mittelalters zusammen und schuf damit die Grundlagen für den Unterricht an den Kloster- und Domschulen.“ Vor allem war er mit seinen Schriften auf lange Zeit bestimmend für die Ausbildung des Klerus und erzielte eine ungeheure Breitenwirkung der theologischen Neublüte unter Karl dem Großen. Er verfasste Schulbücher, kanonistische, dogmatische und homiletische Schriften, zwei Bußbücher, ein Martyrologium, umfangreiche Bibelkommentare und das Lehrbuch ‚Über die Unterweisung der Kleriker‘.“ Sein größtes Werk „De rerum naturaris“ („Über die Natur der Dinge“) umfasst 22 Bände. Er schrieb aber auch Gedichte und Hymnen, so etwa das bis heute berühmte „Komm, Schöpfer Geist“. Und er zeigte Interesse für die Sprache und die Bräuche es Volkes, auch für germanische Heldenlieder und Runen. In seinem „O Deus aeterne (Ad Deum Oratio)“ heißt es:

  „Was die Erde auch birgt,

  was Meer und Himmel umschließen,

  und was immer sich regt,

  was atmet, begehrt und empfindet,

  all dies schuf deine Hand

  und trägt und erhält es im Dasein,

  gibt ihm Leben und Kraft

  und lenkt es mit Allmacht und Weisheit.“

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Für Gott keine Zeit zu haben bedeutet für sich selbst keine Zeit zu haben.

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In seiner Predigt erzählt ein Hamburger Pfarrer das Märchen von dem indischen Königssohn, der, ins Spiel versunken, von zu Hause wegläuft, nicht mehr zurückfindet, immer tiefer in den Urwald gerät und unter Wilden aufwächst, bis er glaubt, selbst einer von ihnen zu sein. Erst dann kommt ein Botschafter seines Vaters, findet ihn, sagt ihm, wer er wirklich ist, worauf er nach Hause zurückkehrt. Ähnlich ergehe es, so die Philosophie der Geschichte, unserer Seele in der irdischen Welt. Ein starkes, schönes Bild.

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Spengler, „Der Untergang des Abendlandes“: "Eine Religion, die bei Sozialproblemen anlangt, hat aufgehört, Religion zu sein." - "Tertullian sprach von der militia Christi, und das Sakrament wurde als Fahneneid bezeichnet." – „Das Judentum hat sich wie das Persertum seit der Zeit des Exils aus sehr kleinen Stammesverbänden ins Ungeheure vermehrt und zwar durch Bekehrung und Übertritte. Es ist die einzige Form der Eroberung, deren eine Nation ohne Land fähig ist, und den magischen Religionen deshalb natürlich und selbstverständlich." – "Das Unvergleichliche, womit das junge Christentum sich über alle Religionen dieser reichen Frühzeit hinaushebt, ist die Gestalt Jesu." - "Das Christentum ist die einzige Religion der Weltgeschichte, in welcher ein Menschenschicksal der unmittelbaren Gegenwart zum Sinnbild und Mittelpunkt der gesamten Schöpfung geworden ist." - "Religion ist Metaphysik, nichts anderes: Credo, quia absurdum." - "Religion ist durch und durch Metaphysik, Jenseitigkeit, Wachsein inmitten einer Welt, in welcher das Zeugnis der Sinne nur den Vordergrund aufhellt; Religion ist das Leben in und mit dem Übersinnlichen, und wo die Kraft zu solchem Wachsein, die Kraft, auch nur daran zu glauben, fehlt, da ist die wirkliche Religion zu Ende." - "Was wäre der Seele damit geholfen, wenn man das Eigentum abschafft?" - "Wie war das doch anders - das Ringen in Gethsemane und die Stunde von Damaskus: ein Kind und ein Mann, Seelenangst und geistige Entscheidung, Ergebung in den Tod und Entschluß zum Wechsel der Partei."

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„Mein Leben verwirkliche ich nur, wenn ich loslassen kann“, sagt die Kapuzinerin Irmgard Mauch, „Menschen, Freunde, Dinge, Einfluß, Geld, Sorgen... Das letzte Ziel, Gott, erreiche ich nur, wenn ich alles vertrauend loslasse.“

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In „Das Wort zum Sonntag“ (ARD) sagt die evangelische Pastorin Annette Behnken: „Seit Jahren verlieren die Kirchen und ihre Vertreter massiv an Vertrauen. Möglich, dass Sie das auch erleben, dass Sie durch viele Umstände die Beziehung zur Institution Kirche verloren haben. Als ich mich damals von der Kirche abgewandt hatte, habe ich in anderen Religionen gesucht. Habe dort mit den Menschen gesprochen, viele Fragen gestellt. Habe geguckt: Was haben die für Antworten? Wie handeln die? Und: Wie beten sie? Ich habe einen Umweg gebraucht, um die Schätze meiner Tradition wiederzuentdecken. Ich habe entdeckt, dass die Worte der Bibel mir Trost und Kraft geben, wenn ich sonst mit Trost und Kraft am Ende bin. Ich habe entdeckt, dass ich klar und ruhig werde, wenn ich in einer schönen Kirche sitze und den alten Raum auf mich wirken lasse. Und da konnte ich wieder anfangen zu beten. So ist es mir ergangen, wie auch einem Schriftsteller: ‚Ich möchte nicht in einer Welt ohne Kathedralen leben. Ich brauche den Glanz ihrer Fenster, ihre kühle Stille, ihr gebieterisches Schweigen. Ich brauche die heilige Andacht betender Menschen. All das brauche ich.‘" Das Zitat stammt aus „Nachtzug nach Lissabon“ von Pascal Mercier, der eigentlich Peter Bieri heißt und sich als Mitbegründer des Forschungsschwerpunktes Kognition und Gehirn der Deutschen Forschungsgemeinschaft besonders der Philosophischen Psychologie, der Erkenntnistheorie und der Moralphilosophie widmet. Glauben und Wissen!

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An einer Mauer des Warschauer Ghettos gefundene Zeilen eines Juden: "Und das sind meine letzten Worte an dich, mein zorniger Gott: Es wird dir nicht gelingen! Du hast alles getan, damit ich nicht an dich glaube, damit ich an dir verzweifle! Ich aber sterbe, genau wie ich gelebt habe, im felsenfesten Glauben an dich!"

 

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