Die hl. Veronika und das wahre Jesus-Porträt

Montag, 4. Februar 2013

Die katholische Christenheit feiert heute den Gedenktag der hl. Veronika, doch hat diese Heilige überhaupt gelebt? Spuren führen in die Südtürkei.

Die Legende der hl. Veronika, deren Gedenktag heute gefeiert wird, findet eine ihrer Wurzeln in der heutigen Südtürkei. Dort, in der alten Stadt Edessa, dem heutigen Urfa, herrscht um die Zeitenwende der syrische König Abgar V. Nach der Legende bittet er Jesus in einem Brief um Heilung von einer Krankheit und lädt ihn ein, zu ihm zu kommen, wo er vor den Nachstellungen der Juden sicher sei. Jesus antwortet, daß sich sein Schicksal in Jerusalem erfüllen müsse, schickt dem König aber zugleich sein Abbild, das er mit seinem Gesicht auf ein Tuch geprägt habe. Beim Blick auf das göttliche Antlitz wird Abgar geheilt. Später leitet der hl. Ephräm der Syrer in Edessa ein bedeutendes Zentrum hellenistischer Wissenschaften, in deren Schatzkammer auch das Schweißtuch Christi aufbewahrt worden sein soll. Seit dem 6.Jhdt. kursiert eine Version der Legende, nach der nicht mehr der König selbst, sondern seine Tochter Beronike das Tuch erhalten habe.

Im Jahr 544 wird über dem Stadttor ein Christusbild entdeckt, das bald höchste Verehrung genießt; es gilt als Acheiropoietón, "nicht von Menschenhand gemacht". Später kommt es nach Konstantinopel und wurde dort von den Kreuzrittern geraubt. Heute behaupten Kirchen in Rom, Paris und Genua, es zu besitzen. Das Edessa-Bild stellt den Urtypus für sämtliche Christusdarstellungen des Ostens bis in unsere Zeit dar. Eine andere Legende berichtet, Pilatus habe ein Porträt des Heilands malen lassen. In Italien gibt es schon seit dem 4.Jhdt. Christusbilder, die offenkundig von dem byzantinischen Vorbild beeinflusst sind. Im Oratorium S.Maria ad Praesepem zu Rom wird seit dem 8.Jhdt. ein Christusbild verehrt, das Vultus effigeis ("Abbild des Antlitzes") oder Sudarium ("Schweißtuch") hieß. Eine Beischrift aus dem 12. Jhdt. nennt es "Vera ikon" ("wahres Abbild"), woraus sich der volkstümliche Name Veronika herleitet, wahrscheinlich in lautlicher Anlehnung an den Namen der Königstochter Beronike.

Dieses „Sudarium“ ist eine Holztafel mit einer Bildmaske, die der Draperie eines Tuches ähnelt. Von ihr gibt es wie von dem Christusbild aus Edessa mehrere Kopien; eine wird im Petersdom aufbewahrt. 1950 kopiert der Prager Arzt R.W.Hynek dieses Bild fotografisch über das Antlitz Christi auf dem Turiner Leichentuch und stellt fest, dass alle Konturen und Proportionen einschließlich der größeren Wunden und Blutspuren im Gesicht exakt übereinstimmen. Bei einem Besuch 1972 zeigte sich Urfa als eine Stadt von rund 75 000 Einwohnern, heute sind es doppelt so viele. Aus der staubigen Ebene ist ein Garten Eden geworden, denn dort endet der über 26 Kilometer lange Urfa-Tunnel, durch den das Wasser des Euphrat aus dem riesigen Atatürk-Stausee auf die Felder der alten Abraham-Stadt Haran geleitet wird.

Dass es eine fromme Frau in Jerusalem mit Namen Veronika, die Jesus ein Schweißtuch reicht und damit die sechste Station des Kreuzwegs begründet, wohl nie wirklich gegeben hat, stört weder die Volksfrömmigkeit noch die Beliebtheit des Namens in katholischen Gegenden („Vroni“). Andere Legenden erzählen andere Geschichten: Einige setzen die hl. Veronika mit der blutflüssigen Frau aus Matthäus 9,20 oder mit Martha von Bethanien, der Schwester Maria Magdalena, gleich. Nach einer anderen Überlieferung bringt Veronika das Tuch später nach Rom zu dem kranken Kaiser Tiberius, der sich nach seiner wunderbaren Genesung taufen lässt. Die heilige Botin bleibt in der Metropole und vermacht das Tuch später dem hl. Clemens. Wieder eine andere Tradition erzählt, die Frau sei mit einem Tuch zu Jesus gegangen, um ihn zu porträtieren, worauf der Gottessohn selbst seine Gesichtszüge darauf einprägte. Und auch der Evangelist, der in der Legende ein Kunstmaler ist, wird mit dem Tuch in Verbindung gebracht: Dreimal versucht er, Jesus zu porträtieren, doch nie gelingt es ihm, bis der Erlöser schließlich sich das Tuch auf das Gesicht legt.

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt