Christliche Sklaven in arabischer Gefangenschaft

Freitag, 8. Februar 2013

Das Wort zum Freitag

Die katholische Christenheit feiert heute den Gedenktag des hl. Johannes von Matha, Begründer des Ordens der Trinitarier. Am 23.Juni 1160 zu Faucon in Südfrankreich geboren, studiert er in Paris und findet durch eine Vision seinen Weg: Als er bei seine Primiz, seine erste Messe als Priester feiert und nach der Wandlung die heilige Hostie hebt, erscheint ihm über dem Altar ein Engel in Gestalt eines schönen Jünglings in einem weißen Kleid mit einem roten und einem blauen Kreuz auf der Brust; neben ihm knien zwei Sklaven in Ketten, der eine ein Christ, der andere ein Heide. Der junge Geistliche schildert die Erscheinung dem Bischof von Paris, dem Rektor der Universität und den Äbten zweier Klöster, die dem Gottesdienst beiwohnen. Um sich auf seine Mission der Gefangenenbefreiung vorzubereiten, wird er Einsiedler im Wald von Gandeln bei Meaux. Dort findet er in dem hl. Felix von Valois, der in der Wildnis schon lange als Eremit lebt, einen väterlichen Freund. Nach langen, harten Bußübungen machen sich die beiden frommen Männer auf den Weg nach Rom und tragen Papst Innozenz II. ihr Anliegen vor. Der Papst nimmt sie gütig auf, erlebt bei einer Meßfeier die gleiche Vision, und nun zweifelt niemand mehr, dass „Gott seinen heiligen Willen kundgetan hat“: Die beiden Freunde gründen den Orden von der Hl. Dreifaltigkeit („Trinitarier“) zum Loskauf Gefangener in Afrika. Schon bald gelingt es, die ersten christlichen Sklaven aus den arabischen Ländern in die Heimat zurückzuführen. Johannes von Matha gerät dabei in gefährliche Situationen, bleibt der Aufgabe aber treu. „Es hieß, der Papst habe Johannes in Rom behalten wollen und ihm den Kardinalshut zugedacht, um ihn zu binden“, schreiben Erna und Hans Melchers in „Das Große Buch der Heiligen“. „Indessen verfolgte der Heilige unbeirrt seinen von Gott ihm gewiesenen Weg.“ Er starb am 17.Dezember 1213 in Rom; sein Grab findet sich in Madrid.

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Wer heute in Gesprächen Formulierungen benutzt wie "So Gott will" oder "Das weiß Gott allein", erntet oft verwunderte Blicke: Der modernen Konversation dient der Name des Herrn fast nur noch zu Floskeln wie „Mein Gott!“ Oder "Gottseidank", und ganz sicher wird er heute in der Öffentlichkeit von den Nichtgläubigen öfter ausgesprochen als von den Kindern der Kirche.

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Aus Hermann Hesses „Glasperlenspiel“-Geschichte „Der Regenmacher“: „Es hatte sich damals gezeigt, dass in Zeiten der Beunruhigung und der allgemeinen Sorge ein Mann desto brauchbarer ist, je mehr er sein Leben und Denken auf Geistiges und Überpersönliches gerichtet, je mehr er verehren, beobachten, anbeten, dienen und opfern gelernt hat.“ – „Er hatte aber auch gelernt, dass ein forschender geistiger Mensch die Liebe nicht verlieren darf, dass er den Wünschen und Torheiten der Menschen ohne Hochmut entgegenkommen, sich aber nicht von ihnen beherrschen lassen dürfe, dass es vom Weisen zum Scharlatan, vom Priester zum Gaukler, vom helfenden Bruder zum schmarotzenden Nutznießer immer nur einen Schritt weit ist und dass die Leute im Grunde weit lieber einen Gauner bezahlen, sich von einem Marktschreier ausnützen lassen, als ohne Entgelt eine selbstlos geleistete Hilfe annehmen.“ – „Und wenn wir auch, über diesen Regenmacher und seine uns früh und primitiv anmutende Zeit hinaus, noch um weitere Jahrtausende zurückgehen könnten: wir würden, das ist unser Glaube, mit dem Menschen zugleich überall auch schon den Geist antreffen, den Geist, der ohne Anfang ist und immer schon alles und jedes enthalten hat, was er später je hervorbringt.“

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Über Raffaels Sixtinische Madonna schreiben

Oswald Spengler in „Der Untergang des Abendlandes“: "Aber hat man wohl die Morgenwölkchen bemerkt, die, sich in Kinderköpfe verwandelnd, die ragende Gestalt umgeben? Es sind die Scharen der Ungeborenen, welche die Madonna ins Leben zieht."

Ernst Jünger in seinen Tagebüchern: "Plasmatisches wird berührt, beginnt sich zu formen, glättet sich wieder; das Namenlose steigt aus der tiefe zur Oberfläche der Individuationen auf. Stellen sich ungeborene Brüder oder schon Existenzen vor? Hierzu Raffaels Schleier von Kinderköpfen hinter der Madonna, auch Ibsens 'Knopfgießer'."

Der Kunsthistoriker Andreas Henning: „Das Bild zeigt eine Epiphanie: Die geistige Welt tritt dem Betrachter entgegen. Gekonnt hat Raffael beide Sphären, die irdische und die himmlische, in dem Bild zusammengefügt.“ Die Vision zeigt wohl einen inneren Erfahrungsweg der Seele durch die Stufen von Reinigung, Erleuchtung und Einung: Sie entwickelt sich aus der Stufe der Engel über die auf dem Bild dargestellten Heiligen Sixtus und Barbara zur Maria als der reinen Seele, in der sich die Gottesgeburt vollzieht.

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Aus einem Hymnus Christian Knorrs von Rosenroth aus dem Jahr 1684:

  „Gib, daß deiner Liebe Glut

  unsre kalten Werke töte,

  und erweck uns Herz und Mut

  bei entstandner Morgenröte,

  daß wir, eh wir gar vergehn'n,

  recht aufstehn.“

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Am Sonntag feiert die Kirche den Gedenktag der hl. Scholastika, der Schwester des hl. Benedikt. Ihr Biograph Papst Gregor stellt sie sogar noch über den weit berühmteren Bruder, denn: "Jene vermochte mehr, weil sie mehr liebte." Nach ihrem Tod sah Benedikt ihre Seele in Gestalt einer Taube zum Himmel steigen. Die Volksfrömmigkeit verehrt sie als Helferin gegen Blitze und für Regen, weil sie an ihrem letzten Lebenstag beides erbat: Sie durfte den geliebten, aber sehr strengen Bruder jedes Jahr nur ein einziges Mal treffen, nicht in seinem Kloster, sondern in einem Landhaus, und als er sich bei der letzten Begegnung an einem milden Abend unter klarem, wolkenlosen Himmel von ihr verabschieden wollte, betete sie ein Unwetter herbei, das ihn zum Bleiben zwang. Drei Tage später war sie tot.

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Rupert Neudeck: „Mit unseren Urworten wird Schindluder getrieben. ‚Christlich’ und ‚humanitär’ waren für mich, als ich noch die Schulbank gedrückt habe, eindeutige, unmissverständliche Begriffe. Es war klar, was das geheißen hat, ein Christ zu sein. Christ ist man, wenn man weiß, dass man sich so unendlich anstrengen muss, es zu werden.“


 

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