Juliana und der Teufel

Donnerstag, 14. Februar 2013

Das Wort zum Freitag

Die katholische Christenheit feiert am Samstag, 16.Februar den Gedenktag der hl. Juliana (285-304), einer einst sehr populären, heute vielfach vergessenen Heiligen: Zu legendär scheint ihre Geschichte, zu wundersam ihr Ringen mit Satan. Mittelalterliche Darstellungen zeigen sie mit einem geflügelten Teufel, den sie an einer Kette mit sich zieht. Ihre Lebensgeschichte führt in die Zeit der grausamen Christenverfolgungen Kaiser Diokletians im 3.Jahrhundert zurück. Juliana ist erst neun Jahre alt, als sie mit dem vornehmen Jüngling Eleusius verlobt wird. Sie stammt selbst aus einer angesehenen Familie in Nikomedien (heute Türkei), die noch dem alten Götterglauben anhängt. „Durch besondere göttliche Fügung fand sie schon als Kind Zutritt zu den Versammlungen der Christen und bekannte sich, nachdem sie getauft war, bald öffentlich als Christin“, schildern Erna und Hans Melchers in ihrem „Großen Buch der Heiligen“. „Als sie achtzehn Jahre alt geworden war, sollte die Ehe vollzogen werden, allein die Jungfrau erklärte zum Erstaunen ihrer Eltern, daß sie ihm nicht vermählt werden wolle, es sei denn, er empfinge den Christenglauben.“ Eleusius ist inzwischen Statthalter. Der Dialog der Verlobten ist überliefert. „Wenn du meinen Gott anbetest, so will ich deinen Willen tun, anders wirst du niemals Herr über mich sein“, sagt die junge Frau. „Wenn ich das täte, so schlüge mir der Kaiser den Kopf ab“, erwidert der Statthalter. Die Heilige sagt: „Wenn du den irdischen Kaiser derart fürchtest, wie erst muss ich meinen himmlischen Richter und Kaiser fürchten!“ Eleusius reagiert wenig männlich, er lässt die unwillige Braut auspeitschen und sechs Stunden lang an ihren Haaren aufhängen. Als sie auch nach weiteren Folterungen nicht wankend wird, wirft er sie ins Gefängnis. Dort erscheint ihr eine kleine Engelsgestalt und redet ihr zu, sie brauche nicht länger zu widerstehen, da sie ihre Glaubenstreue bereits bewiesen habe. Doch die Heilige durchschaut den Lügner und betet: O mein Herr und Gott, lass mich nicht verderben, tue mir kund, wer mir das anrät.“ Da ruft eine Stimme vom Himmel: „Greife ihn und fessle ihn, dann wird er dir sagen, wer er ist.“ Juliana wirft den angeblichen Engel zu Boden und bindet ihn mit einer Kette. Daraufhin gesteht der Teufel, er sei von seinem Vater Belzebub gesandt, um sie zum Abfall vom Glauben zu bewegen. Am nächsten Tag schleift Juliana den Teufel an einer Kette zum Gericht. Bei ihrem Anblick bekehren sich viele Menschen, Eleusius aber lässt sie wieder foltern. Henkersknechte gießen ihr glühendes Blei auf den Kopf, am Ende wird sie enthauptet. Christen bringen ihren Leichnam nach Cumae bei Neapel. Heute wird die Heilige oft bei Entbindungen und Krankheiten angerufen; im Mittelalter ist ihr Kult besonders in den Niederlangen weit verbreitet.

*

Die Wissenschaft bleibt Gott auf der Spur, doch erst im Jenseits werden sich alle Geheimnisse der Schöpfung enthüllen.

*

Bach, "Alles was Odem hat" aus der Motette BWV 225: Ein schönerer Abschluss des Tages ist kaum zu denken. Die heilige Kunst des Komponisten lässt erdschwere Gravitation und irdische Unvollkommenheit unter sich.

*

Aus einer Homilie des hl. Gregor des Großen: "Wir nämlich die Wahrheit nicht liebt, der hat sie noch nicht erkannt."

*

Schopenhauer, "Die Welt als Wille und Vorstellung", 1.Buch, 17.Kapitel "Metaphysische Bedürfnisse des Menschen": "An plumpen Fabeln und abgeschmackten Märchen läßt er sich bisweilen genügen; wenn nur früh genug eingeprägt, sind sie ihm hinlängliche Auslegungen seines Daseins und Stützen seiner Moralität. Man betrachte z.B. den Koran: dieses schlechte Buch war hinreichend, eine Weltreligion zu begründen, das metaphysische Bedürfnis zahlloser Millionen Menschen seit 1200 Jahren zu befriedigen, die Grundlage ihrer Moral und einer bedeutenden Verachtung des Todes zu werden, wie auch, sie zu blutigen Kriegen und den ausgedehntesten Eroberungen zu begeistern. Wir finden in ihm die traurigste und ärmlichste Gestalt des Theismus. Viel mag durch die Übersetzungen verloren gehen; aber ich habe keinen einzigen wertvollen Gedanken darin entdecken können." Geschrieben 1819, stünde heute längst auf dem Index der Political correctness, wenn es denn überhaupt noch jemand läse.

*

In einem Vorwort zu Texten des 1309 in Kairo gestorbenen Sufi-Mystikers Ibn Ata Allah ("Bedrängnisse sind Teppiche voller Gnaden") schreibt die Professorin für Indo-Muslimische Kultur Annemarie Schimmel: "Der ständige Wechsel zwischen Furcht und Hoffnung, die nach einem alten Sufi-Wort 'die beiden Flügel sind, welche den Menschen zu Gott tragen', bestimmt das ganze Dasein des Menschen; denn in jedem Augenblick zeigt Gott andere Manifestationen Seiner Gewalt oder Seiner Gnade, so daß das Herz sich niemals an einen Zustand gewöhnen kann. In der mystischen Psychologie ist diese Erfahrung ausgedrückt in den beiden Zuständen, die den 'Stationen' Furcht und Hoffnung entsprechen ... Goethe hat diesen ihm aus der persischen Dichtung geläufigen Gedanken im West-Östlichen Divan ausgesprochen: 'Im Atemholen sind zweierlei Gnaden ... Du danke Gott, wenn er dich preßt, und dank' ihm, wenn er dich wieder entläßt.' Dass, wie die persischen Mystiker in einem schönen Bild sagen, aus der dunklen Nacht die 'Sonne um Mitternacht' erscheinen wird - das ist die unverhoffte Gnade Gottes für diejenigen, die nicht an Ihm gezweifelt haben oder verzweifelt sind. Es ist lockend, von diesem Konzept eine Beziehung zur 'dunklen Nacht der Seele' in den Werken des Johannes vom Kreuz herzustellen." Die beiden jüngsten und größten Weltreligionen sind einander oft viel näher, als die aktuellen Ereignisse manchen vermuten lassen.

 

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt