Zum 85. Geburtstag Friedrich Kardinal Wetters

Mittwoch, 20. Februar 2013

„Gott ist es auch, der uns mit dem Geschenk der Zeit den Raum der Zukunft öffnet. Um uns in dieser Weite zurechtzufinden, brauchen wir ein Ziel.“

Die katholische Kirche in Deutschland feiert heute den 85. Geburtstag Friedrich Kardinal Wetters, des emeritierten Erzbischofs von München und Freising. Der Sohn eines Lokomotivführers aus Landau in der Pfalz machte 1948 am Landauer Gymnasium Abitur und studierte Katholische Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main sowie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Dort empfing er 1953 durch Kurienkardinal Clemente Micara die Priesterweihe. 1956 promovierte er mit einer Dissertation zum Thema „Die Lehre Benedikts XII. vom intensiven Wachstum der Gottesschau“ zum Doktor der Theologie. Weitere Stationen: Kaplan und Dozent in Speyer, Professor für Fundamentaltheologie in Eichstätt, Bischof von Speyer und Nachfolger Josef Kardinal Ratzingers als Erzbischof von München und Freising. 1985 wird er Kardinal. Seine Amtszeit in München endet 2008. Seine Fernsehansprachen zum Jahreswechsel machen ihn über die Kirche hinaus bekannt. Auszüge:

Zum Jahresanfang 2000 sagt Wetter: "Jesus Christus ist die ausgestreckte Hand Gottes, an der wir leben können. Mit Jesus Christus erreichen wir das Ufer der Ewigkeit. Ergreifen wir die Hand das Herrn und besteigen wir mit großer Zuversicht das Schiff des 21. Jahrhunderts und stellen wir unser Segel auf volle Fahrt! Wir werden spüren, zu welcher Fahrt wir fähig sind - zur Fahrt in die Fülle des Lebens in Gott." - "Der Weg ins neue Jahr, ins neue Jahrhundert ist nicht vorprogrammiert. Wir gestalten unsere Zukunft. An uns liegt es, wie wir mit der Zeit und unseren Kräften umgehen. Aus unserem Leben etwas Gutes machen, die Zeit auskaufen, das ist die große Herausforderung unseres Lebens. Wir brauchen Wagemut und Entscheidungskraft und können nie stille stehen. Die Zeit läuft unaufhaltsam dahin und mit ihr unser Leben. Im Fluß der Zeit geschieht Endgültiges. Die Ewigkeit ragt bereits in unsere Zeit, in unseren Alltag hinein.“

Und: „Das neue Jahr ist uns von Gott geschenkt wie auch die weiteren, vor uns liegenden Jahre des neuen Jahrhunderts. Gott ist der Schöpfer. Er hat die Welt erschaffen, und mit ihr die Zeit. Er ist es auch, der uns mit dem Geschenk der Zeit den Raum der Zukunft öffnet. Darum beten wir mit dem Psalmisten: 'Du führst mich hinaus ins Weite.' Um uns in dieser Weite zurechtzufinden, brauchen wir ein Ziel. Gott selbst hat es uns gezeigt in seinem Sohn Jesus Christus, denn auf ihn hin hat er uns geschaffen...

Wetter über Jesus: „Vor 2000 Jahren wurde Jesus Christus Mensch, Bruder von uns allen. Er ist Mensch geworden und zugleich Gottes Sohn. Das feiern wir in diesem Jubiläumsjahr. Er lädt uns ein, ihm nachzufolgen: Haltet euch an mich, damit ihr nicht in die Irre geht, sondern das Ziel erreicht. Er ist Weg und Ziel zugleich. Schauen wir auf Jesus, um uns von ihm den Weg zeigen zu lassen… Christus hat uns den Weg in die Zukunft gebahnt, und damit auch durch das neue Jahr und hinein in das neue Jahrhundert. Dieser Weg führt dorthin, wo Christus nun lebt. Das ist die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Heiligen Geist, eine Gemeinschaft unbeschreiblicher Glückseligkeit. Dorthin sind wir unterwegs. In diese Weite führt uns Gott. Das ist nicht mehr die Weite dieser Welt, die mit den Maßen von Zeit und Raum gemessen wird, nach Kilometern, Jahren oder Tagen, das ist die Weite des Lebens Gottes, das keine Grenzen kennt. Leben mit Gott ohne Ende. Am Ziel der Zeit, bei Gott, da findet der, der zu ihm gehört, Leben in Fülle ohne Ende." Dorthin will ich unterwegs sein. Dann ist auch Gott mit mir.

Der Kardinal zum Jahresbeginn 2001: "Je schneller die Entwicklung, desto notwendiger ist die klare Vorgabe der Zielrichtung. Diese Vorgabe ist der Mensch. Wie aber steht es um den Menschen? Er wird immer weniger von dem her gesehen, was er auf Grund seines Wesens ist, dafür aber immer stärker als ein naturwissenschaftliches Produkt, das wir bald nach unseren Wünschen herstellen können. Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass sich nicht mehr alle Menschen darüber im Klaren sind, was der Mensch ist." - "Der Weg in die Zukunft ist der Mensch." - "Wo aber finden wir Antwort auf der Frage nach dem Menschen? Edith Stein sagte: ‚Je dunkler es hier um uns wird, desto mehr müssen wir das Herz öffnen für das Licht, das von oben kommt.'" - "Gott ist zu uns gekommen, um uns zu sich zu holen und uns Anteil zu geben am Austausch der Liebe, von dem er selbst lebt. Er ist das Ziel, auf das hin wir in unserem Leben unterwegs sind." - "Der Mensch ist nicht herstellbares Produkt, sondern der Sohn, ein von Gott geliebtes Du, mit allen Schwächen und Behinderungen, von Gott geliebt und berufen zu einem heilen Leben mit Gott." - "Wir dürfen an Gottes herrlichem Leben teilhaben." - "Wir gehen nicht allein. Gott geht mit."

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt