Abtreibung, Kirche und Grundgesetz

Montag, 25. Februar 2013

Das Wort vom Sonntag

Die katholische Kirche feiert heute das Gedächtnis der hl. Walpurga, einer besonders in Süddeutschland sehr volkstümlichen Heiligen. Die Tochter Richards von England und Schwester der Heiligen Willibald und Wunibald aus der Zeit des hl. Bonifatius kommt um das Jahr 710 zur Welt. Sie wird wahrscheinlich im Kloster Wimborn bei Bournemouth (Südengland) unterrichtet und zusammen mit den Heiligen Lioba und Thekla als Missionshelferin nach dem damaligen Ostfranken geschickt. Es ist die große Zeit der britannischen Mission. Zuerst wirkt Walpurga mit Lioba in Tauberbischofsheim, dann ab 751/52 in dem von ihren Brüdern gegründeten Doppelkloster Heidenheim bei Treuchtlingen südlich von Nürnberg. Als Äbtissin macht sie das Kloster zu einem religiösen und kulturellen Mittelpunkt: „Für die ganze Umgebung wurde sie zu einer vielgesuchten Beraterin und Helferin in leiblichen und geistigen Nöten“, schreiben Erna und Hans Melchers in ihrem „Großen Buch der Heiligen“. „Gott hatte ihr die Gabe verliehen, Wundertaten zu vollbringen, und noch aus ihren Lebzeiten sind deren manche überliefert.“ Einmal sucht sie einen Schlossherrn auf, dessen Tochter im Sterben liegt, und lässt sich mit der Schwerkranken einschließen. Die ganze Nacht liegt die Äbtissin auf den Knien, und am Morgen ist das Mädchen auf wundersame Weise geheilt. Walpurga stirbt am 25. Februar 779. Bischof Otkar überträgt ihre Gebeine in die nach ihr benannte Klosterkirche St. Walburg zu Eichstätt. Von dort kommen im Jahr 893 Reliquien auch in das Frauenkloster Monheim und in das westbelgische Furnes, das zum Ausgangspunkt eines Walburga-Kultes in Flandern und Nordfrankreich wird. Um das Jahr 1069 veranlasst Erzbischof Anno II. von Eichstätt die Überführung der Hirnschale und des Stabes der Heiligen nach Walberberg bei Bonn. Mit der Walpurgisnacht hat sie nichts zu tun. Das angeblich wunderkräftige Walpurgisöl ist ein flüssiger Niederschlag, der sich an ihrem Reliquienschrein in Eichstätt bildete. Walpurga ist Patronin der Bauern und Landarbeiter, für das Gedeihen der Feldfrüchte und der Haustiere.

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John Henry Newman: "Leben heißt sich verändern. Vollkommensein heißt, sich oft verändert haben."

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Im ARD-„Wort zum Sonntag“ erzählt der evangelische Pastor Alfred Buß, bis Frühjahr 2012 Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, von einer Diamantenen Hochzeit: „Dort sagte der alte Herr: ‚Nun bin ich schon 60 Jahre mit dem fremden Mädchen verheiratet.‘ Da kennen sich zwei in- und auswendig, und doch bleibt der vertraute Mensch auch fremd. Der Weg zum anderen muss immer wieder neu gesucht werden.“

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In Indiens Riesen-Epos „Mahabharata“ sagt die so schöne wie kluge Prinzessin Draupadi: "Gott durchdringt wie die unendliche Zeit jedes Geschöpf und fügt sein Wohl und Weh: wie ein Vogel, festgebunden an einem Faden, hängt jedes Geschöpf von Gott ab, und er, der oberste Herr, spielt mit seinen Geschöpfen, wie es ihm gefällt, schafft und zerstört sie immer wieder, wie ein Kind spielt mit seinem Spielzeug. Sehe ich die Leiden der Tugendhaften und das Glück der Sündhaften, bedrängen mich Zweifel an seiner göttlichen Fügung ... Ein denkendes Wesen muß Taten vollbringen und darf nicht in Tatenlosigkeit verharren. Die Menschen, die an Vorsehung glauben und diejenigen, die auf den Zufall vertrauen, irren, denn sie vergessen das Bemühen."

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Das Wissen gehört zur Welt, zu Gott der Glaube.

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Vergil, 4.Ekloge:

  "Letzte Weltzeit ist nun da, cumaeischen Sanges;

  groß aus Ursprungsreine erwächst der Zeitalter Reihe.

  Nun kehrt wieder die Jungfrau, kehrt wieder saturnische Herrschaft,

  nun wird neu ein Sproß entsandt aus himmlischen Höhen.

  Sei der Geburt des Knaben, mit dem die eiserne Weltzeit

  gleich sich endet und rings in der Welt eine goldene aufsteigt,

  sei nur, Lucina, du reine, ihm hold, schon herrscht dein Apollo."

Über den wunderbaren Knaben:

  "Er wird Götterleben empfangen, wird zu den Göttern

  sehn die Heroen gesellt, wird selbst unter ihnen erscheinen

  und die befriedete Welt beherrscht er in der Kraft des Vaters."

Aus dem Nachwort: "Die zahlreichen Bemühungen von Theologen, Philologen und Historikern um die Erklärung dieses Gedichtes haben wenigstens eine Tatsache als unbestreitbares Ergebnis herausgestellt: die 4.Ekloge entzieht sich - vermutlich für immer - einer Deutung, die allgemein anerkannt werden könnte ... Außerhalb der Heiligen Schrift gibt es wenig, was so die adventhafte Lage der Menschheit ausdrückte."

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In der Sonntagspredigt erinnert der Pfarrer an das Bekehrungserlebnis Paul Claudels während einer Vesper im Winter des Jahres 1886 in Notre Dame. Aus Langeweile war der junge Schriftsteller zum Hochamt gegangen, am Nachmittag wiedergekehrt, und dabei hatte er plötzlich zum Glauben gefunden, in einer Sekunde, getroffen wie von einem Blitz, ohne dass er hinterher - trotz aller Bemühungen, den Vorgang genau zu rekonstruieren - jemals hätte sagen können, was da in ihm geschehen war. Er sagte nur, so der Pfarrer: Gott ist da. Gott liebt uns. Gott ruft uns. Und: Die jungen Menschen, die so leichtfertig ihren Glauben aufgeben, ahnen nicht, wie viel Mühe, wie viel Qual auch es kostet, ihn wieder zu gewinnen.

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In der gesamten Diskussion um die beiden Kölner Krankenhäuser, die ein Vergewaltigungsopfer abwiesen, fehlt durchgängig der Hinweis darauf, dass Abtreibung in Deutschland verboten ist, sowohl nach dem Grundgesetz als auch nach dem Strafgesetzbuch. Doch wird der Schwangerschaftsabbruch unter bestimmten Voraussetzungen straffrei gestellt. Bedeutet in der Praxis: Der Staat sperrt schon lange keine Frau mehr wegen einer Abtreibung ein – die katholische Kirche tut das auch nicht. Der Staat überlässt die letzte Entscheidung über eine Abtreibung der betroffenen Frau – so auch die Kirche. Der Staat lässt Frauen, die über eine Abtreibung nachdenken, nicht allein, sondern versorgt sie mit Beratungsstellen – die Kirche ebenfalls. Unterschied: Staatliche Beratungsstellen stimmen Abtreibungswünschen stets ohne weiteres zu – kirchliche nicht. Doch auch bei der katholischen Kirche steht das Einzelschicksal über dem Dogma. Ein zentrales Problem der katholischen Kirche ist, dass sie sich trotz ihrer hohen moralischen Kompetenz immer wieder von ihren Feinden auf die Anklagebank setzen lässt. In der Frage der Abtreibung steht die katholische Kirche auf dem Boden der Verfassung – ihre Feinde häufig nicht, für viele gilt noch das klassische „Legal – illegal – scheißegal“. Doch welche Zukunft hätte eine Kirche, der alles egal ist?

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Ein TV-Bericht über den Jakobsweg zitiert Cervantes: „Europa wurde durch die Pilger gemacht.“

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Der Schlosser Baldomer aus dem 7.Jahrhundert ist einer der stillsten Heiligen: „Er wartet nicht auf mit Märtyrerkrone, Eremitentum oder Kirchen- und Ordensgründungen“, schreibt das „Große Buch der Heiligen“. „Er war weder Priester noch Bischof oder gar königlicher Abstammung. Wie der hl. Joseph gehörte Baldomer dem arbeitenden Volke an. Er ist ein Heiliger aus dem Stande der Handwerker und Patron der Schmiede und Schlosser. Abgebildet wird er mit einem Schurzfell angetan, in der Hand Hammer und Zange.“ Aufgewachsen in der französischen Provinz Franche-Comté als Kind sehr gottesfürchtiger Eltern, zeigt er schon früh großen Fleiß und besondere Frömmigkeit. Aus er ausgelernt hat, richtet er sich in Lyon eine Werkstatt ein,  in der er mehrere Gesellen und Lehrlinge beschäftigt. „Er kannte keine Zeitverschwendung und lebte nach einer ganz genauen Tageseinteilung, in der Gebet und Arbeit aufs pünktlichste zu ihrem Recht kamen“, heißt es in einer alten Biographie. „Jeden Tag besuchte er die Messe, in seiner Werkstatt wurde nicht geschimpft und nicht geflucht, nicht geklatscht und keine Zoten zum Besten gegeben.“ Der Meister sorgt gut für seine Mitarbeiter, zahlt fairen Lohn, gibt auch genug zu essen. „Da er Keuschheit gelobt hatte und unverheiratet blieb, sah er Armen als seine Kinder an und half ihnen im stillen, wo er nur konnte.“ Alt geworden, verkauft Baldomer sein Geschäft und zieht sich in das Kloster Sanct Justi bei Lyon zurück. Die Mönche wählen ihn trotz seines Widerstrebens zum Subdiakon. Am 28. Februar 650 stirbt er. Von seinen Reliquien erzählt man sich bald Wundergeschichten. Fast tausend Jahre bleibt sein Grab ein vielbesuchter Wallfahrtsort, doch im 17.Jahrhundert wird es von Hugenotten zerstört.

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C.F.Meyer, "Huttens letzte Tage", "Feldmann":

  "Die wilde Jagd des Lebens geht zu End...

  Komm! Sehn wir, ob im Herd ein Feuer brennt."

"Ein christlich Sprüchlein":

  "Es ängstiget, es sehnt sich allezeit

  Die Kreatur in ihrer Endlichkeit."*

"Das Kreuz":

  "Doch Qual und Schmerz ist auch ein irdisch Teil,

  Das wußte Christ und schuf am Kreuz das Heil."


 

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