Die Kaiserin auf dem glühenden Eisen

Donnerstag, 28. Februar 2013

Das Wort zum Freitag

Die katholische Kirche feiert heute das Gedächtnis des hl. Suitbert, eines besonders mutigen Missionars aus dem Frühmittelalter, der sich den Ehrentitel „Apostel der Deutschen“ redlich verdiente. Von Geburt ein Graf von Nottingham, lässt er sich von dem berühmten Bischof Egbert in einem irischen Kloster zum Glaubensboten ausbilden. Um das Jahr 690 fährt der Benediktinermönch mit elf anderen über die Nordsee nach Westfriesland, das heutige Holland. Um diese Zeit ist der hl. Willibrord gerade dabei, in Utrecht unter dem Schutz der Franken ein Kloster zu bauen. Der junge Suitbert will über den Rhein in heidnisches Gebiet vordringen, doch Willibrord lehnt solche riskanten Unternehmungen ab. Als der Chef aber nach Rom reist, ist die Bahn frei, und der junge Engländer macht sich auf den Weg zu den Brukterern zwischen Lippe und Ruhr. Die Germanen zeigen sich feindlich, doch Suitbert kennt die modernen landwirtschaftlichen Methoden der höher entwickelten Länder. Als er den Bauern zeigt, wie man heutzutage Land rodet, Korn anbaut und Pferde züchtet, ist das Eis gebrochen. Es ist ein Knowhow-Export wie gut tausend Jahre später im beginnenden Industriezeitalter, als aus England die Dampfmaschine nach Deutschland kommt. Doch die mächtigen Nachbarn der Brukteter, die Sachsen, wollen keine Christen in der Nähe dulden. Sie fallen in das nördliche Westfalen ein, besiegen Suitberts Gastgeber in einer mörderischen Schlacht und behandeln den Missionar so grausam, dass er dabei fast umkommt. „Sicher hätten die fanatischen Sachsen ihn getötet“, schreiben Erna und Hans Melchers in ihrem „Großen Buch der Heiligen“, „wenn er nicht im letzten Augenblick mit Gottes und einiger Freunde Hilfe hätte fliehen können.“ Er lässt sich in einer fränkischen Burg auf der Rheininsel Kaiserswerth nieder, baut dort ein Kloster und bildet nun selbst junge Mönche aus, die in Germanien missionieren wollen: „Viele Gefangene konnten durch ihn befreit werden, und inmitten der christenfreundlichen Gebiete errichtete er Stätten des Glaubens.“ Nach seinem Tod im März 713 „soll der Rhein um Kaiserswert in einem strahlenden Licht geleichtet haben“, und danach „schleppte der Strom binnen kurzer Zeit gewaltige Schlamm- und Sandmassen heran, so daß die Insel mit dem Lande fest verwachsen blieb bis auf den heutigen Tag.“ Viele Wunder halten die Verehrung für den Heiligen hoch. Vor allem soll Suitbert immer wieder Ertrunkene ins Leben zurückgebetet haben, noch nach seinem Tod etwa das Töchterchen eines Rheinschiffers, das erst nach Stunden unter Wasser mit einem Bootshaken aufgefischt worden war: „Der verzweifelte Vater nahm die Leiche des Kindes auf den Arm und trug sie in Suitberts Kirche, wo er sie am Altare niederlegte. Er bat den Heiligen inständig, er möge bei Gott erwirken, daß ihm geholfen werde. Da sah er diesen plötzlich erscheinen, tröstlich lächeln und das Mädchen mit seiner Hand berühren. Sogleich regte sich das Kind und setzte sich verwundert auf. Der Heilige aber war schon entschwunden. Seitdem hat man neben diesem Altar viele Jahrhunderte den Schiffshaken hängen sehen.“ Das Mittelalter birgt Suitberts Reliquien im Jahr 1246 in einen Schrein, der jedes Jahr „in feierlicher Prozession durch die geschmückten Gassen der Stadt getragen“ wird, zuletzt am 9.September 2012. „Etwa 300 Gläubige, Messdiener und Priester zogen mit Kerzen und Pechfackeln durch die Straßen, singend und betend“, schildert die „Rheinische Post“. „Auf einer von zwei Schimmeln gezogenen Kutsche fuhr der goldene Schrein mit den Gebeinen des heiligen Suitbertus, begleitet von den Schützen der Kaiserswerther St. Sebastianus-Bruderschaft.“ Es ist allerdings ein im Jahr 2002 gebauter Prozessionsschrein: Der originalen Suitbertusschrein aus vergoldetem Kupferblech um einen Eichenholzkern ist zerfallsgefährdet und darf nicht mehr bewegt werden. Darum werden die Gebeine des Heiligen jedes Jahr für die Stunden der Prozession umgebettet.

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Das Vaterunser ist ein Eid auf Gottes Verfassung

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Haydns Te Deum C-Dur aus dem Jahr 1800 schenkt eine besonders festliche, würdige musikalische Äußerung der Gottesliebe. Die Engel dieses Chores sind Erwachsene. Ihr Gesang preist die Majestät des Allherrschers und weiß, daß seine Größe sich aller irdischen Vorstellung entzieht.

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Goethe: "Dichtung und Wahrheit": "Die allgemeine, die nützliche Religion bedarf eigentlich keines Glaubens: denn die Überzeugung, daß ein großes, hervorbringendes, ordnendes und leitendes Wesen sich gleichsam hinter der Natur verberge, um sich uns faßlich zu machen, eine solche Überzeugung dringt sich einem jeden auf; ja wenn er auch den Faden derselben, der ihn durchs Leben führt, manchmal fahren ließe, so wird er ihn doch gleich und überall wieder aufnehmen können. Ganz anders verhält sich's mit der besondern Religion, die uns verkündigte, daß jenes große Wesen sich eines einzelnen, eines Stammes, eines Volkes, einer Landschaft entschieden und vorzüglich annehme. Diese Religion ist auf den Glauben gegründet, der unerschütterlich sein muß, wenn er nicht gleich von Grund auf zerstört werden soll. Jeder Zweifel gegen eine solche Religion ist ihr tödlich. Zur Überzeugung kann man zurückkehren, aber nicht zum Glauben."

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Leo von Maasburg, einer der Seelsorger Mutter Teresas und Mitarbeiter an ihrem Seligsprechungsprozeß, zitiert eines ihrer schönsten Worte: „Liebt Jesus dort, wo er sich zeigt, sucht ihn nicht in der Ferne.“

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David Hume, "Untersuchung über den menschlichen Verstand": "Die große Quelle des Irrtums und der schrankenlosen Freiheit von Vermutungen, der wir in solchem Falle nachgeben, ist, daß wir stillschweigend uns an die Stelle des höchsten Wesens setzen und folgern, daß es überall sich ebenso benehmen würde, wie wir selbst es in solcher Lage für ratsam und vernünftig halten würden. Aber schon der gewöhnliche Lauf der Natur belehrt uns, daß beinahe jedes Ding durch Kräfte und Regeln bestimmt wird, die von den unsrigen sehr abweichen, und außerdem widerspricht es allen Regeln der Analogie, aus den Absichten und Plänen eines Menschen auf die eines so verschiedenen und so viel höheren Wesens zu schließen ... diese Schlußweise gilt nicht bei einem so entfernten und unbegreiflichen Wesen, welches den anderen im Weltall weniger ähnelt als die Sonne einer Wachskerze." Geschrieben vor über 250 Jahren. An die Stelle des höchsten Wesens setzt sich heute so mancher selbst, und nicht nur im Denken, sondern auch schon im Handeln.

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Am Sonntag feiert die katholische Christenheit den Gedenktag der Kaiserin Kunigunde, die nach der Legende über zwölf glühende Pflugscharen schritt, um ihre Unschuld zu beweisen.

Die Eisenprobe führt ins abergläubische Rechtssystem des Mittelalters. Die Tochter des Grafen Siegfried von Luxemburg wird um das Jahr 980 geboren, ist schon als junges Mädchen von tiefer Frömmigkeit durchdrungen, gelobt Keuschheit und Jungfräulichkeit und empfindet die Werbung des ungestümen Bayernherzogs Heinrich um ihre Hand als höchst unwillkommen, ja beklemmend. Doch als gehorsames Kind fügt sie sich dem Wunsch der Eltern und heiratet. Die Ehe bleibt kinderlos, doch die Liebe zwischen den beiden jungen Leuten ist aufrichtig und tief. Im Jahr 2002 wird der Herzog zum König gewählt und in Mainz gekrönt, kurz darauf empfängt Heinrich II. aus der Hand des Papstes die Kaiserkrone. Die junge Kaiserin folgt ihrem Mann auf seine vielen Reisen durch sein Reich: „Sie betrachtete es als ihre heilige Verpflichtung, den Fürsten unaufhörlich an die Wahrung des inneren und äußeren Friedens zu erinnern, seine Urteile im Guten zu beeinflussen und harte Entscheidungen zu mäßigen, zu denen sein aufbrausendes Temperament neigte“, schreiben Erna und Hans Melchers in ihrem „Großen Buch der Heiligen“. „Kunigunde widmete sich vor allem auch Werken der Mildtätigkeit und Liebe. Aus eigenen Mitteln  unterstützte sie großzügig Armen- und Siechenhäuser und hatte immer Verständnis für die Nöte und Bedürfnisse ihres Volkes.“ Nachdem Kunigunde ihm zwei ihrer Grafschaften schenkt, stiftet der Kaiser das Erzbistum Bamberg für die Missionierung des deutschen Ostens, und die Stadt am Main wird ein kulturellen und spirituelles Zentrum des Reichs. Als Verleumder die Kaiserin des Ehebruchs verdächtigen, lässt sie Pflüge bringen und über Schmiedefeuern erhitzen. Dann schreitet sie mit bloßen Füßen fünfzehn Schritte weit über die glühenden Eisen und bleibt. Das Volk bejubelt das Gottesurteil, der Kaiser bittet um Verzeihung und sie umarmt ihn. Als Heinrich stirbt, tauscht Kunigunde in ihrem Kloster Kaufingen bei Kassel die kostbaren Gewänder gegen das schlichte Kleid einer Nonne und lebt noch fünfzehn Jahre nach strenger Klosterregel.

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Ignatius von Loyola, “Geistliche Übungen“: „Denn nicht das Vielwissen sättigt und befriedigt die Seele, sondern das Vergnügen und Verkosten der Dinge von innen her.“

 

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