Mut ist ein Händedruck Gottes

Montag, 4. März 2013

Das Wort vom Sonntag

Die katholische Kirche gedenkt heute des hl. Kasimir von Polen, Patron der Jugend und der Keuschheit, Helfer gegen Religions- und Vaterlandsfeinde: In seinem Leben spiegelt sich die besondere Hinwendung vieler Polen zu Gott und zu ihrer Nation. Der zweite Sohn König Kasimirs IV. lernt von seinem Erzieher Johannes Dlugosz, geistlicher Lehrer und Geschichtsschreiber seines Landes, schon früh, sich „in Demut aller christlichen Tugenden zu befleißigen“. Auch seine tief religiöse Mutter Elisabeth von Österreich erweckt in ihm eine große Gottesliebe. „Jeglicher dynastischer Ehrgeiz lag dem jungen Prinzen auf diese Weise vollkommen fern“, schreiben Erna und Hans Melchers in ihrem „Großen Buch der Heiligen“. „Sein Streben war allein auf religiöse Vervollkommnung gerichtet; er konnte sich so innig in seine Andachten vertiefen, daß sein Ausdruck, wie berichtet wird, engelhaft entrückt erschien.“ Ungarische Adelige wollen ihn zu ihrem König machen, doch Kasimir lehnt ab, sehr zum Ärger seines Vaters, der ihn zur Strafe für einige Monate aus Krakau verbannt. Nach einer Rückkehr muss er den König vertreten. Prompt ruft er die Armen in den Hof seines Palastes, serviert ihnen Essen und schenkt ihnen Geld. Die Hofleute halten ihn für verrückt, doch das Volk beginnt, in Kasimir einen Heiligen zu sehen. 1482 schlägt er die Heirat einer Tochter Kaiser Friedrichs III. aus: Er will das Keuschheitsgelübde nicht brechen, das er als Kind abgelegt hat. Kurz darauf stirbt der zarte, fromme Prinz mit nur 24 Jahren an Schwindsucht. Sein Grab im Dom zu Wilna wird bald als Stätte von Wundern verehrt. 1602 wird Kasimir offiziell zum Schutzpatron Polens und Litauens ernannt. Darstellungen zeigen ihn in polnischer Landestracht mit dem Lilienzweig der Jungfräulichkeit in der Hand. Nach der Legende sagt er seinen Todestag voraus und bereitet sich intensiv darauf vor: Sterbend bittet er, ihm sein Mariengedicht und ein Kruzifix zwischen die gefalteten Hände zu legen. Als man 120 Jahre später sein Grab öffnet, ist sein Leib unverwest und der Marienhymnus unversehrt.

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Glauben: Was dem Verstand zu hoch, das Herz begreift’s mit Leichtigkeit.

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In Rudolf Klutmanns "Die Tierjungfer" sagt die Heldin: "Die Menschen aber aßen vom Baum der Erkenntnis, fielen in Sünde und mußten das Paradies verlassen. Doch die Tiere - außer der bösen Schlange, in der sich der Satan verbarg - und die Bäume und die Blumen blieben unschuldig und durften im Paradies zurückbleiben. Können die Menschen ihre Abstammung von Adam und Eva nicht verleugnen, damit sie sich den Stand der Unschuld und des Paradies zurückerwerben?"

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Wieder Brahms, "Deutsches Requiem". Besonders bewegen:

I. "Selig sind die, die Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden" faßt mit dem festen Griff des Schicksals an die Seele.

II. "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" läßt an jene Verse des 90. Psalm denken, die Ernst Jünger so tief erschütterten: "Von Jahr zu Jahr säst du die Menschen aus; sie gleichen dem sprossenden Gras. Am Morgen grünt es und blüht, am Abend wird es geschnitten und welkt." Der Tod ist ein geringeres Leid, wenn ihn alle erleiden - ein schlimmeres, wenn er Schuld straft.

III. "Herr, lehre doch mich, daß es ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß": Erst durch seine Endlichkeit erhält das Erdenleben Tiefe, Würde und Sinn.

IV. "Wie lieblich sind deine Wohnungen": Bei Gott wohnen heißt in seiner eigenen Seele zu Hause sein.

V. "Ihr habt nun Traurigkeit" drückt den Schmerz aus, wie er in seiner ganzen Tiefe gefühlt werden muss, wenn das Evangelium trösten soll: Gottes Wort keimt am besten in frisch gepflügtem Boden.

VI. "Denn wir haben hier keine bleibende Statt" erinnert an die ewige Wanderschaft des Erdenmenschen. Es waren Jäger, die den ersten Tempel bauten, vermutlich, um sich nicht gänzlich zu zerstreuen, sondern im Wind der Zeit und Wandel der Welt einen Platz zu behaupten, an dem sie sich immer wieder einmal trafen, um der beängstigenden Einsamkeit ihrer kleinen Rotten die beruhigende Gemeinsamkeit der größeren Horde entgegenzusetzen, auch um Erfahrungen auszutauschen und ihre Töchter zu verheiraten. Und es waren Hirten, die sich als erste ganz in Gottes Hand fühlten, während die vermeintliche Sicherheit der Ackerbauern schon einen Hochmut förderte, wie er in Kain keimte und blutig zum Licht brach.

VII. Das "Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben" befreit von Angst und Verzweiflung. Angst ist der Atem des Teufels. Mut ist ein Händedruck Gottes, deshalb kann man ihn auch nur zu guten Taten nutzen.

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Hellmut Gollwitzer: "Christen sind Menschen, denen von Jesus die Herrlichkeit des himmlischen Lichtes gezeigt ist und die dann das Elend der Welt unverhüllt sehen, wie es ist."

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Am Mittwoch feiert die katholische Kirche den Gedenktag des hl. Fridolin von Säckingen. Der Sohn einer vornehmen Familie aus Irland lässt sich im Kloster Luxeuil (Ostfrankreich) zum Missionar ausbilden und erlebt im Jahr 496 mit, wie sich der große Frankenkönig Chlodwig nach dem Sieg bei Zülpich über die Alemannen taufen lässt. Fridolins großes Vorbild ist der große Prediger Hilarius, und als er nach Poitiers pilgert, findet er in den Ruinen der zerstörten Kirche durch eine Vision das Grab des Heiligen wieder. Auch das Ziel seiner Lebensreise erblickt er zuerst im Traum: eine kleine Insel im Osten. Er zieht an der Mosel zum Rhein, gründet bei Kochel ein Kloster, wandert über Straßburg in die Schweiz, kommt vom Bodensee an den Oberrhein und erblickt dort tatsächlich im Strom eine kleine Insel: Säckingen. Die Alemannen an den Ufern haben nicht auf ihn gewartet, er muss sie erst überzeugen, doch sein freundliches Wesen – und die Briefe des Königs – setzen das Christentum durch. Fridolin baut ein Doppelkloster, seine Mönche roden das Land und pflanzen die ersten Obstbäume am Bodensee: Mission ist damals oft erst mal Entwicklungshilfe. Der große Glaubensbote stirbt um das Jahr 538. Er gilt als Patron der Schneider, wird bei Arm- und Beinleiden, Wassergefahr und Viehseuchen angerufen. Nach der Legende schenkt ihm Graf Urso ein Stück Land, stirbt aber bald darauf. Als Ursos Bruder Landolf die Schenkung anzweifelt, betet Fridolin am Grab seines Gönners. Das Grab öffnete sich, der Tote steigt heraus und begleitet den Heiligen als Skelett zu Gericht. Der erschrockene Bruder setzt Fridolin daraufhin auch zum Erben seines eigenen Vermögens ein.

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Hans Much, „Gottheit”:

  „Ich habe dich mit hellem Wissen

  Gefordert und an mich gerissen;

  Doch ach, du bist ein flüchtiger Gast:

  Stets da – und doch nicht stets zu fassen.

  Stets nah – und doch so leicht zu lassen.

  Du willst nur Wohnung im Palast.“


 

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