Der Irrsinn um die Rohrdommel vom Jade-Weser-Port

Samstag, 30. März 2013

Sendungen von Karfreitag, 29.März 2013

In „Tagesthemen“ sagen zur „Parsifal“-Inszenierung der katalanischen Theatergruppe „La Fura dels Baus“ in Köln (Auszüge)

ARD-Moderatorin Caren Miosga: „In vielen Opern der Republik steht am Karfreitag der Parsifal auf dem Spielplan, und das liegt nicht nur daran, dass der dritte Akt von Richard Wagners letzter Oper an einem Karfreitag spielt: Auch der Held von Wagners Bühnenweihefestspiel geht einen Leidensweg und muss am Ende die ganze Welt erlösen.“

ARD-Reporterin Ute Pauling: „Wagners Helden sind zeitlos … Mythisch und mystisch ist Wagners Parsifal-Stoff. Sehnsuchtsmusik entführt an utopische Orte. Die reale Welt ist ausgeschaltet. Die Oper wird zum Ort für den persönlichen Rückzug … Zum Raum wird hier die Zeit, heißt es vieldeutig … Am Ende aber steht doch die Erlösung … Immer wieder neu, wenn die Regie es versteht, die Droge Wagner immer wieder konsumierbar zu machen.“

Miosga: „Mir würde es fürs erste schon mal reichen, uns widerführe endlich eine Erlösung vom Winterwetter.“

Und schon ist die reale Welt wieder da. Oscar Wilde: „Nichts hat im modernen Leben eine solche Wirkung wie eine gute Banalität.“

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Irrsinn der Woche

In „extra drei“ sagen über den neuen Jade-Weser-Port (Auszüge)

NDR-Moderator Christian Ehrung: „Reden wir doch mal über das Positive: Es ist ein Hafen. Zweitens: Er ist fertig. Drittens: Tierschutz wurde immer schon groß geschrieben. Was da allein für die Rohrdommel getan wurde, ist wirklich bemerkenswert.“

NDR-Reporter Daniel Sprenger: „Die Rohrdommel – wirklich ein sehr, sehr seltener Vogel. Die Geschichte beginnt im Jahr 2009. Zwischen der Hafenbahn und dem Brutgebiet muss der Hafenbetreiber eine vier Kilometer lange Lärmschutzwand bauen – für fünf Millionen Euro. Allerdings weiß niemand so genau, ob sich der Vogel überhaupt gestört fühlt. Selbst Naturschützer bezweifeln den Sinn dieser Lärmschutzwand.“

Ungenannter Naturschützer: „Ich sage, sie ist überflüssig wie ein Kropf.

Sprenger: „Menschen kommen in dieser Geschichte übrigens auch vor. Allerdings nur in einer Nebenrolle. Denn die Anwohner der Bahnstrecke bekommen im Gegensatz zur Rohrdommel keine Lärmschutzwand.“

Anwohner: „Mit gesundem Menschenverstand lässt sich das einfach nicht erklären, dass für die Vögel mehr an Lärmschutz gemacht werden soll als für die Menschen.“

Sprenger: „Wir schreiben das Jahr 2010. Die fünf Millionen Euro teure Lärmschutzwand stürzt ein und muss komplett abgerissen werden. 2011 wird sie komplett neu aufgebaut. Ob die Rohrdommel diese Wand überhaupt braucht, bleibt unklar.“

„JadeWeserPort“-Justitiar Hans-Henning Pötter: „Die ist idiotisch. Aber das Recht sagt es so. Da müssen wir das Gesetz ändern. Ganz einfach – oder auch nicht.“

Sprenger: „2012. Plötzlich wird das Rohrdommelgebiet als Hafenerweiterungsfläche ausgewählt. Schließlich könnte der Platz im Hafen irgendwann mal knapp werden. Die Rohrdommel braucht eine Ausgleichsfläche. Im Jahr 2013 schaufeln deshalb diese Bagger in Oberhammelwarden die Natur um, um ein spezielles Rohrdommel-Brutgebiet zu bauen. Allerdings war diese Fläche hier bereits ein Naturschutzgebiet – für den Schlammpeitzger, eine sehr, sehr seltene Fischart.“

Wolfgang Meiners vom BUND Wesermarsch: „Aus einem Naturschutzgebiet ein Naturschutzgebiet zu machen, das ist eigentlich nicht nachvollziehbar.“

Sprenger: „Und jetzt sind wir eigentlich wieder am Anfang der Geschichte. Denn hier entsteht wieder ein Lärmschutz für die Rohrdommel. Diesmal ein Erdwall, im Auftrag der Herren vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.“

Dirk Röckendorf vom Landesbetrieb für Naturschutz: „Der Lärmschutzwall ist notwendig, um das Gebiet gegenüber der Straße ein wenig abzuschirmen.“

BUND-Experte Meiners: „Wenn ich hier eingreife, muss ich diesen Eingriff ausgleichen. Das heißt, für diese sogenannte Ausgleichsmaßnahme müsste ich wieder einen Ausgleich machen. Das Ganze ist ein Domino-Effekt, über den sich die Bagger freuen, aber nicht der Naturschutz.“

Sprenger: „Zum Schluss, liebe Herren, nur noch eine Frage: Haben Sie die Rohrdommel eigentlich schon mal gesehen?“

Röckendorf: „Vielleicht werden wir sie irgendwann einmal hören.“

Röckendorf-Kollege vom Landesbetrieb für Naturschutz: „Das mag sein, ja.“

Sprenger zu Bildern des leeren Hafens: „Da hat die Rohrdommel etwas mit den Schiffen hier gemein. Das sind nämlich auch ganz, ganz seltene Exemplare.“

Was ist der Unterschied zwischen Ideologie und Idiotie? Drei Buchstaben. Goethe, „Xenien“: „Liegt der Irrtum nur erst, wie ein Grundstein, unten im Boden, / Immer baut man darauf, nimmermehr kommt er an den Tag.“

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TV-SPRÜCHE

„Ehrlichkeit ist mir wichtig – vor allem bei anderen!“

Till Reiners in „Intensiv-Station“ (NDR)

„Mann will immer, kann nicht – Frau kann immer, will nicht!“

Lisa Fitz in „Intensiv-Station“ (NDR)

„Riesenstreit in Berlin um die sogenannte Eastside-Gallery. Es gibt durchaus Orte, da wäre ich froh, wenn wir da eine schöne Mauer hätten – zum Beispiel bei ‚Wetten, dass..?‘ als Sichtschutz gegen das Promi-Elend auf der Couch!“

„Männer schätzen sich tendenziell zu hoch ein: Nicht umsonst beginnen Kondomgrößen bei L für Large!“

„Zypern bleibt in der Euro-Zone: Endlich wissen die Zyprer, in welcher Währung sie kein Geld mehr haben!“

„Einlagen über 100.000 Euro müssen bluten. Das trifft vor allem, die kleinen russischen Oligarchen von der Straße. Viele schlafen schon wieder mit der eigenen Ehefrau, weil sie sich die Prostituierte nicht mehr leisten können!“

„Zypern sollte sich ein Beispiel nehmen: Sylt lockt auch reiche Schnösel mit Schwarzgeld an – aber ohne Banken!“

Christian Ehring in „extra drei“ (NDR)

„Ich habe eine Ausbildung zum Bäcker angefangen. Für mich vermutlich die einzige Gelegenheit, in meinem Leben noch mal was gebacken zu bekommen!“

„Ich hatte eine Geschäftsidee. Ich wollte eine Lotterie der Hoffnung eröffnen – und habe Hoffnungslose verkauft!“

„Ich bin der faulste Mensch, den ich kenne – bislang fehlte mir aber auch die Energie, nach einem noch fauleren Menschen zu suchen!“

„Arbeitsplätze haben mehr Rechte als Menschen: Jeder Arbeitsplatz bekommt einen Menschen, aber nicht jeder Mensch bekommt einen Arbeitsplatz!“

Nico Semsrott in „extra drei“ (NDR)


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