O daß die Frauen herrschen wollen…

Donnerstag, 25. April 2013

Wieder Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ von Franco Zeffirelli, der im Februar 90 Jahre alt geworden ist. Sein Film aus dem Jahr 1967 mit Elizabeth Taylor und Richard Burton ist ein unübertreffliches Meisterwerk. Im Stück gefallen am besten

im Vorspiel der Lord über den jungen Pagen, der sich zur Täuschung eines Betrunkenen aus Frau ausgeben und weinen soll:

  „Versteht der Knabe nicht die Frauenkunst,

  Schnell diesem Regenschauer zu gebieten,

  Wird eine Zwiebel ihm behilflich sein,

  Die heimlich eingewickelt in ein Tuch

  Die Augen sicher unter Wasser setzt.“

Im 1.Aufzug der Diener Tranio:

  „Nur, guter Herr, indem wir so bewundern

  Die Tugend und die Strenge der Moral,

  Laßt uns nicht Stoiker, nicht Stöcke werden!

  Horcht nicht so fromm auf Aristot’les Schelten,

  Daß ihr Ovid als sündlich ganz verschwört!

Der Freier Hortensio: „Unter faulen Äpfeln gibt’s nicht viel Wahl.“

Der Freier Petruchio: „Unter alten Freunden braucht’s wenig Worte.”

Tranio: „Tun wir, gleich Advokaten im Prozeß, die tüchtig streiten, doch als Freunde schmausen!“

Im 5.Aufzug Katharina:

  „Ein zornig Weib ist gleich getrübter Quelle

  Unrein und sumpfig, widrig, ohne Schönheit.“ –

  „Dein Eh’mann ist dein Herr, ist dein Erhalter,

  Dein Licht, dein Haupt, dein Fürst; er sorgt für dich

  Und deinen Unterhalt, gibt seinen Leib

  Mühsel’ger Arbeit preis zu Land und Meer,

  Wacht Nächte durch in Sturm, und Tag’ in Kälte,

  Wenn du im Hause warm und sicher ruhst;

  Und fordert zum Ersatz nicht andern Lohn

  Als Liebe, freundlich Blicken und Gehorsam.“ –

Und über die Frauen:

  „O daß sie herrschen, lenken, trotzen wollen,

  Wo sie nur schweigen, lieben, dienen sollen!“

Ist die Komödie wirklich von Shakespeare? Als „Taming of a Shrew“ erschien sie 1594, 1596 und 1607 anonym. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde über den Autor intensiv diskutiert.

Textvergleiche zeigen, dass das Stück wohl von Christopher Marlowe (1564-1593) konzipiert worden ist – und führten prompt zu der These, Marlowe sei Shakespeare gewesen.

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Glücklich, wer so selten wie möglich an das denkt, was besser, und so oft wie möglich an das, was schlechter sein könnte.

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Beethovens Violinsonate Nr.3 in Es-Dur beginnt als temperamentvoller Tanz eines jungen Mädchens, das der Welt und dem Leben entgegenfiebert. Ungekannte Kräfte erwachen, ungeahnte Träume treiben die Seele an und Gefühlsstürme durchbrausen das Herz. Der zweite Satz spürt bereits den Ernst der jungen Frau, deren Seele sich der Aufgabe des Lebens bewußt wird. Süß trauert eine Klage um die unbesorgte Jugend, doch ein fester Sinn führt entschlossen den Prüfungen irdischer Existenz entgegen. Im dritten Satz siegt eine reifere Lebensfreude, die schon das Glück der Ehe und Kinder kennt. Wild wogt das Auf und Ab des Daseinskampfes, doch ein kluger, frommer und heiterer Sinn hält Kurs.

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Erich Kästner: „Wer das Gute vergisst, wird böse. Wer das Böse vergisst, wird dumm.“

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Hesse, „Die Fremdenstadt im Süden“: „Bekanntlich schwärmt der Großstädter für nichts so sehr wie für die Natur, für Idylle, Friede und Schönheit. Bekanntlich aber sind alle diesen schönen Dinge, die er so sehr begehrt und von welchen die Erde bis vor kurzem noch übervoll war, ihm völlig unbekömmlich, er kann sie nicht vertragen.“


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