Vor 30 Jahren: Heimcomputer für die Hausfrau

Mittwoch, 16. April 2014

Keine andere Erfindung hat Arbeit und Freizeit, den Alltag und die ganze Welt umfassender und nachhaltiger verwandelt als der Computer. Der Bericht aus dem Jahr 1984 erschien in einer großen deutschen Frauenzeitschrift und schildert die Anfänge auch aus weiblicher Sicht. Eine Zeitreise in die PC-Antike.

In immer mehr deutschen Haushalten wird eine wahre Wundermaschine heimisch. Einige dieser modernen Heinzelmännchen helfen auch bei der Hausarbeit. Falls sich Ihr Ehemann dieser Tags entschließt,

eine solche Elektronikkiste anzuschaffen, sollen Sie unbedingt darauf achten, dass er sich für ein Gerät entscheidet, mit dem auch Sie etwas anfangen können. Informieren Sie sich rechtzeitig, welche Computerfirmen auch an die Frauen denken. „Commodore", derzeit erfolgreichster Hersteller von Heimcomputern, bietet dafür folgende Programme an:

„CalcResult 64".  Mit dem elektronischen Rechenprogramm können Sie Ihr Haushaltsbuch führen. Tippen Sie einfach Ihre Ausgaben ein. Der Computer sortiert und addiert sie. Dann können Sie jederzeit Informationen darüber abrufen, wo möglicherweise noch etwas eingespart werden kann.

Mit „Multidata 64" können Sie Informationen aller Art speichern - und per Knopfdruck auf den Bildschirm zaubern. Dieses Programm eignet sich zum Beispiel als elektronisches Kochbuch.

„Minimem 64" ist ein Mitgliederverwaltungsprogramm. Damit können Sie Namen und Adressen speichern, wenn Sie sehr viele Bekannte haben oder etwa Schriftführerin eines Vereins sind.

„Text 64" macht es Ihnen leicht, Einladungen und sonstige Post zu verschicken, falls Sie als Zusatzgerät einen Drucker (Preis: ca. 1000 Mark) kaufen: Dann adressiert der Computer Ihre Briefe für

Machen Sie sich keine Sorgen, dass Sie von der Technik überfordert sein könnten: Der „Basic-Kurs 64" zeigt Ihnen ganz genau, wie Sie Ihre Programme optimal nutzen können und welche Möglichkeiten der Heimcomputer Hausfrauen und berufstätigen Frauen sonst noch bietet.

Der „Commodore VC 84" kostet rund 970 Mark, Programme gibt es ab 100 Mark. Außerdem benötigen Sie noch eine Datasette (135 Mark) oder, falls Sie über Ihre Programme schneller verfügen wollen, eine „Floppy Disc" für rund 995 Mark. Unterschied: Mit der „Datasette" dauert es manchmal mehrere Minuten, ehe Sie die gewünschte Information erhalten – bei der „Floppy Disc" vergehen nur Sekundenbruchteile.

Auch „Atari", besonders durch Computerspiele populär, hat ein umfangreiches Angebot von Software entwickelt, bei dem weibliche Interessen nicht zu kurz kommen. Im „Karteikartenprogramm" etwa können Sie den Inhalt Ihrer Tiefkühltruhe überwachen: Sie geben Menge und Haltbarkeitsdaten ein - auf Knopf druck verrät Ihnen der Computer später jederzeit, was Sie für die Grillparty noch so alles auf Lager haben.

„Atari"-Pressesprecherin Renate Knüfer: „Eine Bekannte von mir speichert in diesem Programm alle ihre Hochzeits- und sonstigen Geschenke. So weiß sie immer, bei wem sie sich für was bedanken muss - und kann es auch mal wagen, etwas, das ihr nicht gefällt, einfach weiterzuschenken."

Mit dem „Atari-Schreiber", einem Textverarbeitungsprogramm, können Sie Glückwunschkarten verfassen und verschicken - mit von Ihnen selbst entworfenen, vom Computer farbig ausgedruckten Zeichnungen.

Dazu kommen verschiedene Bildungsprogramme: Der „Tip-Trainer" enthält einen Schreibmaschinenkurs. Ein „Fehler-Abc" bringt   Rechtschreibung bei. Ein Programmierkurs rundet das Atari-Angebot ab. Die Stimme, die dabei alle Handgriffe erklärt, gehört „Tagesschau"-Sprecherin Dagmar Berghoff.

Der „Atari 800 XL" kostet 899 Mark. Programme gibt es ab 49 Mark. Ein Kassettenrecorder für Software auf Tonbändern kostet 240 Mark, eine Diskettenstation zum Speichern von Programmen kostet 1000 Mark.

Dritter im Bund der großen Heimcomputer-Hersteller ist „Sharp". Das für Frauen besonders interessante Software-Angebot dieser Elektronikfirma:

Die „Adressenverwaltung" speichert Anschriften und Telefonnummern.

Das Programm „Rezepte" nimmt ohne weiteres ein ganzes Kochbuch auf.

Das „Haushaltsbuch" listet Mengen und Preise aller Einkäufe auf. Sie können damit nicht nur Ihre wöchentlichen Ausgaben kontrollieren, sondern zum Beispiel auch mühelos einen Jahresfinanzplan aufstellen.

Für die Freizeit gibt es eine ganze Palette von Karten- und Geschicklichkeitsspielen. Sie können aber auch „Musiklernen" anwählen. Dann spielt Ihnen der Computer die gewünschten Stücke vor und zeigt dazu die Noten.

Der „Sharp MZ-721" kostet rund 900 Mark, Programme sind schon ab 20 Mark erhältlich. Oskar Eichler, Leiter des Bereichs Systemmaschinen bei Sharp: „Wir wollen im Gegensatz zu manchen anderen an den Geräten verdienen und nicht an der Software."  Ein Kassettenabspielgerät ist eingebaut, eine Diskettenstation kostet rund 1500 Mark.

Voraussichtlich noch 1984 führt auch der Büromaschinen-Riese IBM einen Heimcomputer ein. Er heißt „PC Junior" und kostet umgerechnet rund 1500 Mark. Der Personalcomputer wurde Anfang April auf der Hannover-Messe vorgestellt und bietet eine ganze Reihe interessanter Software-Programme an: Mit „Easy Writer" vereinfachen Sie jede Art von Schriftverkehr, mit „Home-Budget“ verwalten Sie Ihr Haushaltsgeld.



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