Liebeskerze, Lebenskerze, Lottokerze

Montag, 5. Mai 2014

Wenn sanftes Licht die Augen streichelt, wenn ein warmer Schein das Herz in Watte packt, ein magischer Schimmer die Seele in Seide hüllt, dann ist es immer eine Kerze, die ihre geheimnisvolle Wirkung auf Sinne, Stimmung und Empfindungen entfaltet.

Ihr Schein verbreitet eine behagliche Atmosphäre, weckt romantische Gefühle, schenkt Trost und Hoffnung in Zeiten von Sorge, Angst und Not.

Die einsame Flamme strahlt Liebenden und Trauernden als Leuchtzeichen auf allen Schicksalswegen, und ein ganzes Meer aus vielen Feuerzungen wird zum Teppich aus Licht für das besondere Fest.

Das göttliche Element, verehrt, gefürchtet und nur scheinbar in einer kleinen Flamme gefangen, wirkt in die Tiefe unseres Bewusstseins als Symbol einer Macht, die wir bewundern, aber nicht beherrschen können. Wer sich auf sie einlässt, den durchströmt ein Gefühl von Geborgenheit und Freude.

Im Kerzenlicht erwachen unsere tiefsten Gedanken, seine Helligkeit vertreibt die Dämonen, sein Glanz führt an Lichterketten den Frieden in die Welt. Denn Kerzen können Brücken sein. Schon das gemeinsame Anzünden vermittelt uns ein sicheres Gefühl der Gemeinsamkeit: Wir gehören zusammen.

Deshalb beleuchten Kerzen seit den ältesten Zeiten auch in allen Religionen den geheimnisvollen Pfad in höhere Sphären bis hin zum Paradies.

Kerzenlicht, Dunkelheit und Stille sind aber auch wichtige Wegweiser ins eigene Ich. Mit der Taufkerze machen wir uns ins Leben auf, mit der Sterbekerze nehmen wir Abschied, doch wenn die letzte Flamme erlischt, wartet ein ewiges Licht.     

Kerzenorakel

In alten Zeiten dienten Kerzen nicht nur zur Beleuchtung, es sollte auch die Zukunft erhellen.

Lichterschwimmen: Am Silvesterabend wird für jeden eine kleine Kerze angezündet, in eine Nussschale gesteckt und auf das Wasser einer Schüssel gesetzt. Wenn die richtigen Kerzen zusammenstoßen, steht eine Hochzeit bevor.

Lottokerzen: Sie sind durchnummeriert. Die Zahlen der sechs Kerzen, die als erste erlöschen, werden angekreuzt.

Liebeskerze: Wer einen Docht mit den Fingern löschen kann, ohne sich dabei zu verbrennen, beweist damit die Macht und Reinheit seine Liebe.

Brautkerze: Brennt sie hell und stetig, wird es eine glückliche Ehe. Flackert sie aber und brennt eher düster, müssen die Brautleute gut aufpassen, denn dann drohen ihrem Glück Gefahren.

Ehekerze: Verheiratete setzen zwei Kerzen nebeneinander ins Wasser. Schwimmen sie ruhig nebeneinander her, bleibt die Ehe ganz von allein glücklich. Trennen Sie sich aber, ist Vorsicht geboten.

Wahlkerze: Wenn sich ein Mädchen nicht zwischen zwei Verehrern entscheiden kann, stellt sie für jeden eine brennende Kerze auf und nimmt dann den, dessen Licht als erstes verlischt.

Namenskerze: Ist dein Kind geboren, schreiben die Angehörigen Namen auf Kerzen und lassen es nach der Kerze taufen, die am längsten brennt.

Kerzentöne: Knistert eine Kerze oder brennt sie mit einem Summen und Brummen, kündigt sie eine wichtige Nachricht, etwa einen Brief oder eine Erbschaft an.

Totenkerze: Um einen Ertrunkenen zu finden, setzt man eine Kerze auf ein Brettchen. Nach altem Aberglauben schwimmt sie zu der Stelle, an der die Leiche liegt.

Warum leuchten Kerzen gelb?

Wenn die Kerze brennt, schmilzt das Wachs und wird vom Docht aufgesogen. An seiner Oberfläche verdampft das Wachs und entzündet sich. Dabei entstehen Kohlenstoffatome. Sie geben überschüssige Energie in Form von Licht ab. Dieses Licht hat immer eine ganz bestimmte Wellenlänge, nämlich genau die, die unser Auge die Farbe Gelb sehen lässt.  

Die älteste Kerze der Welt

Die älteste noch erhaltene Wachskerze der Welt stammt aus dem ersten Jahrhundert n.Chr. und wurde in Vaison-La-Romaine (Provence) gefunden. Das kleine Städtchen ist die größte archäologische Ausgrabungsstätte Frankreichs.

Kerzen und Farben

Weiße Kerzen symbolisieren Frieden, Schutz, Harmonie und Reinigung. Rote Kerzen zündet an, wer einen Liebeszauber ins Werk setzen will. Grüne Kerzen dienen als magisches Mittel für Geld, blaue beschwören Freundschaft und Treue. Goldene Kerzen drücken eine besondere Ehrung aus.

Sprichwörter

Was hilft Kerze, was hilft Brill, wenn man doch nicht sehen will.

Eine schiefe Kerze muss man oft putzen.

Eine Kerze vor dir ist besser als zwei hinter dir.

Man muss die Kerze nicht an beiden Enden zugleich anzünden.

Von einer krummen Kerze fällt kein gerader Schatten.

Das muss ein guter Kerzenmacher sein, der Gott eine wächserne Nase andrehen will.

Bei Kerzenschein scheint die Ziege ein Fräulein zu sein.

Am Fuß der Kerze ist’s finster.

Jedem Heiligen seine Kerze.

Wen die Predigt nicht wärmt, den wärmen auch nicht die Kerzen.

Der verliert nichts, der mit seiner Kerze die eines anderen anzündet.

Kerzen-Zitate

Der Mensch liebt die Gesellschaft, und sollte es auch nur die von einem brennenden Rauchkerzlein sein.

Georg Christoph Lichtenberg

Was ist eine…

Hefnerkerze: Alte Lichteinheit nach dem Physiker Friedrich von Hefner-Alteneck (1845-1904). Entspricht der Lichtmenge, die eine 40 Millimeter hohe Kerzenflamme an einem acht Millimeter dicken Docht in horizontaler Richtung abstrahlt.

Lebenskerze: Im Brüder-Grimm-Märchen „Der Gevatter Tod“ warnt der Tod einen jungen Arzt durch einen Blick in eine Höhle, in der die Lebenslichter der Menschen brennen. Nach altem Aberglaube ist die Kerzenflamme ein Symbol der irdischen Existenz. Lebenskerzen für Kinder werden jedes Jahr zum Geburtstag angezündet.

Nebelkerze: Rauchgranate, auch Nebelbombe oder Nebeltopf. Soll dem Gegner die Sicht nehmen. Der Nebelstoff ist ein Gemisch aus Hexachlorethan, Aluminiumpulver und Zinkoxid, die mit der Luftfeuchtigkeit Nebel bilden.

Steppenkerze: Zierpflanze, auch Wüstenschweif, Lilienschweif oder Kleopatranadel genannt. Wird bis zwei Meter hoch. Stammt aus den kalten Hochebenen Asiens.

Stundenkerze. Vor der Erfindung der Uhr zündeten Mönche in den Klöstern Kerzen von ganz bestimmter Größe an. Nach genau einer Stunde waren sie niedergebrannt, und eine neue Kerze folgte. So maß man die Zeit.

Warum die Kerze Kerze heißt

Das Wort „Kerze“ stammt vom althochdeutschen „karz“ für „Docht, Werg“ und bezeichnet ursprünglich einen spiralförmig gewickelten Streifen aus Birkenrinde, der in Öl getaucht wurde.

Kerzensprüche

„Ihm ist nicht mit der gesegneten Kerze zu helfen“: Er ist unverbesserlich. Seit dem 19.Jh.

„Er hat die Kerze gehalten“: Er ist Mittäter oder Zeuge. Seit 1900.

„Er hat nicht alle Kerzen auf dem Christbaum“: Er ist nicht besonders helle. Seit 1914.

„Jemandem die Kerze ausblasen“: Jemanden umbringen. Seit 1920.

„Bei ihm zündet die Kerze nicht mehr: Er ist nicht bei Verstand.

Kerzen leuchten überall

„Kerzenlicht“ von Catherine Paysan erzählt die Geschichte einer verlassenen Frau, die sich wieder in ihren untreuen Ehemann verliebt. Im Film von 1972 spielt Annie Girardot die Hauptrolle.

„Kerzenlicht“ heißt ein Song des Rappers Bizy Montana. Refrain: „Ich zünd 'ne Kerze an für meine Stadt, ich bin hier und ich denke an euch, doch vor mir brennt die Kerze ab. Doch bevor hier dieses Kerzenlicht erlischt, komm ich zurück um euch zu zeigen: Dieses Kerzenlicht bin ich.“

„Kerze-Licht“ ist ein Essay es Benediktinerpaters Anselm Grün. Auszug: „Von Mönchsvätern in der Wüste wird erzählt, dass ihre Finger beim Beten zu Feuerflammen wurden. So ist die brennende Kerze ein Bild für unser Beten.“

„Kerzenlicht“ ist ein Design des Microsoft-Betriebssystems „Windows“ für den Desktop: „Das Kerzenlicht in diesen friedlichen Bildern ruft in verschiedenen Umgebungen Assoziationen von Geheimnissen und Wärme hervor, vom gemütlichen Kaminsims bis zur Einfachheit eines Meditationsplatzes.“



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