Die Formel 1 in der Schumi-Falle

Sonntag, 3. August 2014

Trotz der Überlegenheit der Mercedes-Motoren ist die F 1 diese Saison spannend wie selten zuvor. Vor zwölf Jahren war das ganz anders: Damals drehte Michael Schumacher praktisch als Alleinunterhalter seine Runden. Unsere Glosse vom 2.August 2002 erinnert an diese öden Zeiten.

Schon der große Goethe ließ seinen berühmten Götz von Berlichingen schimpfen: „Langeweile, du bist ärger als ein kaltes Fieber!“ Das grassiert jetzt in der Formel 1. Erster Patient ist RTL: ihm droht das Quoten-Koma.

Denn was nützen all die hochgegeigten Vorberichte, die auf Ungewissheit getrimmten Interviews, die auf Spannung gequälten Prognosen, wenn hinterher doch alle wieder schumimäßig ferrari-rot sehen? Deshalb hat der Kölner Grand-Prix-Sender eine Kommission alarmiert, die Erste Hilfe leisten soll. An therapeutischen Sofortplänen sickerte durch:

Reglement. Ab sofort tritt für Schumi eine neue Punktewertung in Kraft: Für Siege bekommt er nur noch einen Zähler – wird er aber Zweiter, werden ihm zwei Punkte abgezogen!

Training. Schumi darf nur noch nachts auf die Piste – ohne Flutlicht. Seine Zeiten werden handgestoppt – von Hundertjährigen, auf Zuruf. Kommt er trotzdem als Trainingsschnellster auf die Pole Position, startet das Feld in die Gegenrichtung.

Fahrzeug. Schumi kriegt künftig weder Goodyear noch Bridgestone, sondern nur noch Hula-Hoop-Reifen. Chefdesigner wird Dirk Bach. Das Lenkrad reagiert nur noch auf die Kommandos Backbord bzw. Steuerbord. Außerdem gibt es wieder Pedale: zum Treten.

Technik. Die Ferrari-Reifenwaschanlage wird gegen einen Seifenspender ausgetauscht. Testmonitore zeigen nicht mehr graphische Darstellungen der Motorenleistung, sondern die Aktienkurse der Telekom. Über Funk kommen keine Stallorder mehr, sondern Musik, z.B. „Schlafe, mein Prinzlein, schlaf ein“.

Tests. Ab sofort testet Schumi neue Rennwagen nicht mehr bei Ferrari, sondern bei Henkel („Persil“) im Düsseldorfer Schaumodrom. Testberichte erhält er nur noch auf Koreanisch. Und es werden nur noch Ingenieure verpflichtet, die mindestens dreimal beim Idiotentest durchgefallen sind.

Team. Teamchef Jean Todt muss auf die Tribüne, stattdessen übernimmt Didi Hallervorden. Die Strategie macht Quatschnase Mike Krüger mit den Taktikern vom Quickborner Treckerrennen. Als Mechaniker kommen die Mainzer Hofsänger.

Boxen. Betankt wird Schumis Bolide künftig mit Rentner-Diesel Marke Doppelherz. Die Reifen wechseln pensionierte Boxenluder unter Leitung von Slow-Clown Rüdiger Hofmann („Ja hallo erst mal“), als Einpeitscher und Tempomacher kommt Rudolf Scharping.

Personal Team. Neuer Motivationstrainer wird Axel „Nullbock“ Schulz. Für Kondition sorgt Fitness-Guru Heiner „Die Leber“ Lauterbach. Als Diät-Koch heuert Ottfried Fischer an. Das Entspannungsprogramm kommt von „Prince of Darkness“ Ozzie Osbourne. Die psychologische Feinarbeit übernimmt Graziano „Rocky“ Rocchigiani, Autor des Bestsellers „Ein Kampf zuviel“.

Einkaufsabteilung. Auch hier nimmt ein komplett neues Team die Arbeit auf: Die Zahnpasta z.B. besorgt künftig Ex-Olympiasieger Baumann, den Puderzucker Christoph Daum, Tabletten holen Jan Ullrich und ein unbekannt bleiben wollender Freund. Der neue Rennanzug entsteht nach den Maßen von Hella von Sinnen, die neue Kappe kommt vom Kerpener Elferrat.

Rennen. Sollte Schumi es bis an die Spitze schaffen, wird abgebrochen und neu gestartet. Für jedes Überholmanöver bekommt er eine Strafrunde. Kommt er trotzdem nach vorn, tritt eine Zusatzregel in Kraft: Schumi muss als Letzter starten und erhält für die Dauer des Rennens Überholverbot.

Als letztes Mittel plant RTL Sitzblockaden der Sportredaktion vor Schumis Haus bei Genf, damit er gar nicht erst von dort losfahren kann. Ob es was hilft? Ein echter Champion will trotzdem siegen, und nach Durchsickern dieser Pläne hat der Meister angeblich bereits ein anderes Wort des guten Götz von Berlichingen adaptiert: Leckt mich am Rücklicht!

 

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