Winter im Wald (2): Schlangentricks und ein dicker Hals

Sonntag, 8. Februar 2015

Wenn es draußen kalt ist, wird es Naturfreunden warm ums Herz: Die Tierwelt schlägt sich tapfer durch, und der Mensch kann daraus einiges lernen. 2.Folge unserer Spuren-Suche in der Eis-Zeit.

Kratzspuren am Baum verraten: Hier wohnen Eichhörnchen in der Mansarde. Große Löcher im Stamm sind die Ein-Zimmer-Apartements des Buntspechts. Allerdings nicht immer, denn sein kleiner Vetter, der Kleiber, hat sich eine irre Nummer ausgedacht, die Wohnungsnot zu beheben. Weil sein Schnabel zu schwach ist, sich selber was zu bauen, setzt er auf Schockwirkung und lehrt den großen Verwandten das Gruseln: Er schleicht sich über den Eingang, plustert sich ordentlich auf und windet sich laut zischend zu den erschrockenen Wohnungseigentümern hinunter. Die denken: Oh Gott, eine Schlange, und machen den Abflug - leer ist die Immobilie, und Familie Kleiber zieht ein.

Federn verraten nicht nur, wer sie gelassen hat: Sind sie sauber herausgezogen und nur an den Schäften geknickt, so war hier ein Habicht am Werk. Sind dagegen die Kiele abgebissen, war ein Fuchs der Übeltäter.

Die Wildschweine sind die Rambos des Waldes und treten immer gleich in Rotten auf. Papa Keiler fürchtet sich vor niemandem, Mutter Bache erst recht nicht, und die Frischlinge wissen überhaupt nicht, was Angst ist. Also Vorsicht!

Zum Glück für Spaziergänger kommt die harte Horde nur frühmorgens oder abends aus dem Unterholz. Dann fräst sich der wilde Haufen wie eine Kolonne Schneepflüge durch die weiße Pracht, die Schnauze immer schön tiefergelegt, denn Eicheln schmecken auch als Sorbet!

Jetzt ist, was Jäger "Rauschzeit" nennen: Die Borsten-Bosse sind hinter den Schwarten-Schönen her und haben deshalb einen dicken Hals: Zwischen Kopf und Brust ist ihnen ein Schild aus dichtem Bindegewebe gewachsen, damit es nicht gleich böse endet, wenn sie die Sau rauslassen und sich mit ihren scharfen Hauern um die Bräute prügeln. Außerdem reiben sie ihre Hälse auch noch an harzigen Bäumen, bis sie ganz bescheuert sind, denn dann brauchen sie keine Angst mehr zu haben, dass ihnen jemand etwas vor den Latz knallt: die verfilzten und verklebten Borsten sind schussfest wie eine kugelsichere Weste - kein Jägerlatein!

Auch der Mensch stellt sich auf den Winter ein: Weil die Sonne nicht mehr so lange scheint wie im Sommer, produziert die walnussgroße Zirbeldrüse im Gehirn mehr Schlaf-Hormon (Melatonin) als sonst, und wir schlaffen ab. Da die meisten von uns keinen Winterschlaf halten dürfen, hilft nur eins: Möglichst jeden Tag eine Stunde lang raus aus dem Bau und an der frischen Luft herumspazieren - am besten bei einer kleinen Wanderung nach dem Motto. Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Winterwald!

Wenn die Tiere spuren müssen, verrät Schnee verrät auf Schritt und Tritt, was im Winterwald so alles läuft. Und hüpft. Und springt. Denn Fußabdrücke haben ihre eigene Sprachregelung - im Zehenpack.                                 

Der Feldhase (60 cm, 5 kg) liebt offene Wälder, schält dort Baumstämme ab (immer von oben nach unten), setzt im Sprung die Hinterbeine vor die Vorderläufe und hat jetzt bald Paarungszeit.                                                                                       
 
Das Kaninchen (40 cm, 2 kg) bleibt an den Waldrändern, knabbert Rinde in horizontalen Ringen von den Bäumen und setzt ebenfalls die Hinterfüße vor den Vorderfüßen auf. Je tiefer die Abdrücke, desto grösser das Tempo!                                                                                       

Der Baummarder (50 cm, 2 kg) fühlt sich in allen Wäldern pudelwohl, ist aber pausenlos hinter den flinken Eichhörnchen her. Seine Abdrücke wirken so breit, weil seine Zehenballen behaart sind.

Der Dachs (80 cm, 20 kg) durchforstet Laub- und Mischwälder auf der Suche nach Fressbarem – der Typ nimmt alles mit. Seine Spuren sind besonders leicht erkennbar, weil er beim Laufen nagelt - deshalb die langen Zehen!

Der Fuchs (60 cm, 10 kg) ist in praktisch allen Wäldern zuhause und verlässt sein Dickicht immer auf dem gleichen Weg. Geht demnächst auf Brautschau. Abdrücke verraten, ob er schlich, schnürte oder flüchtete.

Die Wildkatze (70 cm, 12 kg) geht vor allem in Bergwäldern auf Jagd, Revier bis 3 km2, liebste Tageszeit: Dämmerung. Keine Krallen-Spuren. Zur Unterscheidung: Hauskatzen-Abdrücke sind ungefähr 1/2 cm kleiner.

Das Reh (130 cm, 30 kg) bevorzugt Laub- und Mischwald, scharrt sich Kräuter und Gräser unter dem Schnee hervor, zierliche Fährte. Große Abstände zwischen den Abdrücken sind Zeichen panischer Flucht.                                       

Das Rebhuhn (35 cm, 250 g) taucht an Waldrändern auf, nistet unter Hecken und Büschen, sucht sich windgeschützte Mulden im Schnee. Liebt es gesellig in Familienverbänden ("Ketten"), verzweigte Trippelspuren verraten es.

Die Elster (45 cm, 400 g) überwintert gern in Parks, baut auffällige Hauben-Nester in die Wipfel, schnappt sich, was sie kriegen kann, hinterlässt vor allem Hüpfspuren mit parallelen Abdrücken.

Die Waldmaus (10 cm, 30 g) deckt sich für den Winter mit Vorräten ein (vor allem Haselnüsse), kommt aber trotzdem immer wieder mal aus dem Bau, hüpft blitzschnell in großen Bogensprüngen dahin.

Morgen: Weißer geht’s nicht. Gut getarnt ist halb getäuscht!      

 

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