Winter im Wald (3): Nicht schlecht, Herr Specht!

Montag, 9. Februar 2015

In der kalten Jahreszeit zeigt die Natur ihre besten Tricks. 3.Folge unserer Spuren-Suche in der Eis-Zeit.

Die größte Nassauerin der deutschen Botanik fällt im Winter immer besonders auf. Denn sie grünt genau dann, wenn die Bäume, auf denen sie sich eingemistelt hat, kahl sind. Und das mit voller Absicht. Denn dadurch kann sie auch, oft schon im Februar, als erste Blüten treiben - und ist dann, weil die Konkurrenz längst noch nicht so weit ist, das allererste Flugziel der neuen Insekten-Generation.

Flora, die Göttin der Pflanzen, spricht also in den Wintermonaten vor allem mit Mistelstimme! Die listige Lebensweise hat die Schmarotzerin, die ihren Wirtsleuten aber keinen gefährlichen Schaden zufügt, berühmt gemacht: Um kaum eine andere Pflanze ranke sich so viele Sagen und Legenden.

Die alten Germanen erzählten, ihr Sonnengott Baldur sei von seinem blinden Bruder Hod mit einem Mistelzweig erschossen worden.

Die alten Griechen und Römer glaubten, dass die Mistel Reichtum und wohltuenden Schlaf schenke. Plinius lobte ihre Heilwirkung.

Den alten Galliern war die Mistel heilig - die Erinnerung daran blieb in der Comic-Serie "Asterix" bis heute lebendig.

In angelsächsischen Ländern dürfen sich Liebespaare, die beim Tanz unter einen Mistelzweig geraten, vor aller Augen küssen                     

Nicht schlecht, Herr Specht!

Im Winter wird im Wald besonders laut gehämmert. Denn jetzt müssen die kleinen Holzhacker den ganzen Tag lang schuften, um über die Runden zu kommen. In Deutschland sind neun Arten zuhause.

Grauspecht: Seine Domäne sind lichte Laub- und Mischwälder, Parkanlagen, Alleen, Auwälder und Obstgärten. Lieblingsspeise: Ameisen und deren Puppen. Erkennungszeichen: "kük, kjäck!"                                                               

Grünspecht. Am Rand von Laub- und Mischwäldern, manchmal auch im Nadelwald, besonders gern dort, wo aufgeforstet wird. Holt Fliegen und Mücken aus Winterschlupfwinkeln. Stimme: "klü, kuck".

Schwarzspecht: Vor allem an dicken Buchen und alten Kiefern, steht auf modernde Baumstümpfe und die darin überwinternden Borken- und Bockkäfer. Signal: "kwoih-kwih-kwihkwihkwih!"

Buntspecht: In allen Laub- und Nadelwäldern, kommt im Winter gern auch an die Futterstellen, mag Kiefern- und Fichtensamen, aber Schildläuse und Schmetterlingslarven. O-Ton: "kix, quiig".

Blutspecht: Liebt trockene Eichenwälder im Mittelgebirge, gern auch Pappeln und Weiden am Fluss. Schlägt sich im Winter mit Eicheln und Sonnenblumenkernen durch. Rufe: "güg güg, wicka wicka".

Mittelspecht: Ihm reichen alte Eichen, wo immer sie stehen: Wald, Park, Villenviertel...Bessert seine Vegetarier-Kost (Eicheln, Bucheckern, Fichtensamen) mit Krabbeltieren auf. Ruf: "quää!".

Weißrückenspecht: Bohrt an absterbenden Laubbäumen herum, am liebsten dort, wo keine Forstwirtschaft ist. Stellt dort holzfressenden Insekten nach, meldet sich mit "kjile kjile, tschud tschud".

Dreizehenspecht: Lebt fast nur in Fichtenwäldern, pult sich Käfer und Larven unter der Rinde hervor, bohrt manchmal den Baum auch nach Saft an. Lässt sich mit "güg, güpp, twuit" vernehmen.

Wendehals: Überwintert meist in Afrika, nur wenige Exemplare bleiben hier. Liebt Pappeln in lichten Auwäldern, schnappt sich Ameisen, Käfer, auch Wasserinsekten. Stimme: "wäd, töpp"                                                                                                                                                     

Gut getarnt ist halb getäuscht

Viele Jäger und Gejagte bevorzugen im Winter helle Töne - ihre Lieblings-Garderobe ist Schnee von gestern! Beispiele:

Hermelin: Bis 28 cm, Schwanz 10 cm, Sommerpelz oben braunrötlich, unten weißgelblich. Im Winterpelz bleibt die Schwanzspitze immer schwarz. Wohnt in erobertem Maulwurfsbau, jagt Mäuse und Hamster.

Schneehase: Bis 60 cm, Schwanz 6 cm, brauner Sommer-Overall, im weißen Winterpelz bleiben die Ohrenspitzen schwarz. Lebt in den Alpen ab 1300 Meter Höhe, liebt Wälder, findet immer was zum Fressen unter dem Schnee.

Schneemaus: Bis 14 cm, Schwanz 7,5 cm. Sommerpelz hellgrau, Schwanz bleibt auch im Winter rötlich. Lange Beine, liebt große Höhen in den Alpen (bis 4000m!), sammelt Samen, hält ohne Winterschlaf durch.

Schneefink: Bis 18 cm, Schwanz 7 cm, trägt das ganze Jahr über Grauweiß mit schwarzen und braunen Schwung- und Schwanzfedern, wechselt die Schnabelfarbe von Schwarz (Sommer) nach Wachsgelb (Winter).

Schneeammer: Bis 19 cm, Schwanz 8 cm, Sommer braun mit weißer Musterung, Winter weiß mit braunen Sprenkeln, kommt als Wintergast aus der Tundra an Nord- und Ostseeküste, sucht in großen Schwärmen nach Sämereien.

Alpenschneehuhn: Bis 35 cm, Schwanz 10 cm. Braune Sommerkluft, im Winter weißer Tarnanzug. Gräbt Gänge unter den Schnee, sucht dort nach Beeren, Samen, Knospen und Blättern, guter Flieger und schneller Läufer.

Wussten Sie...

...dass Wildschwein-Mütter beim Säugen eine Tischordnung haben? Jeder Frischling bekommt eine eigene Zitze zugewiesen und darf an keiner anderen nuckeln.                                   

...dass junge Eichhörnchen 15 Minuten brauchen, um eine Haselnuss zu knacken? Erwachsene Tiere schaffen das in 4 Minuten.

...dass ein einziger Eichelhäher fast 10 000 Eicheln, Bucheckern und Haselnüsse sammeln und im Boden verstecken muss, wenn er im Winter nicht verhungern will?                     

...dass ein Fuchs 200 Millionen Riechzellen besitzt? Damit kann er 130mal besser riechen als ein Mensch.                     

...dass Rothirsche manchmal bis zu 20 Weibchen haben? Die Kämpfe mit den großen Geweihen dauern manchmal über eine Stunde lang.                                                                                                               

ENDE

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