Der erste Schuss fällt in der masurischen Heide

Samstag, 1. August 2015

Heute vor 101 Jahren, am 1.August 1914, begann der Erste Weltkrieg, stürzte das alte Europa in einer Hölle aus Stahl und Blut. Was geschah damals wirklich an den Fronten in Ost und West?

Der erste Schuss fällt bei dem Dorf Prostken in Masuren: Eine russische Grenzpatrouille dringt am Nachmittag 300 Meter weit auf ostpreußisches Gebiet vor und stößt auf eine deutsche Patrouille. Die Angegriffenen erwidern das Feuer, und die Russen ziehen sich wieder zurück.

„Auf beiden Seiten sind keinerlei Verluste zu verzeichnen“, meldet eine „Amtliche Kriegs-Depesche“. Es ist der 1.August 1914 – der Tag, an dem der Erste Weltkrieg beginnt.

Dem kurzen Kugelwechsel in der stillen masurischen Heide folgen die blutigsten Schlachten der Weltgeschichte. Der Tod meißelt Namen des Grauens ins kollektive Gedächtnis der Völker: Tannenberg. Langemarck. Gallipoli. Isonzo. Skagerrak. Verdun. Amiens.  

Singend und jubelnd marschierte die Jugend der Alten Welt in eine Hölle aus Stahl und Blut. Als der Erste Weltkrieg nach vier Jahren, drei Monaten und elf Tagen endet, sind von 60 Millionen Soldaten zehn Millionen gefallen und 20 Millionen verwundet. Dazu kommen sieben Millionen tote Zivilisten.

Die Opfer sterben im Trommelfeuer der Artillerie, in den Schützengräben jahrelanger Stellungskriege, im selbstmörderischen Sturmangriff durch Minenfelder und Stacheldrahtsperren, durch Luftschläge oder auf See. Und bald schildert „Der deutsche Heeresbericht“ aus dem „Großen Hauptquartier Seiner Majestät des Kaisers und Königs“ den Wahnsinn jeden Tag mit Meldungen von allen Fronten.

Die militärisch kurzen Mitteilungen lassen das Grauen nur ahnen. Mit den offiziellen Berichten von damals in einer neu bearbeiteten und kommentierten Fassung zeigt Nyaryum ab heute Tag für Tag, was damals wirklich geschah.

Die wichtigste Meldung vom 1. August 1914 aus dem Berliner Generalstabsgebäude betrifft die deutsche Mobilmachung. Auszug: „Auf Befehl des Kaisers trat kurz nach 5 Uhr auf das Portal des Schlosses ein Schutzmann und teilte der harrenden Menge mit, dass die Mobilisation beschlossen sei. Die tief ergriffene Menge stimmte unter den Klängen der Domglocken den Choral an: Nun danket alle Gott!“

Gegen 18.30 Uhr steht Wilhelm II. im Mittelfenster und ruft der inzwischen unübersehbaren Menge mit „weithin vernehmbarer, langsam stärker werdender Stimme“ zu: „Wenn es zum Kriege kommen soll, hört jede Partei auf, wir sind nur noch deutsche Brüder. In Friedenszeiten hat mich zwar die eine oder andere Partei angegriffen, das verzeihe ich ihr aber jetzt von ganzem Herzen. Wenn uns unsere Nachbarn den Frieden nicht gönnen, dann hoffen und wünschen wir, dass unser gutes deutsches Schwert siegreich aus dem Kampf hervorgehen wird."

Den markigen Worte schließt sich „ein Jubel an, wie er wohl noch niemals in Berlin erklungen ist“.

Vier Jahre später jagen Aufstände den besiegten Kaiser ins Exil.

Morgen: Die Russen greifen Ostpreußen mit 485.000 Mann an.

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