Mein Freund, der Kanzlerinberater:

Dienstag, 10. November 2015

Achtung, Satire!

Mein Freund, der Kanzlerinberater, war sichtlich geschafft. „Du musst mir helfen!“ ächzte er und ließ sich in einen Sessel fallen. „Mutti macht mich noch wahnsinnig!“

„Was ist denn nun wieder passiert?“ fragte ich und mixte ihm einen Drink.

„Du bist doch noch bei der Kirche?“ fragte er hoffnungsvoll.

„Klar. Wieso? Mit der habt ihr doch sonst auch nichts am Hut, ihr seid doch bei der CDU!“

„Sehr witzig“, knurrte er. „Ihr Katholen habt da so einen Heiligen, der für die Flüchtlinge zuständig ist. Vinzenz von Paul.“

„Du kennst dich ja gut aus.“

„Hab‘ ich gegoogelt“, gestand er. „Jedenfalls – jetzt will Mutti auch so einen. Einen Flüchtlingsheiligen.“

„Dann übernehmt ihn doch einfach, den alten Vinzenz, der passt da sicher gut rein. Von türkischen Piraten gefangengenommen, in Tunis als Sklave verkauft…“

„Geht leider nicht“, sagte mein Freund missmutig. „Der alte Vinzenz war katholisch. Mutti ist evangelisch.“

„Tja, die Heiligen sind nun mal alle katholisch, weil Luther die Heiligenverehrung damals abgeschafft…“

„Deshalb brauche ich einen, der schon vor der Reformation heilig war.“

„Lass mal sehen. Da gäbe es Christophorus, Schutzpatron der Reisenden, also auch der Flüchtlinge.“

Mein Freund schüttelte den Kopf. „Nein, der ist schon von den Autofahrern gebucht, da rückt uns der ADAC auf die Pelle.“

„Hm. Und wie wär’s mit dem hl. Nikolaus? Schutzpatron der Seefahrer? Die Flüchtlinge kommen doch oft übers Meer…“

„Machst du Witze? Da kommen doch sofort wieder diese Bilder hoch, ertrunkene Kinder und so. Nein, da wollen wir lieber nicht dran rühren. Die Leute könnten denken, wir wollen diese Tragödien für uns ausschlachten.“

„Dann nehmt den hl. Martin, der hat mit einem Bettler den Mantel geteilt.“

„Geht auch nicht. Unsere Flüchtlinge sind keine Bettler, sondern Ärzte und Ingenieure.“

„Dann eben der hl. Josef“, schlug ich vor. „Der war selber Flüchtling, emigrierte mit Maria und dem Jesuskind nach Ägypten.“

„Interessant“, sagte er hoffnungsvoll. „Und wie ging es weiter?“

„Nach drei Jahren kehrte die Familie wieder in ihre Heimat zurück.“

„Dann passt das auch nicht“, sagte er enttäuscht. „So einer würde nur die Sozen provozieren. Von unseren Flüchtlingen will keiner zurück.“

„Und der hl. Florian? Der schützt vor Feuer, zum Beispiel in Flüchtlingsheimen.“

„Willst du mich veräppeln? Der ist doch schon der Schutzheilige der EU. Heiliger Sankt Florian, verschon‘ mein Haus, zünd‘ andere an!“

„Und der heilige Franz Josef?“

„Der Kaiser?“ staunte er.

„Nein, der Strauß. Der war nach dem Krieg Landrat in Schongau, und weil er sich so vorbildlich um die Flüchtlinge aus dem Sudentenland kümmerte, hat er ganz schnell Karriere gemacht.“

„Dir fehlt der nötige Ernst“, sagte mein Freund. „Das gefällt höchstens dem Seehofer, und den kann Mutti bekanntlich nicht ab.“

„Hölderlin“, sagte ich.

„Wie kommst du denn auf den?“ wunderte er sich.

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, zitierte ich. „Vor seinem Denkmal in Tübingen haben sie neulich ein Schild aufgestellt: Den unbekannten Flüchtlingen, die auf dem Weg nach Europa starben.“

Er schüttelte den Kopf. „Das haben die Linken da so reininterpretiert, aber er war nun mal kein Heiliger.“

„Gandhi“, schlug ich vor. „In Italien schreiben die Zeitungen schon, dass Angela Merkel jetzt zwischen Gandhi und Jesus sitzt.“

„Der war doch Buddhist!“

„Na und? In Ostia haben sie ihn schon als Mosaik an einer Kirche verewigt. An einer katholischen Kirche! Zusammen mit Martin Luther King.“

„Was? Mit einem Evangelen?“

„King war Baptist. Ist denn Religion überhaupt so wichtig? Sucht euch doch einen weltlichen Patron. Mutter Teresa zum Beispiel.“

„Nein, die hat die armen Leute ja nicht nach Europa geholt, sondern ist selber zu ihnen gegangen. Nein, es müsste jemand sein, der perfekt zu Muttis Politik passt. Einer, von dem wir alle noch was lernen können. Einer, der es wirklich drauf hatte. Der für unsere Ziele steht, und für unsere Art, Probleme zu handeln. Einer, der schon gleich überzeugt, wenn man nur seinen Namen hört.“

„Hab‘ ich“, sagte ich.

„Wirklich?“ fragte er gespannt. „Und wer soll das sein?“

„Der Fürst Potemkin.“

Er kippte seinen Drink. „Das reicht“, sagte er. „Da fällt mir ein: Gibt es nicht sowas wie eine heilige Angela?“

„Ja“, sagte ich. „Angela Merici, vor ungefähr fünfhundert Jahren. Also noch vor der Reformation. Sie erhielt himmlische Weisungen und wurde in Brescia „Ratgeberin aller Stände“. Schön demokratisch, was? Außerdem wurde sie ‚Madre‘ genannt.“

Er sprang auf. „Madre? Mutti? Das ist es!“, rief er begeistert.

„Sie pilgerte ins Heilige Land“, erzählte ich. „Gefährliche Rückreise per Schiff. Sie gründete den Orden der…“

„Genug, genug“, wehrte er ab. „Besser kann es gar nicht mehr werden. Vielen Dank! Auf euch Kirchentypen ist eben immer Verlass.“

 

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