Blasphemie zum Weihnachtsfest

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Pleitgen, Reagan, BSE: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“ welche Themen dem Fernsehen vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 24. Dezember 2000.

„In Quatsch Comedy Club" am Montag sagte PRO7-Komiker Gerhard als Jesus mit blonder Perücke und einem Kreuz auf dem Rücken:

„Ihr esst jeden Abend Currywurst, und ich bin so abgehangen, mir kannst du durch die Rippen pusten!"

„Ihr geilt euch gleich in der Werbepause wieder an nackten Weibern auf, und ich bin immer noch Jungfrau, wie meine Mutter!"

„Immer wenn ich mal eine anquatsche, heißt es bloß: Hau ab, du Hänger!"

„Die Abendmesse dauert und 50 Omis knien vor mir, und ich denke: Kacke, Jesus, das Pils treibt!"

Zu seiner Dornenkrone: „Das Gestrüpp da oben auf dem Kopf, das geht mir vielleicht auf den Keks ... Die Scheiße krieg' ich doch in 500 Jahren nicht aus der Matte raus!"

Balzac: „Es gibt Männer, die dümmer und wirklich auch hässlicher sind, als Gott sie gemacht haben würde."

                            *

In „Die Harald Schmidt Show" am Mittwoch sprach SAT.l-Moderator Schmidt mit WDR-Intendant Pleitgen über dessen ARD-Dokumentation aus dem Kaukasus. Kostprobe:

Schmidt: „Sie müssen jetzt gleich von hier in den Schneideraum..."

Pleitgen: „Ja, das wird eine schöne Nachtarbeit."

Schmidt: „Kommen Sie dann nicht müde in das Intendantenbüro?"    

Pleitgen: „Ach, das fällt dort nicht so auf, wenn ich da um elf komme und um zwölf wieder verschwinde, so wie Ronald Reagan."

Im Westen nichts Neues.

                            *

In „Tagesthemen" am Mittwoch sagte ARD-Reporterin Holzner über Hessens CDU-Ministerpräsident Koch: „Der Politiker hat sich fürs Aussitzen entschieden ... Die Bundespartei in Berlin schaut mit einer Mischung aus Bewunderung und Abscheu auf den Kohl aus Wiesbaden.“

Apostelgeschichte 8,30: „Verstehst du auch, was du liesest?“

                            *

In „Berlin Mitte" am Donnerstag sagten zum Thema BSE

ZDF-Moderatorin Illner: „Warum brauchen wir zehn Jahre, um zu verstehen, dass wir in der Richtung vielleicht ein bisschen mehr Aktionismus zeigen sollten?"

CDU-Europa-Abgeordneter Böge: „‚Aktionismus‘ ist, glaube ich, das falsche Wort. Wir müssen in Krisenzeiten schnell handeln und trotzdem seriös bleiben."

Illner: „Ja, richtig, sagen wir ‚Aktivität', dass wir etwas tun müssen. Richtig so, die Verbesserung? Ich wollte wissen, warum jetzt, da wird - jetzt fällt das Wort - ein Aktionismus vorgetäuscht, den man sich eigentlich als Bürger am liebsten schon 1991 gewünscht hätte?"

Sartre: „Der Eigensinn ist die Energie der Dummen."

Anmerkungen

SPD-Mitglied Fritz Pleitgen war 1970-1977 ARD-Auslandskorrespondent in Moskau. 1977 ging er nach Ostberlin, nachdem ARD-Korrespondent Lothar Loewe wegen seiner unverblümt kritischen Berichterstattung am SED-Regime des Landes verwiesen worden war. Bei Pleitgen hatte die ARD Ähnliches nicht zu befürchten, er blieb fünf Jahre auf diesem Posten. 1982 wechselte Pleitgen nach Washington, wo er ganz im Sinne seiner Partei die Politik US-Präsident Ronald Reagans scharf kritisierte. 1987 kehrte er zum WDR nach Köln zurück. 1988 wurde er Chefredakteur des WDR-Fernsehprogrammbereichs „Politik und Zeitgeschehen“. Besonders seine ARD-Kommentare gefielen den Genossen, und 1995 wurde er zum WDR-Intendanten gewählt. Später entzweite er sich mit seiner Partei und näherte sich den Positionen der CDU an, was ihn prompt die Wiederwahl kostete. Seitdem ist er wieder stramm auf Parteilinie.

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt