Die ARD, die Abtreibung und der Bischof

Donnerstag, 31. Dezember 2015

CDU-Spendenaffäre, deutsche Leitkultur, Balkan-Krisen: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 31. Dezember 2000.

In „Tagesthemen" am Mittwoch sagten über Limburgs Bischof Kamphaus, der auch künftig zur straffreien Abtreibung notwendige Bescheinigungen ausstellen will,

ARD-Moderatorin Bauer: „Der Bischof... wird seinem Gewissen folgen... im Gegensatz zu seinen Kollegen."

ARD-Reporterin Böker: „Einer argumentiert nach Verantwortung und Gewissen, die 26 anderen gehorchen dem Papst... Kniefall."

ARD-Kommentator Harbecke: „Einer zeigt Rückgrat. Einer will weiterhin bedingungslos helfen. Einer weiß, dass die Schreibtischmoral nicht weiterhilft. Einer sorgt dafür, dass die Grenze nicht ganz so scharf verläuft zwischen Prinzip und Leben, zwischen Jesus und seiner Kirche."

Gottfried Benn: „Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort."

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In „Ultimo 2000" am Mittwoch sagte NDR-Kabarettist Scheibner: „Ich habe im Mai gesagt, dass Fürst Wittgenstein sich bei Kardinal Meissner dreißig Särge ausgeliehen hatte mit den Gebeinen von irgendwelchen Heiligen, und die hat er dann dem Finanzamt vorlegen wollen als sterbliche Überreste seiner jüdischen Erblasser ... Es war so schön, wie die Angela Merkel in Dresden den Altkanzler wieder in die Arme geschlossen hat: Ach Helmut, komm doch wieder zu uns, wir sind doch alle Ganoven und Kleinkriminelle ... Diese Spendenaffäre war eigentlich mehr gegen uns Kabarettisten: Jeden Tag eine neue Affäre, da kam man kreativitätsmäßig überhaupt gar nicht hinterher!"

Was zu beweisen war.

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In „Das war 2000" am Donnerstag fragte ARD-Moderator Delling CDU-Chefin Merkel: „Nach der neuen Rechtschreibregel: Wie wird das Wort Leitkultur buchstabiert - mit t oder mit d?"

Sirach 2,4: „Sei geduldig in allerlei Trübsal."

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In „Rund um den Balkan" am Donnerstag berichtete ARD-Reporter Ruge aus Skopje: „Dem Gebetsruf vom Minarett folgen heute nicht Türken, sondern die vielen Albaner, die in Mazedonien leben... Deshalb baut das arme Land auch fast trotzig eine riesige neue Kirche. Mitten in der Hauptstadt. Mazedonien, slawisch und vom rechten christlichen Glauben!"

Allahu akbar.

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In „Mittagsmagazin“ am Freitag sagte ZDF-Moderator Lehmann vor einem Bericht über Skifahrer: „Jeder, der sportlichen Spaß an Schnee hat - ich meine jetzt nicht den Christoph Daum – der kommt jetzt voll auf seine Kosten."

Goethe: „Töricht ist's, in allen Stücken billig sein."

Anmerkungen

Gabi Bauer war 1997-2001 Moderatorin der „Tagesthemen“ und 2002-2004 ARD-Talkmasterin („Gabi Bauer“). Seit 2006 moderiert sie das „ARD-Nachtmagazin“.

Hans Scheibner ist ein Hamburger Satiriker, Liedermacher und Kabarettist.

Gerd Ruge war 1956-1959 der erste Korrespondent der ARD in Moskau und 1964-1969 ARD-Korrespondent in den USA. 1970 übernahm er die Leitung des WDR-Hauptstadtstudios in Bonn. 1973-1976 berichtete er für „Die Welt“ aus Peking. Nach weiteren verschiedenen Funktionen beim WDR und der ARD, darunter 1987-1993 als Leiter des ARD-Studios in Moskau, ging er 1993 in den Ruhestand.

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