Mythos Wolf

Sonntag, 12. März 2017

Am Anfang ist der Wolf. Das erste Tier, das der Mensch zähmt, wird sein bester Freund, aber auch sein schlimmster Feind. Kein anderes Lebewesen weckt in uns so zwiespältige Emotionen.

Im Mythos versteckt sich Urgeschichte: Nach der Eiszeit vor 15.000 Jahren schließen sich die ersten Wölfe den Jägervölkern an, erst als Abfallschnorrer, dann als Jagdhelfer.

Die Welt ist damals so dünn besiedelt, dass sich Isegrim und Adam nicht in die Quere kommen. Steinzeit-Stämme wählen den Wolf zum schützenden Totem-Tier. Schamanen suchen durch ihn Kontakt zur Geisterwelt.

Im Glauben der alten Griechen begleiten drei Wölfe die Erdgöttin Hekate zwischen die Welten des Lichts und der Dunkelheit. Persiens Reichgründer Kyros wird wie später Roms Stadtgründer Romulus und Remus von einer Wölfin gesäugt. Noch im modernen „Dschungelbuch“ rettet ein Rudel den kleinen Mogli.

Als der Jäger zum Krieger wird, folgen die Wölfe Geri und Freki dem Germanengott Odin in die Schlacht. Noch Hitler nutzt das Image des wehrhaften Waldwesens: „Adolf“ bedeutet „Edelwolf“, und der Diktator unterschreibt seine ersten politischen Briefe mit dem Pseudonym „Wolf“. Im Krieg nennt er sein Hauptquartier in Ostpreußen „Wolfsschanze“.  

Hunnen und Türken zählen den Wolf sogar zu ihren Ahnen. Die rechtsradikalen „Grauen Wölfe“ wollen mit ihrer Selbstbezeichnung Traditionsbewusstsein und Stärke signalisieren.

Doch weil sich die Menschen stärker vermehren als die vierbeinige Nahrungskonkurrenz, beginnt bald ein gnadenloser Kampf. Die griechische Sage erfindet den Werwolf. Das christliche Mittelalter macht das Raubtier zum Teufelswesen. Auf Altarbildern kämpft Christus selbst mit dem Wolf. Erlegte Raubtiere werden wie Verbrecher an den Galgen gehängt.

Erst die moderne Forschung entlarvt die Schauermärchen als Ausdruck unserer Urängste: Die Furcht des Augenwesens Mensch vor der Dunkelheit führt zum Schreckensbild des Ungeheuers, das Kinder wie „Rotkäppchen“ frisst.

In der Bibel ist der „reißende Wolf“ ein Sinnbild des Bösen, aber auch ein Symbol für das künftige Gottesreich: Nach dem Propheten Jesaja bricht es an, „wenn der Wolf beim Lamme liegt“. So wäre es auch den Naturschützern jetzt wohl am liebsten.

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