Wie der „Spiegel“ den Frühschöppner Höfer mit NS-Vorwürfen zum Rückzug zwang

Sonntag, 24. Dezember 2017

Ärger um Fake-News von „Monitor“, das Gelächter von Journalisten während der Bundespressekonferenz: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 30 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 24. Dezember 1987.

Vergangenen Samstag führte ARD-Showmaster Schenk zum letzten Mal durch den "Blauen Bock". Am Sonntag leitete ARD-Moderator Höfer zum letzten Mal den "Internationalen Frühschoppen".

Am Dienstag präsentierte ARD-Moderator von Lojewski zum letzten Mal „Report". Am Mittwoch moderierte Gerhard Löwenthal zum letzten Mal das "ZDF-Magazin".

Schiller, "Ring des Polykrates": "Des Lebens ungemischte Freude..."

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In der ZDF-Sendung "Wie Denken die Welt bestimmt - Da lacht der Mensch" am Montag sagte Kabarettist Hüsch:

"Das Gelächter von Journalisten während der Bundespressekonferenz wurde in Bonn scharf kritisiert: Die Pressekonferenz möge beschließen, bei Auftritten des Bundeskanzlers künftig nicht mehr zu lachen!"

"So ist Humor jedenfalls nicht mehr, wenn man trotzdem lacht, sondern wenn man, obschon man Humor zu haben glaubt, zu haben scheint, dennoch nicht weint."                           

Aha.

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Am Dienstag vergangener Woche behauptete ARD-Moderator Bednarz in seiner Sendung "Monitor", die Ausstrahlung einer Erklärung des Bundeskanzlers zum Gipfel in Washington am 10. Dezember in der "Tagesschau" sei auf Druck des Bundespresseamtes zustande gekommen.

Diesen Dienstag ließ ARD-Moderator von Lojewski in seiner—Sendung "Report“ eine Stellungnahme dazu verlesen: Es habe keinerlei Absprache zwischen der ARD und der Bundesregierung gegeben. Unterfertigte: die ARD-Intendanten.

Bednarz bleibt.

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Am Dienstag berichteten die ARD-"Tagesthemen" über den Sturz des einstigen NS-Kolumnisten und späteren ARD-Moderators Höfer ("Internationaler Frühschoppen"). Kostproben:

ARD-Kommentator Elitz: "Bedauerlich, dass ein Mann wie er seine Aufgabe unter solchen Umständen abgeben muss! Unbehagen bereitet mir, dass sich bei uns die Neigung breitgemacht hat, andere mit ihrer Vergangenheit zu vernichten. Was gab es da alles für gemeine Attacken gegen Herbert Wehner, der Kommunist war, wie wurde Willy Brandt mit Schmutzkübeln übergossen. Bei Werner Höfer zählen für mich auch jene 40 Jahre seines Lebens, in denen er vielen von uns ein Vorbild gewesen ist."

"Tagesthemen"-Moderator Friedrichs nach einem Interview mit Höfer: "Ich bin mit einer gewissen Befangenheit auf dieses Gespräch zugegangen, denn ich habe viele Jahre in Werner Höfers Umgebung gearbeitet und viel von ihm gelernt. Vielleicht nicht die besten Voraussetzungen für dieses Interview.“

Nicht nur dafür.

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Am Samstag, dem 2. Feiertag, soll ARD-Umweltreporter Korruhn ("Fleisch frisst Menschen - von den Folgen unserer Esslust für die Dritte ,Welt") mit dem grünen Professor von Ditfurth "weihnachtliche Gespräche" führen. Titel: "Wie das, alles aushalten?"

Gute Frage.

Anmerkungen

Der Showmaster und Schauspieler Heinz Schenk (1924-2014) moderierte seit 1966 in 21 Jahren 124 Ausgaben der ARD-Sendung „Zum Blauen Bock“.

Wolf von Lojewski war 1992-2003 Leiter und Moderator des ZDF-„heute-Journal“.

Der TV-Journalist Klaus Bednarz (1942-2015) trat als Moderator der ARD-„Tagesthemen“ (1983) und des ARD-Magazins „Monitor“ (1983-2001) nachhaltig für die politischen Ziele der SPD ein, der er als 68er nahestand. Nach seiner Pensionierung drehte er für die ARD Reportagen aus aller Welt.

Günter von Lojewski wurde 1969 Leiter der ZDF-Nachrichtenredaktion, 1977 Moderator der Report-Redaktion des Bayerischen Rundfunks und 1989 Intendant des SFB. Seit 1997 ist er Honorarprofessor an der FU Berlin.

„Frühschöppner“ Werner Höfer (1913-1997) wurde 1941 Pressereferent der „Organisation Todt“ und danach im Rüstungsministerium des später wegen Kriegsverbrechen verurteilten Albert Speer. Am 3. September 1943 wurde der junge Pianist Karlrobert Kreiten vom NS-„Volksgerichtshof“ wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt, weil er gegenüber einer Freundin seiner Mutter Zweifel an Hitlers „Endsieg“ geäußert hatte. Am 20. September kommentierte Höfer, damals 30 Jahre alt, das Urteil im „12-Uhr-Blatt“ so: „Wie unnachsichtig jedoch mit einem Künstler verfahren wird, der statt Glauben Zweifel, statt Zuversicht Verleumdung und statt Haltung Verzweiflung stiftet, ging aus einer Meldung der letzten Tage hervor, die von der strengen Bestrafung eines ehrvergessenen Künstlers berichtete. Es dürfte heute niemand Verständnis dafür haben, wenn einem Künstler, der fehlte, eher verziehen würde als dem letzten gestrauchelten Volksgenossen.“ Nach dem Krieg heuerte Höfer beim WDR an. Über seine NS-Vergangenheit schwieg er. Als der „Spiegel“ den Skandal 1987 aufdeckte, bestritt Höfer, den Text in dieser Form selbst verfasst zu haben. Er könne sich auch nicht mehr erinnern, welche Passagen von ihm stammten und welche nicht. Die damalige SPD-Bundesgeschäftsführerin Anke Fuchs nannte die Kritik an Höfer einen „empörenden Vorgang“ und unterstellte den Kritikern „fragwürdige und leicht durchschaubare Methoden“ aus politischer Gegnerschaft zu dem eifrig linkelnden Moderator. Dennoch musste Höfer seine Sendung „Der Internationale Frühschoppen“ aufgeben. Die ARD wiederum musste sich für die Sendung einen neuen Titel suchen, weil Höfer an dem alten die Rechte beanspruchte.

Ernst Elitz wurde 1985 Chefredakteur Fernsehen des Süddeutschen Rundfunks. Von 1994–2009 war er Intendant des „Deutschlandradio“, heute ist er Kommentator und Ombudsmann der Bild-Zeitung.

Der SPD-nahe „Tagesthemen“-Moderator Hanns Joachim Friedrichs (1927-1995), ein früherer ZDF-Sportchef, bewährte sich in den Jahren von 1985 bis 1991 als besonders eifriger Propagandist rot-grüner Meinungen. Sein Nachfolger Ulrich Wickert und andere Gleichgesinnte im öffentlich-rechtlichen Rundfunk dankten ihm durch die Stiftung eines Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus. Den Vorsitz übernahm Wickert, der dann prompt einer der ersten Preisträger wurde.

Wolfgang Korruhn (1937-2003) kam 1969 zum WDR, wo er u.a. den „ARD-Ratgeber Recht“ moderierte und für den „ARD-Brennpunkt“ arbeitete. „Wikipedia“: Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine Kurzinterviews für das WDR-Politmagazin ZAK.

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