Lafontaine und Schröder als Pleitegeier

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Schuldenmacherei im Saarland, Haushaltskatastrophe im Bund, Wickerts entlarvender Versprecher: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 20 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 21. Dezember 1997.

In „heute-journal" am Montag sagten

SPD-Wehrexperte Kolbow: "... bemühte Aktionen, wie wir sie von Herrn Rühe kennen. Wenn es inhaltliche Schwierigkeiten gibt, dann greift er zu den Mitteln des optischen Auftritts, zum Event."

Ex-Verteidigungsminister Apel (SPD): „Ich halte Volker Rühe für einen guten Minister und es wäre töricht, ihn nach einer solchen Geschichte, für die er wirklich nichts kann, in die Wüste schicken zu wollen, das wäre wirklich idiotisch."

ZDF-Reporter Kaiser: „Als Event-Marketing war Rühes Mission wohl erfolgreich."

Kolbows auch.

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In „Report" am Montag sagten

ARD-Moderator Bönte: "Während die SPD auf Bundesebene die Finanzpolitik der Regierungskoalition massiv kritisiert, zeigen sich Sozialdemokraten auf Landesebene als finanzpolitische Dünnbrettbohrer.

ARD-Reporter Bachmann/Krüger: „Finanzpolitisches Waterloo der Regierung Schröder. Sie droht immer weiter im Strudel ihrer Haushaltspolitik zu versinken. Das Saarland wäre längst bankrott, wenn Bund und Länder nicht immer  wieder Geld überweisen würden. Lafontaine drückte seinen Schuldenhaushalt nach Gutsherrenart durch. Den Rotstift hat er genau da angesetzt, wo er es in Bonn auf das Schärfste verurteilt."

Werner Grunert: "Es gibt Politiker, die sind zu nichts fähig. Es gibt andere, die sind zu allem fähig."

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In „Tagesthemen" am Montag sagte ARD-Moderator Wickert über die Grünen: "Die Sehnsucht nach der Macht hat sie auch klar erkennen lassen, dass manche politischen Forderungen beim Wählerfunk ... volk doch nicht so ganz beliebt sind."

Konfuzius: "Der Menschen Fehler entsprechen jeweils der Gemeinschaft, der sie angehören."

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In "Frontal" am Dienstag sagte ZDF-Moderator Hauser: "Und noch ein Video-Skandal - WDR versteckt Landesvater im Giftschrank. Eine ganz klare Rücktrittsdrohung von Johannes Rau, zufällig mitgeschnitten und ausgestrahlt vom Westdeutschen Rundfunk darf nicht mehr gezeigt werden. Der WDR schützt den Ministerpräsidenten vor seinen eigenen Worten, indem er ,Frontal' die Herausgabe des Videobandes verweigert. Wie soll man das nun nennen - Zensur, Selbstzensur, nacheilender Gehorsam? Ein klarer Fall von Feigheit vor dem Freund!"

Plutarch: „Ein Fürst ist am glücklichsten, wenn er es dahin bringt, dass die Leute nicht ihn, sondern für ihn fürchten.“

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In "Monitor" am Donnerstag sagte ARD-Kabarettist Hildebrandt in einer gefakten „Neujahrsansprache des Bundeskanzlers":

"Wir werden Arbeitsplätze schaffen - in jeder deutschen Stadt gibt es in Zukunft einen Platz der Arbeit."

"Wir werden die Arbeitslosen halbieren - und zwar mit einem Schlag, zur Rechten wie zur Linken sieht man einen halben Arbeitslosen herniedersinken."

"Es blüht allerorten - ja, im Westen die Korruption, im Osten der Flachs." .

"Unser Bundespräsident hat das Volk beunruhigt. Er hat einen Ruck von ihm gefordert, einen Ruck, ein hässliches, krachendes deutsches Wort: Ruck. Denn ein Ruck ist, ist meistens ein Zuck gleich um die Ecke, und ruck-zuck- haben wir auch schon einen Ruck nach rechts in der Bundeswehr, und zack-zack klappen schon wieder die Hacken der uniformierten Zickendrähte zusammen, wenn es bei uns ruckt, zuckt, zickt und zackt..."

Na denn Prost.    

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In der SAT.l-Sendung „Blitz" am Freitag fragte ein nicht genannter Sprecher zu Bildern eines erfolgreichen Hollywood-Schauspielers und einer deutschen Regisseurin: "Will Brad Pitt der Katja von Garnier etwa zu Weihnachten einen saftigen Braten in die Röhre schieben?"

Ohne Worte.

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In "Bericht aus Bonn" am Freitag sagten

ARD-Moderator Krause: "Dass der Spott üblicherweise schnell dem Schaden folgt, die FDP hat es erfahren, seit ausgerechnet sie, die gegen Subventionen jeder Art zu Felde zieht, dazu verdonnert wurde, über 10 Millionen Mark staatlicher Beihilfe zurückzuzahlen."

Ein als Bettler verkleideter Mann, der vor der FDP-Zentrale auf dem Boden saß: "Bitte eine kleine Spende für die FDP."

Ein angeblicher Passant: "Die ist reich genug. die ist Wirtschaftspartei, die hat Ahnung davon."

ARD-Reporter Scheller: „Solms ... Er weiß eben, wie man mit Geld umgeht … Formulare … Not macht erfinderisch: Solms lässt in Zukunft FDP-Fraktionsveranstaltungen von der Industrie sponsern. Mit 50.000 Mark, auch Kleinvieh macht Mist, ist die RWE-Tochter O.tel.o .eingestiegen. Andere sollen folgen. Nicht illegal, aber mit Hautgout."

Außer, wenn die Kombination Öffentliche Gelder + private Sponsoren bei der ARD selbst stattfindet.

Anmerkungen

Andreas Bönte leitete und moderierte 1992-2005 das ARD-Magazin „Report München“. Seit 2005 leitet er den Programmbereich Planung und Entwicklung Bayerisches Fernsehen, seit 2007 moderiert er außerdem die Sendung „Nachtlinie“.

Der frühere SPD-Journalist Ulrich Wickert moderierte 1991-2006 die ARD-„Tagesthemen“.

Bodo M. Hauser (1946-2004) moderierte seit 1993 mit Ulrich Kienzle das ZDF-Magazin „Frontal“. 2000 wurde er für das ZDF Programmgeschäftsführer des Nachrichten- und Dokumentationssenders PHOENIX, für den er auch die Talkshow „Unter den Linden“ moderierte. Außerdem leitete er das ZDF-„Nachtduell“.

Rolf-Dieter Krause ging 1982 zum WDR-Landesstudio Düsseldorf, wurde 1985 ARD-Korrespondent in Bonn, 1990 ARD-Korrespondent in Brüssel und 2000 Programmchef des WDR-Fernsehens. Seit 2001-2016 leitete er das ARD-Studio Brüssel.

 

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