Die letzte Sendung des großen TV-Journalisten Gerhard Löwenthal

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Weihnachten nach Art der ARD, Silvester und die öffentlich-rechtlichen Faulpelze: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 30 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 27. Dezember 1987.

In der 585. und letzten Ausgabe seines "ZDF-Magazins" am Mittwoch brachte Moderator Gerhard Löwenthal folgende Beiträge:

1. Sicherheitspolitik. Löwenthal: "Angesichts so vieler Spekulationen über den angeblichen neuen Kurs Gorbatschows ist es sicher angebracht, daran zu erinnern, dass der Pazifismus der 30er Jahre eben nicht den Frieden sicherte, sondern den Aggressor Hitler geradezu zum Krieg ermunterte."

2. Opfer des sowjetischen Völkermords in Afghanistan.       

3. Terror gegen politische Gefangene in den Zuchthäusern des SED-Staats.

Ob mit Löwenthal auch seine Themen aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen verschwinden?

*

Aus der ARD-Sendung "Oh, du fröhliche..." am Donnerstag, dem Heiligen Abend:

Moderator Rosenbauer liest aus einem Gedicht von Dieter Höss vor: "Die Geschenke waren gut ausgesucht, / Der Tannenbaum war gut gewachsen, / Das Fernsehprogramm war  gutgemeint - / Mir wurde schlecht.“

Die Kamera zeigt eine Krippe; unter ihren Figuren befindet sich auch die Darstellung eines, Mannes, der mit heruntergelassenen Hosen über seinen Exkrementen hockt.

Der Schlagersänger Lage singt: "Weihnachten bleibt doch ein gemeiner Trick."

Rosenbauer kündigt an: "Wir kommen jetzt zum unchristlichen Teil." Danach beginnt eine Diskussion mit Gästen. Die "Religionskritikerin" Glaube: "Ich kann mit Religion nichts anfangen, weil ich ein sehr praktisch veranlagter Mensch bin. Mit Dingen, die irgendwo über den Wolken schweben, kann ich nichts anfangen." - Die "Meditationslehrerin" Wex: "Ich glaube an garnix."

Rosenbauer zum Schluss: "Ich wünsche Ihnen fröhlicheWeihnacht - fröhliche Tage und fröhliche Nächte."

Höss hatte Recht.

*

Für diesen Samstag, den zweiten Weihnachtsfeiertag, nahm die

ARD "weihnachtliche Gespräche" zwischen dem ARD-Umweltreporter Korruhn ("Fleisch frißt Menschen - von den Folgen unserer Esslust für die Dritte Welt") und dem grünen Umwelt-Professor von Ditfurth ins Programm. Titel: "Wie das alles aushalten?"

Gute Frage.

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Um der neuen privaten Konkurrenz das Wasser abzugraben, starteten ARD und ZDF zahlreiche neue Programme. Den dadurch entstandenen Finanzbedarf suchen sie jetzt durch eine saftige Gebührenerhöhung zu decken - ohne sie können die öffentlich-rechtlichen Sender ihren Auftrag angeblich nicht mehr erfüllen.

Am kommenden Donnerstag beendet Europas größte Rundfunkanstalt, der WDR, sein Silvesterprogramm bereits um 0.05 Uhr. Hessen III schaltet um 0.20 Uhr ab, die anderen Dritten machen spätestens bis 1.35 Uhr das Licht aus. Das ZDF hält bis 1.50 Uhr durch, die ARD immerhin bis 2.45 Uhr.

Im kleinen Dänemark dagegen macht das Fernsehen bis vier Uhr früh munter weiter. Ohne Gebührenerhöhung.

Prost Neujahr.

Anmerkungen

Der renommierte Publizist Gerhard Löwenthal (1922-2002), Sohn eines jüdischen Kaufmanns aus Berlin, überlebte den Nazi-Terror und begann seine journalistische Laufbahn 1946 beim RIAS. Von 1969 bis 1987 leitete er das legendäre „ZDF-Magazin“. Sein engagierter Einsatz für die Wiedervereinigung Deutschlands und seine ständigen Entlarvung kommunistischer Propagandalügen jener Jahre trugen ihm die lebenslange erbitterte Feindschaft sozialdemokratisch und sozialistisch orientierter Journalisten vor allem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein. Anders als viele von ihnen wurde Löwenthal nach seiner Pensionierung nicht mehr auf Honorarbasis weiterbeschäftigt, sondern umgehend kaltgestellt. Die Geschichte gab ihm schallend Recht: Der Fall der Mauer 1989 widerlegte seine vielen Gegner, von denen freilich kein einziger seine Irrtümer jemals zugab. Als in der Vorwendezeit immer mehr Informationen in den Westen drangen, die bewiesen, dass Löwenthal stets richtig gelegen hatte, konnten seine erbitterten Gegner in der Mainzer Sendezentrale nichts mehr entgegensetzen, sich aber auch nicht – ebenso wenig wie ihre Kollegen in der ARD - zu einer Rehabilitierung des Verfemten durchringen. Ein leitender ZDF-Journalist erklärte damals hilf- und fassungslos: „Aber das würde ja bedeuten, dass Löwenthal Recht gehabt hat!“

Hansjürgen Rosenbauer brachte es 1991 als ARD-Moderator („Weltspiegel“) und Talkmaster zum Intendanten des neuen ORB und blieb es bis zur Fusion mit dem Sender Freies Berlin (SFB) im Mai 2003. Im September 2003 wählte ihn der Brandenburger Landtag in den Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg gewählt, allerdings erst im zweiten Wahlgang und nach massivem Druck der SPD auf ihren Koalitionspartner CDU.

Wolfgang Korruhn (1937-2003) kam 1969 zum WDR, wo er u.a. den „ARD-Ratgeber Recht“ moderierte und für den „ARD-Brennpunkt“ arbeitete. „Wikipedia“: Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine ideologisch gefärbten Kurzinterviews für das WDR-Politmagazin ZAK.

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