Fritz Pleitgens peinliche Versprecher im Bericht zum Kindermord

Donnerstag, 28. Dezember 2017

ARD-Spott über die Bundeswehr, Großpleitier Jürgen Schneider: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 20 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 28. Dezember 1997.

In „Presseclub" am Sonntag sagte ARD-Moderator und WDR-Intendant Pleitgen um Fall der ermordeten Kim Kerkow: „Zwei Prozesse haben in den letzten Tagen die Bevölkerung aufgewühlt. Die Mörder von Kip Ker ... Kerwurk ... Kim Kerburg und Natalie Astner ... Haben solche Mörder auch noch einen Anspruch auf Restfreiheit?"

Hat ein ermordetes Kind nicht Anspruch darauf, dass sich hochbezahlte ARD-Fürsten wenigstens für kurze Zeit den Namen einprägen?

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In „Scheibenwischer" am Sonntag sagte der ARD-Gesinnungskabarettist Hildebrandt (SPD):

"Es ist auch nicht wahr, dass der Innenminister Kanther ein Begrüßungsgeld für Frischwähler, also für rechtsradikale Frischwähler ... aber denkbar!"

"CSU heißt Christliche Steuerhinterziehungs-Union, und die Finanz-Debile Partei Deutschlands heißt natürlich nach wie vor FDP."  

"Bayern wird regiert von einer alkoholfreien Gaststätte - einer Spezi-Wirtschaft."

„Wenn sich Manager zusammenrotten, so diese Industrieverursacher…"

Überall Weihnachtsfeiern: Daimler und Benz und Thyssen und Siemens und Mannesmann und Klöckner und alle diese kriminellen Vereinigungen feiern überall hier und tauchen gerade ihre Lieferverträge in den Irak in den Glühwein."

„Auch das Verteidigungsministerium wird eine sehr fröhliche Weihnachtsfeier haben, und zwar unter Anleitung des persönlich eingeladenen Vertragsoffiziers zur Totenkopf-Division des SS...“

„Es wird wahrscheinlich einen Julklapp geben mit anschließendem Lebkuchenherzen-Preisschießen. Der Sieger darf Volker Rühe küssen."

Alle Jahre wieder...   

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In „Tagesthemen" am Dienstag sagte ARD-Kommentatorin Jochimsen: "Auch wenn Sie das vielleicht etwas verwundert, meine ich, dass wir Dr. Jürgen Schneider einiges zu verdanken haben. Erstens lauter grandios restaurierte Stadtpaläste in Berlin, Hamburg und München, Leipzig und Frankfurt, die es ohne ihn mit Sicherheit nicht gäbe, sondern die auf die übliche Weise in unsere urbanen Kommerzwüsten eingeplättet worden wären. Zweitens den spannendsten Wirtschaftskrimi unserer real existierenden Wirklichkeit nach der Wende ... Drittens aber verdanken wir Doc Schneider zum ersten Mal besondere Einsichten in die Arbeitsweise unserer berühmten deutschen Banken."

Des einen Schaden ist des anderen Gewinn (deutsches Sprichwort).

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Über die Seuche in Kenia sagten am Freitag

ARD-Korrespondentin Bohland in der "Tagesschau": „Befürchtungen, die mysteriöse Krankheit könnte durch das Ebola-Virus verursacht sein, schließen Experten aus."

ZDF-Reporter Thurau in „heute": „Medikamente gibt es gegen die unbekannte Seuche keine."

Ebensowenig wie gegen solche Grammatik.  

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1984, vor Einführung des Privatfernsehens, wurden Deutschlands TV-Zuschauern an den drei Weihnachtstagen zusammen 18 Spielfilme geboten. Dieses Jahr konnten sie unter 273 Spielfilmen auswählen.

Herzlichen Dank.

Anmerkungen

SPD-Mitglied Fritz Pleitgen war 1970-1977 ARD-Auslandskorrespondent in Moskau. 1977 ging er nach Ostberlin, nachdem ARD-Korrespondent Lothar Loewe wegen seiner unverblümt kritischen Berichterstattung am SED-Regime des Landes verwiesen worden war. Bei Pleitgen hatte die ARD Ähnliches nicht zu befürchten, er blieb fünf Jahre auf diesem Posten. 1982 wechselte Pleitgen nach Washington, wo er ganz im Sinne seiner Partei die Politik US-Präsident Ronald Reagans scharf kritisierte. 1987 kehrte er zum WDR nach Köln zurück. 1988 wurde er Chefredakteur des WDR-Fernsehprogrammbereichs „Politik und Zeitgeschehen“. Besonders seine ARD-Kommentare gefielen den Genossen, und 1995 wurde er zum WDR-Intendanten gewählt. Später entzweite er sich mit seiner Partei und näherte sich den Positionen der CDU an, was ihn prompt die Wiederwahl kostete. Seitdem ist er wieder stramm auf Parteilinie.

SPD-Mitglied Dieter Hildebrandt (1927-2013) perfektionierte in „Scheibenwischer“ (1980-2003) das bundesdeutsche Gesinnungskabarett, bis sinkende Quoten die ARD bewogen, die Sendung an Mathias Richling zu übergeben. Da Hildebrandt später Namensrechte reklamierte, heißt die Sendung seit 2009 „Satire-Gipfel“. Richling sagte darüber: „Das Problem ist auch, dass Altgenosse Dieter Hildebrandt kein politisches Kabarett kann, sondern immer nur parteipolitisches. Sein Scheibenwischer wurde von der SPD immer angesehen als parteieigene Sendung. Deshalb geht Hildebrandt leider jede Form von Objektivität ab, auch in der Beurteilung von Kollegen.“

Lukrezia Jochimsen, die sich „Luc“ nennt, wurde 1975 Redakteurin beim ARD-Magazin „Panorama“, 1985 ARD-Korrespondentin in London, 1988 Chefin der Abteilung Feature/Auslandsdokumentation des NDR, 1991 Leiterin des ARD-Studios London und 1994 Chefredakteurin Fernsehen des Hessischen Rundfunks. 2002 kandidierte sie zur Bundestagswahl als Spitzenkandidatin der PDS in Hessen, die Partei scheiterte jedoch bundesweit an der Fünf-Prozent-Hürde. 2005 zog Jochimsen über die Landesliste Thüringen der Linkspartei/PDS in den Bundestag ein und wurde kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion. 2009 gelang ihr der erneute Einzug über die Liste. 2010 nominierte die „Linke“ sie für die Bundespräsidenten-Wahl. In einem Interview bewertete sie die DDR in typisch linker Spitzfindigkeit als einen Staat, der als Diktatur unverzeihliches Unrecht an seinen Bürgern begangen habe, jedoch „nach juristischer Definition“ kein Unrechtsstaat gewesen sei.

 

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