Wenn TV-Moderatoren TV-Moderatoren nach TV-Moderatoren fragen

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Pornosprüche beim SFB, Weihnachten als Seuche bei der ARD: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 30 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 20. Dezember 1987.

Vergangene Woche rügte der SPD-nahe TV-Moderator Bresser (ZDF) die CSU-Nähe der TV-Moderatoren Feller und von Lojewski (beide Bayerischer Rundfunk). Daraufhin zog das ZDF Bresser als TV- Moderator eines geplanten Gesprächs mit CSU-Chef Strauß zurück und ersetzte ihn durch TV-Moderator Appel.

Diesen Dienstag befasste sich der TV-Moderator Bednarz (WDR) mit diesem Sachverhalt. Er bat dazu erst den TV-Moderator Kienzle (Radio Bremen, SPD) und dann den TV-Moderator Buchwald (Hessischer Rundfunk, SPD) vor die Kamera.

Wenn TV-Moderatoren TV-Moderatoren nach TV-Moderatoren fragen, ist das fast so schön, wie wenn bei Tucholsky  Literaten Literaten Literaten nennen.

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Aus Wortmeldungen von Zuhörerinnen in der SFB-Fernsehdiskussion "Pornographie. Verdrängen, verändern, verbieten?" am Mittwoch:

"Wir sind alle Nutten und Nüttchen. Warum ist eigentlich hier keine Prostituierte in der Runde?"

"Porno brauchen wir. Unsere Männer sind dann so geil, die spr. . . dann viel schneller ab. Die hacken dann nicht mehr so lange auf uns rum.“

Nicht verdrängen, verändern, verbieten, sondern abschalten.

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Aus der Sendung "Scheibenwischer" mit ARD-Kabarettist Hildebrandt am Donnerstag: "Nikolaus macht keinen Spaß mehr: kein Bart, keine Larve - Vermummung!" "Man munkelt, dass diese Chaoten von Frankfurt undWackersdorf immer hin- und herverschoben werden von der Polizei, je nachdem, wer gerade Putz braucht."

"Hier finden 84 Weihnachtsfeiern statt und niemand weiß den Seuchenherd auszumachen."

"Wenn ich Ziegenzüchter wäre und zu mir kommt jemand, der will sich seine Ziegen vermehren und ich sage dann: ,Ich hab' keinen Bock'…"

"Wo liegen die Balearen? Im Wasser!"

"Ich spreche jetzt zum letzten Mal zu Ihnen, in diesem Jahr."

Schade.

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ZDF-Ansagerin Elfie von Kalckreuth am Donnerstag in der Ankündigung des Dokumentarberichts "Abenteuer am Orinoko": "Meine Damen und Herren, die Yanonami-Indianer am Oberlauf des Orinoko haben den Beruf, besonders kriegerisch und aggressiv zu sein!“

Da sprach der alte Häuptling der Indianer...

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ZDF-Moderator Löwenthal, der fast seine gesamte Familie in den Konzentrationslagern der Nazis verlor, leitet seit 19 Jahren das liberalkonservative "ZDF-Magazin". ARD-Moderator Höfer, der als junger Journalist kulturelle "Errungenschaften" des nationalsozialistischen Regimes“ lobte, leitet seit 35 Jahren den linksgewirkten "Internationalen Frühschoppen", auch diesen Sonntag wieder. Löwenthal, 65, wird jetzt pensioniert: kommenden Mittwoch moderiert er zum letzten Mal. Höfer, 74, macht weiter.

Duplizität der Ereignisse.

Anmerkungen

Der SPD-nahe TV-Journalist Klaus Bresser wurde 1971 Redaktionsleiter des ARD-Politmagazins „Monitor“. 1977 wechselte er zum ZDF, wo er das „heute Journal“ moderierte. 1988 wurde Bresser als Nachfolger von Reinhard Appel Chefredakteur des ZDF. Am 1. April 2000 wurde er von Nikolaus Brender abgelöst. 2002-2003 moderierte er eine Talkshow bei n-tv.

Reinhard Appel (1927-2011) moderierte 1963-1973 und 1986-1991 die ZDF-Reihe „Journalisten fragen – Politiker antworten“ und 1976-1986 die ZDF-Reihe „Bürger fragen – Politiker antworten“. 1973-1976 war er Intendant des Deutschlandfunks und danach bis 1988 Chefredakteur des ZDF.

Der TV-Journalist Klaus Bednarz (1942-2015) trat als Moderator der ARD-„Tagesthemen“ (1983) und des ARD-Magazins „Monitor“ (1983-2001) nachhaltig für die politischen Ziele der SPD ein, der er als 68er nahestand. Nach seiner Pensionierung drehte er für die ARD Reportagen aus aller Welt.

Der SPD-Journalist Ulrich Kienzle wurde 1980 Fernseh-Chefredakteur bei Radio Bremen („Radio Hanoi“), 1990 Leiter der Hauptredaktion Außenpolitik beim ZDF („auslandsjournal“) und 1993 Co-Moderator des ZDF-Politmagazins „Frontal“. Seit 2003 trat er in der ZDF-Sendung „Wiso“ in der Rubrik „Fahren mit Kienzle“ auf.

SPD-Mitglied Manfred Buchwald (1936-2012) war 1981-1983 Chefredakteur der ARD-„Tagesthemen“, 1983-1988 Chefredakteur Fernsehen des HR und 1989-1996 Intendant des Saarländischen Rundfunks.

SPD-Mitglied Dieter Hildebrandt (1927-2013) perfektionierte in „Scheibenwischer“ (1980-2003) das bundesdeutsche Gesinnungskabarett, bis sinkende Quoten die ARD bewogen, die Sendung an Mathias Richling zu übergeben. Da Hildebrandt später Namensrechte reklamierte, heißt die Sendung seit 2009 „Satire-Gipfel“. Richling sagte darüber: „Das Problem ist auch, dass Altgenosse Dieter Hildebrandt kein politisches Kabarett kann, sondern immer nur parteipolitisches. Sein Scheibenwischer wurde von der SPD immer angesehen als parteieigene Sendung. Deshalb geht Hildebrandt leider jede Form von Objektivität ab, auch in der Beurteilung von Kollegen.“

Das „ZDF-Magazin“ des legendären Moderators Gerhard Löwenthal (1922-2002) wurde 1969-1988 jede zweite Woche ausgestrahlt und zeigte, zeitweilig als einziges deutsches TV-Magazin,  immer wieder die Wahrheit über die kommunistischen Regime in Osteuropa, vor allem im Stasi-Staat. Deshalb wurden Löwenthal und seine Sendung von der deutschen Sendung unablässig und massiv angefeindet, sogar im eigenen Sender. Als Löwenthal das Pensionsalter erreichte, wurde er sofort in den Ruhestand verabschiedet, und seine Sendung wurde umgehend eingestellt. Unbehelligt von jeder Kritik blieben beschwichtigende Magazine wie „Monitor“ oder „Panorama“, die bis heute ihre Sendeplätze und das Wohlwollen der veröffentlichen Meinung behielten. Der aus Sachsen-Anhalt stammende TV-Journalist Fritz Schenk (1930-2006) war seit 1971 Löwenthals Co-Moderator.

„Frühschöppner“ Werner Höfer (1913-1997) wurde 1941 Pressereferent der „Organisation Todt“ und danach im Rüstungsministerium des später wegen Kriegsverbrechen verurteilten Albert Speer. Am 3. September 1943 wurde der junge Pianist Karlrobert Kreiten vom NS-„Volksgerichtshof“ wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt, weil er gegenüber einer Freundin seiner Mutter Zweifel an Hitlers „Endsieg“ geäußert hatte. Am 20. September kommentierte Höfer, damals 30 Jahre alt, das Urteil im „12-Uhr-Blatt“ so: „Wie unnachsichtig jedoch mit einem Künstler verfahren wird, der statt Glauben Zweifel, statt Zuversicht Verleumdung und statt Haltung Verzweiflung stiftet, ging aus einer Meldung der letzten Tage hervor, die von der strengen Bestrafung eines ehrvergessenen Künstlers berichtete. Es dürfte heute niemand Verständnis dafür haben, wenn einem Künstler, der fehlte, eher verziehen würde als dem letzten gestrauchelten Volksgenossen.“ Nach dem Krieg heuerte Höfer beim WDR an. Über seine NS-Vergangenheit schwieg er. Als der „Spiegel“ den Skandal 1987 aufdeckte, bestritt Höfer, den Text in dieser Form selbst verfasst zu haben. Er könne sich auch nicht mehr erinnern, welche Passagen von ihm stammten und welche nicht. Die damalige SPD-Bundesgeschäftsführerin Anke Fuchs nannte die Kritik an Höfer einen „empörenden Vorgang“ und unterstellte den Kritikern „fragwürdige und leicht durchschaubare Methoden“ aus politischer Gegnerschaft zu dem eifrig linkelnden Moderator. Dennoch musste Höfer seine Sendung „Der Internationale Frühschoppen“ aufgeben. Die ARD wiederum musste sich für die Sendung einen neuen Titel suchen, weil Höfer an dem alten die Rechte beanspruchte.

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