Hitlers Griff nach Afrika (6): Hitler und Afghanistan

Sonntag, 16. September 2018

Vor 75 Jahren scheitert Hitlers Feldzug nach Ägypten. Doch das strategische Ziel der deutschen Truppen, das britische Weltreich im Orient anzugreifen, bleibt trotz der Niederlage aktuell. In Afghanistan versuchen es die Nazis mit ihrer rassistischen „Arier“-Ideologie.

Auch im Mittleren Osten sind die Nazis bald sehr populär. Hier geht es jedoch nicht um Antisemitismus, sondern um den kruden Überlegenheitswahn der angeblichen „arischen Herrenmenschen“.

Als der Schah von Persien 1935 von seinem Gesandten hört, dass in Deutschland seit Hitlers Machtergreifung das Ariertum hoch im Kurs stehe, benennt er sein Reich in „Iran“ („Land der Arier“) um.

Etwas später besinnen sich auch die Afghanen auf ihre „arischen“ Wurzeln. Die Sprache ihrer wichtigsten Volksgruppe, das Paschtunische, ist mit dem Persischen eng verwandt. Jetzt erklären afghanische Historiker ihr Land sogar zum Ursprungsland der Arier. Sie sollen in grauer Vorzeit als Indogermanen oder Indoeuropäer vom Hindukusch aus nach Europa, Persien und Indien gewandert sein.

Die mythischen „Könige von Ariana“ werden fester Bestandteil im Nationalbewusstsein der Afghanen. Es ist eine überraschende Wende, denn zuvor hatten die frommen Muslime in Kabul ihre Herkunft vom biblischen König Saul abgeleitet.

Die Legende dichtet dem ersten Herrscher der Israeliten einen Sohn namens „Afghan“ an, der später von König David aufgezogen wird. Nach dem Babylonischen Exil hätten sich seine Nachfahren dann teils im Umland Mekkas, teils aber auch am Hindukusch angesiedelt.

Die Nazis fördern die plötzliche „Arisierung“ schon früh, denn die Afghanen sollen Verbündete gegen Russen und Engländer werden. Das ist vor allem nach dem Angriff auf die Sowjetunion wichtig: „Der Führer wünscht die studienmäßige Bearbeitung eines Aufmarsches in Afghanistan gegen Indien im Anschluss an die Operation Barbarossa”, zitiert der afghanische Forscher Matin Baraki aus NS-Dokumenten.

Besonders der NS-Ideologe Alfred Rosenberg fordert schon früh, Afghanistan „im Ernstfall für Aktionen gegen Britisch-Indien oder Sowjetrussland einzusetzen“.

Alfred Jodl, der Chef des Wehrmachtführungsstabes, schlägt im Februar 1941 vor, eine “Aufstandsbewegung der Bergvölker an der indischen Grenze, wahrscheinlich auch in Afghanistan” zu schüren, um “einen für England bedrohlichen Unruheherd” zu erzeugen. Damit soll „der Abzug englischer Truppen nach Europa” erschwert und über Indien eine engere deutsch-japanische militärische Zusammenarbeit erreicht werden.

Im April 1941 schicken die Nazis zwei Männer in geheimer Mission nach Kabul: den Arzt Manfred Oberdöffer und den renommierten Schmetterlingsforscher Fred Hermann Brandt, der in Wirklichkeit ein deutscher Meisteragent ist. Sie versprechen den Afghanen Unterstützung im Kampf gegen die englische Kolonialherrschaft.

Der kluge und vorsichtige König Zahir Schah will jedoch lieber neutral bleiben und lehnt die Vorschläge ab. Russen und Engländer fordern ihn auf, umgehend alle Deutschen aus dem Land zu werfen, doch auch das will der König nicht: Offiziell beruft er sich auf die traditionelle afghanische Gastfreundschaft, in Wirklichkeit aber fürchtet er einen Putsch nazi-freundlicher Offiziere in seiner Armee.

Morgen: Hitler und Indien

 

 

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