Hitlers Griff nach Afrika (7): Der Untergang der Legion „Freies Indien“

Montag, 17. September 2018

Vor 75 Jahren scheitert Hitlers Feldzug nach Ägypten. Doch das strategische Ziel der deutschen Truppen, das britische Weltreich im Orient anzugreifen, bleibt trotz der Niederlage aktuell. Verbündete sucht der „Führer“ in Indien und Japan.

Seit 1940 stellen die Engländer mit Gandhi auch die anderen Führer der Freiheitsbewegung immer wieder unter Hausarrest. Der charismatische Linkspolitiker Subhas Chandra Bose aber flieht aus Kalkutta über Kabul und Moskau nach Berlin.

Dort stellt er mit Hilfe der Nazis eine „Legion Freies Indien“ auf. Sie ist Teil der Waffen-SS und besteht aus indischen Soldaten, die Rommel in Nordafrika gefangengenommen hat.

Nazi-Außenminister Ribbentrop erwartet, dass, „wenn der Nimbus Englands im indischen und arabischen Raum erst einmal zerstört sei, das Empire fallen werde“.

Der japanische Gewaltstreich auf Pearl Harbour im Dezember 1941 stärkt diese Hoffnung. Im Januar 1942 kündigt Tokyos Botschafter in Berlin einen Angriff aus dem bereits eroberten Burma auf britische Stützpunkte in Indien an.

Doch Hitler teilt den Optimismus seiner neuen fernöstlichen Verbündeten nicht: Falls die Engländer Indien verlören, sagt er, würden sie den Krieg gegen Japan eben von Australien aus weiterführen.

Hinter diesem Gedanken stecken noch immer heimliche Wünsche nach einem Bündnis mit England. Der japanische Kriegseintritt, erklärt Hitler ein paar Tage später in einem seiner berühmten Tischgespräche, „bedeutet den Verlust eines ganzen Kontinents, und das muss man bedauern, denn es ist die weiße Rasse, die dabei verliert.“

„Noch immer hielt Hitler einen Separatfrieden mit England für möglich“, erklärt der Historiker Johannes H. Voigt dazu. „Er glaubte, England würde, um Indien zu behalten, geneigt sein, den Frieden zu suchen.“

Hindu-Führer Bose reist nach einer eher enttäuschenden Audienz bei Hitler mit einem deutschen U-Boot nach Madagaskar und auf einem japanischen U-Boot weiter nach Sumatra. Dort stellt er eine „Indische Nationalarmee“ auf. Mit ihren 35.000 Soldaten will er seine Heimat von den Engländern befreien. Er setzt darauf, dass seine Landsleute nach seinen ersten Erfolgen zu Hunderttausenden für die Freiheit kämpfen.

Doch Anfang 1944 bricht die japanische Invasion ins burmesisch-indische Grenzgebiet rasch völlig zusammen, und auch Boses Armee erleidet schwerste Verluste. Deshalb will der Hindu-Führer nun von Singapur nach Japan fliegen. Doch über Taiwan stürzt er unter bis heute ungeklärten Umständen ab.

Hitler reagiert auf die Katastrophe an der burmesischen Grenze mit Sarkasmus: „Es gibt Inder, die können keine Laus umbringen, die lassen sich lieber auffressen“, spottet er in einer Lagebesprechung. „Die ausgerechnet den Engländern gegenüberzustellen, halte ich für Mumpitz. Die sind dort wie Schafsleder ausgerissen.“

Nach den Niederlagen von El Alamein und Stalingrad sowie den Rückzügen aus Nordafrika und dem Kaukasus muss sich die Strategie der Nazis im Nahen und Mittleren Osten auf Nadelstiche beschränken.

Das Weltreich der Engländer aber geht nach 1945 trotzdem unter. Und wie in Arabien gilt Hitler auch in Indien bis heute als Held. Kneipen heißen etwa „Hitler’s Kreuz“, Billardhallen „Hitler’s Bude“. Eisverkäufer schmücken ihre Stände mit Hitlerbildern. Schulbücher enthalten Kapitel wie "Hitler, der Übermächtige" oder "Internationale Errungenschaften der Nazis".

Und bei Amazon India steht „Mein Kampf“ bis heute auf der Bestsellerliste. Als „Ratgeber für modernes Management sei es auch Politikern zu empfehlen, denn die seien alle schwach und korrupt“, loben zufriedene Leser. Hitler dagegen habe immer „knallhart durchgegriffen“.

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