Grüne-Politikerin: „Ob Nazis oder Kohle – Braun ist Scheiße!“

Montag, 8. Oktober 2018

Anne Will: „Wald oder Kohle? Streit um den Hambacher Forst!“ ARD, Sonntag, 7.Oktober 2018, 21.45 Uhr.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat in der ARD-Talkshow „Anne Will“ am Sonntag in heller Empörung einen Twitter-Beitrag der grünen Oppositionspolitikerin Monika Düker im Düsseldorfer Landtag zitiert.

Wörtlich sagte Laschet: „Die Grüne-Fraktionsvorsitzende im Landtag hat heute getwittert: ‚Nazis und Kohle – Braun ist Scheiße.‘ So kann man mit Menschen nicht umgehen!“

Damit stellte sich der Regierungschef vor die vielen tausend übel beleidigten Kohlekumpel seines Bundeslandes und ebenso vor die Mitarbeiter der zum Teil hochmodernen Kraftwerke, in denen Kohle genutzt wird.

Düker sitzt seit 2000 im Landtag und ist seit Mai 2017 eine er beiden Fraktionsvorsitzenden. Von 2010 bis 2014 war sie auch eine der beiden Landesvorsitzenden der Grünen, die damals in der Regierung waren.

Damals hatte Rot-Grün mit der Energiewirtschaft einen Kompromiss ausgehandelt: Der Abbau der Braunkohle sollte in Teilen verringert werden, der Hambacher Forst aber abgeholzt werden.

Auch die heutige Bundesumweltministerin Svenja Schulz (SPD) war seinerzeit dabei. „Noch kurz vor dem Regierungswechsel (2016 in NRW) haben Rot und Grün gesagt, dass dieser Wald wichtig für die Energieversorgung Deutschlands ist!“ ärgerte sich Laschet nun. Jetzt solle das auf einmal nicht mehr gelten.

Deutschlands heikelster Hain heißt jetzt „Hambi“, denn das klingt wie „Bambi“ und weckt ähnlich naive Emotionen.

„Sie waren bis eben noch Landesministerin“, warnte Will die SPD-Politikerin nach deren eiligen Positionswechsel. „Sie müssen ganz doll aufpassen, was Sie heute sagen!“

Keine Sorge: Die Bundesumweltministerin weiß, wie Attacke geht, und ballerte einfach mal einen Vorwurf raus. „Ich hätte von einer Landesregierung erwartet, dass sie in der Tradition von Johannes Rau gesagt hätte: Versöhnen statt spalten“, schwurbelte sie. 

Laschet ließ sich das nicht gefallen: „Andrea Nahles und Olaf Scholz waren bei uns und haben gesagt: Wir stehen an eurer Seite, und an der Seite der Bergleute!“ rief er erbost. „Ihre Partei!“

 

Doch Schulz antwortet nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“: „Sie haben die Proteste massiv mit ausgelöst!“ warf sie dem Ministerpräsidenten vor, der sich – anders als sie - an die damaligen Abmachungen halten wollte.

Schlimmste Heuchelei

Noch deutlicher wurde die Bigotterie bei der Umweltaktivistin Antje Grothus, die nur zwei Kilometer vom Waldrand entfernt wohnt und unter dem Deckmantel von Natur- und Klimaschutz vor allem für persönliche Interessen kämpft.

Sie hätten die Aufgabe gehabt, Schaden von der Natur abzuwenden!“ warf sie dem Ministerpräsidenten vor. „Übrigens auch von den Polizisten, die dort im Einsatz waren!“ Hm – sind es nicht Aktivisten von Frau Grothus, die dort Steine werfen und mit Zwillen schießen?

FDP-Chef Christian Lindner nahm die SPD-Politikerin aufs Korn: „Frau Schulze hat als Ministerin im Kabinett mitbeschlossen, dass der Hambacher Forst gerodet wird“, sagte er. „Das war im Juli 2016!“ Und jetzt? Salto rückwärts?

Schärfster Vorwurf 

„In Deutschland sind große Projekte gar nicht mehr verlässlich planbar!“ klagte der Liberale und brachte noch ein anderes aktuelles Beispiel: „Den Leuten wird gesagt, sie sollen Diesel kaufen, und dann dürfen sie damit nicht mehr in die Stadt fahren!“

Dialog des Abends

Fehlte nur noch der Grüne-Fraktionsvorsitzende im Bundestag Anton Hofreiter. Will holt den gelenkigen Vorturner der linkspopulistischen Empörungsgymnastik mit Verspätung in die Diskussion. Sein listiger Vorschlag: Die „Kohle-Parteien“ CDU und FDP sollten das Urteil akzeptierten, dann würden die Klimaschutzziele doch noch erreicht.

Laschet wurde darüber so sauer, dass er den Grünen nur noch als „Herr Hofmeister“ anredet. Bis 2022 Ausstieg aus der Kernenergie, ab Dezember keine Steinkohleförderung mehr, zählt der Ministerpräsident die deutschen Vorleistungen auf.

Sein Urteil: „Russisches Gas und amerikanisches Fracking wollen wir auch nicht. Aber wir werden das Industrieland nicht erhalten nur mit Wind und Sonne!“

Lautester Alarmruf

„Wenn durch das Urteil jetzt einer der größten Tagebaue zum Stillstand kommt, werden 4600 Leute ihre Arbeit verlieren“, warnte Michael Vassiliadis, Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie. „Das sind Leute, die machen einen ordentlichen Job für Deutschland!“

 

Aktivistin Grothus, die in eigener Sache eben noch auf Zinne war, sieht das Problem der anderen eher ganz gelassen: Viele von den Kumpels würden ja sowieso irgendwann in den Ruhestand gehen, beruhigt sie. Deutsches Sprichwort: „Auf einem fremden Ursch ist gut durchs Feuer reiten.

Lindner hatte dazu noch eine irre Info: „Für jede Tonne Kohle, die wir in Deutschland einsparen, wird in Polen eine zusätzliche gefördert!“ EU-Klimabeschlüsse, die die Welt nicht braucht.

Stimme der Vernunft

„Wir haben Ausbauziele und bauen aus, ohne die Netze zu haben“, sagt Gewerkschafter Vassiliadis über die erneuerbaren Energien. „Das ist so, als würden wir Autos produzieren ohne Straßen!“

„Meine Mitglieder sind Techniker, das sind Ingenieur“, fügte er hinzu. „Die gucken da drauf und sagen: Das kann doch nicht wahr sein! Wir können nicht immer nur sagen, hier aussteigen, da aussteigen! Die Energiewende ist kein Wahlkampfthema!“ Dafür gab’s Beifall.

Coolster Ordnungsruf

Ein ARD-Einspieler zeigte Bürgerinitiativen im Widerstand gegen Windparks, Stromtrassen und neue Pumpspeicherwerke. ARD-Ton: „Die Deutschen wollen zwar die Energiewende, aber ohne Einschränkungen für sich und schon gar nicht vor der eigenen Haustür.

Hofreiter pöbelte sofort wieder los: Schuld daran seien Politiker wie „Herr Gabriel, Herr Altmaier und verschiedene andere Gestalten“, poltert er. „Der oberste Widerstandsführer in Bayern war immer der CSU-Vorsitzende Seehofer…“

Die Talkmasterin kniff ein Auge zu: „Wir wissen auch, Herr Hofreiter, dass nächste Woche Landtagswahl in Bayern ist!“

Schönste Entlarvung

„Für die Stromtrassen fallen doch auch unendlich viele Bäume!“ fragte Will die Waldschützerin. Die verblüffend ehrliche Antwort: „Wer möchte denn gern so ein Riesenloch vor der Haustür haben?“ Der Tagebau rückt ihre Immobilie immer näher.

Als Grothus 1994 in ihr Dorf zog, war alles prima. Jetzt forderte sie einen „Interessenausgleich“. Vor allem einen Ausgleich ihrer persönlichen Interessen. Was wohl die Kohle-Kumpel in der Nachbarschaft dazu sagen? „Die können wir nicht so in der Luft hängen lassen“, schob die Aktivistin noch schnell nach.

„Wenn wir es nicht schaffen, die Interessen einer Industrienation zu versöhnen mit ökologischem Bewusstsein, werden wir Moralweltmeister sein, aber niemand wird uns folgen“, sagte Lindner und hielt die wirtschaftliche Vernunft in dieser Sendung doch noch mit dem Kopf über Wasser.

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