„Franz Josef Strauß hätte heute keine Chance mehr“

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Maischberger: „Bayern wählt, Berlin zittert: Droht ein politisches Beben?" ARD, Mittwoch, 10.Oktober 2018, 22.45 Uhr.

Der Unternehmer und CSU-Wähler Hans Rudolf Wöhrl hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch Markus Söder als „sehr guten Ministerpräsidenten“ gelobt. Der Politiker-Typ, den der legendäre CSU-Heros Franz Josef Strauß verkörperte, sei heute dagegen überholt.

Strauß wäre heute politisch sofort tot“, stellte Wöhrl fest, dessen Ehefrau Dagmar 2005-2009 Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium war. „Heute sind Politiker gefragt, die viel angepasster sind, die dem Bürger und den Medien viel mehr nach dem Munde reden.“

Zum Start der Sendung hatte Talkmasterin Sandra Maischberger in einen Einspieler den ersten CSU-Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß beim Beschimpfen des politischen Gegners gezeigt: „Sie beweisen hier, dass Sie nur einen Kehlkopf haben, aber keinen Kopf!“

Auch zum Thema „Schwarz-Grün“ zitierte Maischberger Strauß: 1986 hatte der CSU-Vorsitzende in einer Wahlkampfrede gesagt: „Ich halte die Grünen nicht für eine demokratische Partei!

Exakteste Prognose

Heimlich regieren die Grünen in Berlin ja schon mit“, meinte der Journalist Robin Alexander („WELT“) dazu. „Die Große Koalition hat ein Stützrad, und das sind die Grünen!

Die CSU werde vor allem in Niederbayern und in Franken verlieren, sagt Alexander voraus, aber nur wenig in Oberbayern, dem Heimatbezirk von Söder-Vize Ilse Aigner, die manche deshalb schon als Nachfolgerin sehen.

Auch der ARD-Wahlmoderator Jörg Schönenborn hielt eine schwarz-grüne Koalition in München für möglich: Bayern grenze an Hessen und an Baden-Württemberg, wo solche Koalitionen inzwischen recht störungsarm regierten. Das könne ein Beispiel sein.

Deutlichste Warnung

Maischberger wollte wissen, ob eine CSU-Schlappe auch für die Kanzlerin ein Problem wäre? Schönenborns sibyllinische Antwort: „Es wäre klug, auf Wahlergebnisse besonnen zu reagieren.“ Es könne aber auch sein, dass alles ganz anders kommt, und dann geht es auch in der Hauptstadt rund.

Tapferste Durchhalte-Parole

„Das Ergebnis am Sonntag wird die Wahlforscher vor den Kopf stoßen“, hoffte Wöhrl und tippte auf 38,3 Prozent für die CSU: „Totgesagte leben länger!“

Denn, so der Unternehmer: „Wenn ich niemanden kenne, von dem ich weiß, dass er es besser machen würde, dann wähle ich den, den ich kenne.“

Der Schauspieler und „bekennende SPD-Wähler“ Joseph Hannesschläger ("Die Rosenheim-Cops") nannte ein anderes Ziel: „Meine Priorität ist, die AfD kleinzuhalten!“

Analyse des Abends

Zum Einfluss der Flüchtlingskrise auf die Bayern-Wahl sagte Schönenborn: „Die CSU-Anhänger sind den Streit Leid. Die anderen Parteien dagegen können mit dem Streit ihre Anhänger extrem gut motivieren.“

Denn, so der populäre Prognosen-Bote der deutschen Wahlabende: „Vor drei Jahren hatte Seehofer das richtige Gefühl mit der Obergrenze. Aber heute wachen die Leute nicht mehr morgens auf und denken als erstes: Was ist mit den Ankerzentren?“

Interessanteste Perspektive

Und, so Schönenborn: „Die Wähler haben kein Problem  mit der Gegenwart, sondern sie sorgen sich eher um die Zukunft!“ Solange die CSU da nichts Zündendes anzubieten habe, werde es schwer.

Dialog des Abends

Zur Zukunft Seehofers sagt Alexander, er glaube nicht, dass der Innenminister nach verlorener Wahl abtreten werde: „Wir haben ihn gefragt, ob er dann weg vom Fenster ist, und er hat gesagt, er habe noch eine große Aufgabe zu erfüllen.

„Sie glauben, dass Horst Seehofer einen Plan hat?“ fragt die Talkmasterin. Antwort des Journalisten: „Ich glaube, er hat mehr als einen!“

 

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