Dohnanyi fürchtet Bürgerkrieg wegen Trump

Donnerstag, 8. November 2018

Maischberger: „Kongresswahlen: Was macht Trump, wie reagiert die Welt?“ ARD, Mittwoch, 7.November 2918, 22.45 Uhr.

Der SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch eindringlich vor der Gefahr bürgerkriegsähnlicher Auseinandersetzungen nach den US-Midterm-Wahlen gewarnt.

Wörtlich sagte der frühere Hamburger Bürgermeister: „Amerika ist ein hochbewaffnetes Land!“ Wenn es jetzt wirklich ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump gebe, wären wohl sehr viele seiner Anhänger gewaltbereit.

In Trumps Sieg vor zwei Jahren sieht Dohnanyi den Beginn einer Revolution: Der Präsident wolle das System in Washington zerstören und habe mit dem riesigen Außenhandelsdefizit der USA auch ein echtes Thema.

Was mich beunruhigt, ist, dass die Amerikaner den Europäern in den meisten Fragen zehn Jahre voraus sind“, sagte der Politiker. „Das alles wird auch bei uns passieren!“

Über Trumps Gegenmaßnahmen sagt Dohnanyi: „Mit seinem tiefen Instinkt für Popularität hat er etwas aufgegriffen, das wirklich wichtig ist, und das wir auch tun müssen.

Sein Rezept: „Wir reden in Europa immer über Wertegemeinschaft“, sagte Dohnanyi. „Davon halte ich überhaupt nichts. Wir sollten über Interessen reden!“

Außerdem forderte der Politiker deutsche Kontrolleure für Facebook & Co. „In fünf deutschen Unternehmen sitzen amerikanische Kontrolleure“, beschwerte er sich. „Dass wir die nicht bei Facebook reinbringen, oder dass wir die nicht reinbringen bei Amazon, das ist doch lächerlich! Warum kann Europa nicht mal etwas Courage zeigen, oder sagen: Wir besteuern euch so, wie ihr unsere Unternehmen besteuern?“

Zuvor hatte Ex-„Spiegel“-Chef Klaus Brinkbäumer den US-Präsidenten händereibend attackiert: „Denkzettel für Trump!“ jubelte er und kündigte an, jetzt werde es Untersuchungsausschüsse geben, und der Präsident müsse endlich seine Steuererklärung abgeben.

Der Dealmaker Trump habe bisher mehr erreicht als der in Deutschland so heiß verehrte Barack Obama, konterte „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt. Er war auf der ersten Reise der Kanzlerin zum neuen Präsidenten dabei und erzählt, aus Merkels Mannschaft habe man ihm gesteckt, dass Trump sehr viele Fragen gestellt und sehr aufmerksam zugehört habe.

„Ganz anders als Obama“, schloss Reichelt. Der sei „sehr professoral, sehr unnahbar“ gewesen und immer schon nach zwanzig Minuten wieder abgehauen.

Talkmasterin Sandra Maischberger führte die jüngsten „Enthüllungsbücher“ über das Weiße Haus vor: Trump habe „kein Ahnung“, sein Stab sei „entsetzt“, der Präsident ein „halber Analphabet“.

Brinkbäumer haute voll in die Kerbe: In Trumps Mannschaft herrsche ein „Klima der Angst“, behauptete er, „so ein Chaos hat es noch nie gegeben!“

Doch Reichelt macht auch hier wieder den Spielverderber: „Anonyme Quellen!“ kontert er. Einen Menschen nach sowas zu beurteilen sei für ihn „unjournalistisch“. 

Und während die Runde das Ergebnis von gestern analysierte, guckte der „Bild“-Chef schon nach morgen: „Jetzt ist eher wahrscheinlich, dass Trump in zwei Jahren wiedergewählt wird“, stellte er fest. „Ein demokratischer Kandidat, der ihn besiegen kann, ist nicht zu sehen.“

 

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt