Wowereit gegen Merz: Rache ist süß

Dienstag, 4. Dezember 2018
CDU-Orakel in „Hart aber Fair“ mit (v.l.) Christian von Stetten, Christian Lindner, Kristina Dunz, Klaus Wowereit, Michael Spreng und Frank Plasberg. © WDR/Oliver Ziebe

„Hart aber Fair: Erst die CDU, dann vielleicht Deutschland: Wer gewinnt das Rennen um Merkels Erbe?“ ARD, Montag, 3.Dezember 2018, 21 Uhr.

Der frühere Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat eine Einladung in die ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ am Montag dazu genutzt, eine alte Rechnung mit dem CDU-Parteivorsitzkandidaten Friedrich Merz öffentlich zu begleichen.

Gleich zu Beginn der Sendung glaubte sich Wowereit in einer ersten Einschätzung der drei Kandidaten um die Merkel-Nachfolge erinnern zu können, dass Merz früher „nicht der beliebteste Politiker“ gewesen sei.

Gegen Ende nannte der SPD-Politiker dann persönliche Gründe für diese Bewertung.

Genussvollster Racheakt

Die Rechnung stammt noch aus der Zeit, als Wowereit sich bei seinem Amtsantritt als Berliner Bürgermeister mit einem inzwischen legendären Zitat outete: „Ich bin schwul, und das ist auch gut so“. Jetzt lohnte es sich für ihn, vor Millionen Zuschauern noch einmal darauf zurückzukommen.

„Als ich 2001 gewählt wurde“, erzählt der Ex-Bürgermeister nun mit Wonne, „hat Merz als erstes gesagt: Solange der Wowereit sich mir nicht nähert, ist mir das egal. Das war die Einstellung von Merz! Kann man nachlesen, in der ‚Bunten‘.“

Und: „Dann hat er noch eins draufgelegt und gesagt: Der Wowereit macht mit seiner Homosexualität Wahlkampf. Das war Friedrich Merz im Jahr 2001. Hoffentlich hat er sich da geändert…“

Talkmaster Frank Plasberg und der Rest der Runde reagierten auf das Nachkarten mit 17 Jahren Verzögerung ebenso wie das Publikum mit betretenem Schweigen.

Auch die Journalistin Kristina Dunz („Rheinische Post“), die über Annegret Kramp-Karrenbauer ein Buch schrieb, suchte Merz mit einer alten Geschichte zu schaden. Ausführlich erzählte sie, wie Merz 2004 seinen Laptop verlor. Ein Obdachloser brachte ihm das teure Gerät und erhielt als Finderlohn was? Ein Buch von Merz!

Dialog des Abends

Talkmaster Frank Plasberg steuerte einen ARD-Einspieler bei, der zeigte, wie Merz in einem BILD-Polit-Talk auf eine Frage nach seinem Einkommen stotterte und herumdruckste. Danach wollte Plasberg den CDU-Mittelständler und Merz-Unterstützer Christian von Stetten aufs Glatteis führen: „Welche Note würden Sie für diesen Auftritt geben?“ fragte er ihn.

Von Stetten hatte allerdings eine clevere Antwort: „Das verteile ich erst dann, wenn Sie mir ganz spontan sagen, wieviel Sie verdienen!

Daraufhin eierte Plasberg selber eine Weile herum, schwurbelte über Spitzenverdiener und Steuersätze. Erst nach einer Weile ermannte er sich und nannte die „tolle Summe von 215.300 Euro“.

Danach musste von Stetten nun doch mit einer Schulnote für Merz heraus. „Es war keine Glanzleistung!“ sagte er, und das Publikum lachte sich scheckig.

Ernster reagierte es bei einem Rausschmiss, über den Plasberg dann auch die TV-Zuschauer informierte: „Ein Zuschauer ist plötzlich aufgesprungen und hat etwas zum UN-Migrationspakt gerufen“, meldete der Talkmaster sichtlich mitgenommen. „Wir haben ihn hinausbegleitet.

Talk-Störer unerwünscht! Im TV war davon nur zu sehen, dass einige Zuschauer bei der Vorstellung der Gäste irritiert in Richtung des Störers guckten. Die eigentliche Szene wurde nach der Aufzeichnung herausgeschnitten.

Erste Analysen

Zum Thema „Merkel-Nachfolge“ sagte der frühere Chefredakteur Michael Spreng („Bild am Sonntag“), er erwarte, „dass die Delegierten unterscheiden zwischen Sympathieträger und Hoffnungsträger“. Damit meinte er Kramp-Karrenbauer und Merz, „von dem viele in der CDU glauben, dass nur er Stimmen von der AfD zurückholen kann.“ Dagegen bezweifele er, ob „Kramp-Karrenbauer die Wählerbasis der CDU wieder verbreitern kann“.

FDP-Chef Christian Lindner fand, dass Kramp-Karrenbauer „als Politikerin der Mitte eher anschlussfähig“ für ein neues Jamaika wäre.

Von Stetten meinte, von Merz könne „auch die SPD profitieren“, wegen klarer Kante für einen entsprechend publikumswirksamen Meinungskampf.

Die interessantesten Prognosen

Wowereit sagte voraus: „Wenn Merz gewählt wird, ist am nächsten Tag die Diskussion: Wie lange kann Angela Merkel Kanzlerin bleiben?

Lindner prophezeite: „Bei jedem der Drei verliert die AfD in wenigen Wochen fünf Prozent!“

Eleganteste Verbalgrätsche

Wowereit nutzte auch die Chance auf ein Merzsches Millionärs-Bashing, doch Lindner fuhr ihm sofort in die Parade: „Hier ist jemand, der verdient Millionen in der Wirtschaft und will dann CDU-Vorsitzender werden“, sagte der FDP-Chef. „In Ihrer Partei ist es so: Die sind erst SPD-Vorsitzende und gehen dann in die Wirtschaft und verdienen Millionen in Russland!“

„Man muss nicht selbst arm sei, um gegen Armut zu sein und die Sorgen und Nöte der Menschen zu verstehen!“ fügte Lindner hinzu.

Überraschendster Vergleich

Von Stetten ärgerte sich darüber, dass immer gesagt werde, Kramp-Karrenbauer wisse, wie man Wahlen gewinne, Merz aber nicht.

„Sein Wahlkreis (Hochsauerland) ist nur um 25 Prozent kleiner als das Saarland“, sagte der Mittelstandsmann, „und da hat Merz immer über 50 Prozent geholt!“ Schöne Grüße vom Milchmädchen…

Schönste Ehrenerklärung

Über Außenseiter Jens Spahn sagte Spreng: „Dass er nicht aufgibt, ist ehrenhaft. Er flieht nicht. Er geht lieber unter, als dass er die Flucht ergreift.

Lindner fand gut, dass Spahn das Thema Migration in den CDU-Wahltag drückte. Denn, so der FDP-Chef: „Es war ein schweres Versäumnis der Bundesregierung, insbesondere des SPD-Außenministers Maas, dass wir den UN-Pakt erst jetzt, kurz vor Schluss, öffentlich debattieren!“

Denn: „Es ist uns einmal schon, durch linke Desinformation, das transatlantische Handelsabkommen TTIP kaputt gemacht worden. Alle haben Angst gehabt vor dem Chlorhühnchen. Angesichts von Trump wären wir froh, wir hätten es!“

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