Böser CDU-Zoff: Blüm beschimpft Schäuble als „Strippenzieher“

Donnerstag, 6. Dezember 2018
Dreikampfrichter (v.l.): Werner Patzelt, Kristina Schröder, Sandra Maischberger, Norbert Blüm, Gabor Steingart, Melanie Amann © WDR/Max Kohr

„Maischberger: „Der Dreikampf des Jahres: Wer übernimmt Merkels Thron?“ ARD, Mittwoch, 5.Dezember 2018, 22.45 Uhr.

Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch den Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble mehrfach als „Strippenzieher“ beschimpft.

Grund für die ungewöhnlich aggressive Attacke des CDU-Oldies war Schäubles Schützenhilfe für Friedrich Merz als neuen CDU-Vorsitzenden.

Wörtlich sagte Blüm in sichtlicher Erregung: „Ich habe ihn hinter den Kulissen raunen hören. Bisher kenne ich ihn nur als Strippenzieher!“

Als Intro ein Donnerwetter

Dann wurde Blüm Schäuble noch deutlicher: „Ich kritisiere, dass er sehr lange seine Meinung nicht gesagt, aber hinter den Kulissen seine Strippen gezogen hat. Und das mag ich nicht!“

Schärfste Attacke

Ein ARD-Einspieler sprach Merz „viele Jobs und Lobbytätigkeiten“ zu. Über seinen Arbeit im Aufsichtsrat der Fondsgesellschaft „Blackrock“ hieß es im O-Ton: „Verwerflich oder von Vorteil?“

„Das ist eine gute Frage“ meinte Maischberger, ganz als ob  „verwerflich“ eine zulässige Kategorie bei der Beschreibung eines Arbeitsplatzes in der Finanzwirtschaft sei.

Das war Wasser auf Blüms Mühle: „‘Blackrock‘ ist ein großer Haifisch!“ schimpft er sofort los.

Schönste Rückwärtsrolle

Die anderen wollten ihn besänftigen: „Im Ausland würde man sagen: Das ist ein Hinweis darauf, dass er etwas kann“, sagte Schröder über die Merz-Karriere.

Auch Steingart, ganz früher mal beim „Spiegel“, grätschte Blüm gleich mal ab: „Seien Sie doch froh, dass er nicht wie Altbundeskanzler Schröder von dubiosen russischen Geldgebern… ’Blackrock‘ ist eben kein Hedgefonds, keine Heuschrecke und deswegen auch kein Hai!“

Diagnose des Abends

Neben ihm sa0 Kollegin Amann, heute beim „Spiegel“, mit einer ganz anderen Perspektive: Sie fürchte, falls Merz Bundeskanzler werde, „Interessenkonflikte“.

Man sieht hier Paradoxien und Schizophrenien, von Pathologien gar nicht lange zu reden!“ wetterte daraufhin der Politologe Werner Patzelt. „Seit Jahr und Tag beklagen wir, dass im Bundestag zu wenig Wirtschaftskompetenz ist!“

Und: „Kaum kommt jemand, der wirklich nachgewiesen hat, dass er in der Wirtschaft sich zu bewegen versteht, hat er eine Debatte, ob das nicht hochgradig problematisch für unser politisches System sein könnte!“

Blüm wollte Merz den Vorschlag, auch mit Aktien für das Alter vorzusorgen, trotzdem um die Ohren hauen: Der Ex-Minister sorgte sich um die Altersarmut, kritisierte „Hungerlöhne“ und nannte die Merz-Idee „fast eine Unverfrorenheit!“

Eleganteste Rückwärtsrolle

Aber, so der Ex-Minister danach mit feinsinniger Bosheit: „Jeder hat eine Perspektive, die er aus dem Leben mitbringt…“

Ex-Ministerin Schröder wunderte sich: „Aber das ist doch eine alte CDU-Forderung, dass auch in der Mittelschicht Vermögen gebildet wird…?“

Prompt legte Blüm eine zackige Kehrtwende hin: „Kauft Aktien, so viel ihr wollt!“ ruft er. „Das ist übrigens christlich-sozial. Beteiligung der Arbeitnehmer am Unternehmen ist eine alte christlich-soziale Forderung!“ Echt jetzt?

Fake-Trick des Abends

Die Talkmasterin zitierte aus dem „Spiegel“, Merz sei „der Kandidat mit dem Goldrand“, und fragte die Autorin: „Ist es denn ein Problem in Deutschland, zu sagen, der war offensichtlich erfolgreich, das erkennen wir jetzt mal an?“

„Das Interessante ist ja, dass Friedrich Merz dieses Thema für sich selbst überhaupt erst zum Problem gemacht hat“, antwortete Amann.

Denn: „Er selber wurde mit der Frage konfrontiert: Sind Sie Millionär? Da hätte er doch sagen können: Ja, ich habe ein sehr auskömmliches Einkommen…“

Doch Maischberger hatte aufgepasst und funkte dazwischen: „Mit Verlaub: Die Geschichte mit dem Goldrand, das haben Sie schon vorher geschrieben!“

Unwillkommenste Feststellung

„Merz weiß, dass sich die gesammelte Linke sofort auf soziale Ungerechtigkeitsvermutungen stürzen würde“, warnte Patzelt.

Steingart stellte klar: „Die meisten Politiker kennen sich nur im Geldausgeben aus. 80 Prozent der Politiker im Bundestag sind Sozialpolitiker. Merz ist eine der wenigen, die sich um die Einkommensseite kümmern!“

Die nächste Eskalationsstufe

Blüm schmeckte Steingarts Info nicht, und er wechselte rasch das Thema: „Wissen Sie, was der Markenkern der CDU ist? Barmherzigkeit! Wie Angel Merkel in der Flüchtlingspolitik!“

Doch das ließ ihm Ex-Ministerin Schröder nicht durchgehen: „Das waren nur die ersten zwei Tage. Danach hatten wir Kontrollverlust. Auch Rechtsstaatlichkeit ist ein Markenkern der CDU!

Und: „Das entscheidende Thema der Migration ist: Wie kriegen wir die Integration hin?“

Bester Vergleich

Blüm mokierte sich über Schäubles Rat, die CDU solle sich „von den Rändern her in die Mitte integrieren“. „Für mich ein rätselhafter Satz“, spottet der Polit-Oldie. „Außer den Politologen versteht den Satz niemand!“

Patzelt konnte da nur milde lächeln: „Stellen Sie sich einen Magneten und Eisenfeilspäne vor“, sagt er. „Die gehen in die Mitte des Magneten. Das ist gar kein ungeschicktes Bild!“

Abenteuerlichste Spekulation

Ich glaube, dass Herr Schäuble den Traum von der Kanzlerschaft noch nicht ganz aufgegeben hat“, sinnierte „Spiegel“-Amann. „Vielleicht hat er die Vorstellung, er könne bei einer vorzeitigen Demission von Frau Merkel so eine Art Interimskanzler werden.“

Doch Kollege Steingart neben ihr auf der Couch winkte ab: „Das ist mir zu viel Sandkasten!“ Dafür erntet er böse Blicke von links.

Spannendste Perspektive

Politologe Patzelt sah eine andere Gefahr für die Kanzlerin: „Der Koalitionsvertrag sieht vor, dass nach zwei Jahren ein Kassensturz gemacht wird“, sagte er. „Ob die SPD dann die Reißleine zieht, ist eine offene Frage!“

Wenn es dann Neuwahlen gebe, so Patzelt, könne die Kanzlerin ihr Versprechen erfüllen, bis zum Ende der Legislaturperiode zu regieren: „Die Legislaturperiode wäre denn eben 1919 zu Ende…“ 

Interessantester Ratschlag

Der Politologe nahm auch schon die Landtagswahlen 2019 im Osten in den Blick: „Wem nutzt es denn, wenn wir Allparteienkoalitionen gegen eine AfD, die dann vielleicht bei 25, schlimmstenfalls 30 Prozent liegt, aufbauen?“ fragte er. „Am Schluss wird nur die AfD weiter gemästet!“

Sein Rat: „Sollte die AfD Ernst machen mit der Notwendigkeit, ihre extremen und radikalen Ränder zu säubern, dann sind wir in der gleiche Lage wie damals, als die Grünen, als die PDS zu integrieren waren.“

Aber: „Jetzt über Koalitionen mit der AfD zu spekulieren ist völlig vorzeitig.“

 

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