Oppermanns scharfe Attacke gegen Friedrich Merz

Freitag, 7. Dezember 2018
Letzter Talk vor der Wahl: (v.l.) Thomas Oppermann, Franz Josef Jung, Maybrit Illner, Diana Kinnert, Albrecht von Lucke, Jana Hense l© ZDF und Svea Pietschmann

„Maybrit Illner: Tag der Entscheidung - wer kommt nach Merkel?“ ZDF, Donnerstag, 6.Dezember 2018, 22.25 Uhr.

Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag den CDU-Kandidaten Friedrich Merz ungewöhnlich hart kritisiert.

Der Vorschlag des früheren Fraktionsvorsitzenden der Union, die Bundesbürger sollten zur besseren Altersversorgung auch in Aktien investieren, sei eine „peinliche Schnapsidee“, schimpfte der SPD-Politiker. Merz sei „auf einem Stern unterwegs, der nichts mit unserer sozialen Realität zu tun hat!“

Falls Merz gewählt werde, drohten neue politische Probleme: „Er wird nicht darauf verzichten, Themen der Tagespolitik aufzugreifen und zuzuspitzen“, sagte Oppermann voraus. „Solange Angelika Merkel dazu Ja sagt, gibt es keine Konflikte. Wenn nicht…“

Schwerster Vorwurf

Zum unvermeidlichen Thema Migration sagte Oppermann: „Es war ein schwerer Fehler, dass Angela Merkel 2015 noch nach fünf Monaten den Eindruck erweckt hat, es könne unbegrenzt so weitergehen!“ Von der SPD, die damals die Kanzlerin mit aller Kraft unterstützte, war bei ihm nicht die Rede.

Im Merzen die Karrenbauer die Rösslein anspahnt! Wenn jetzt nicht eine starke Hand den Pflug packt, ziehen die CDU-Gäule womöglich krumme Furchen.

Auf Oppermanns Frage, warum die CDU den Parteivorsitz nicht per Mitgliederbefragung regeln wollte, antwortete  Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung: „Um Himmels willen! Dann hätten wir die gleichen Probleme wie die SPD!“

Strengster Verweis

Der SPD-nahe Politologe Albrecht von Lucke, wie immer auf Krawall gebürstet, führte sich gleich mit einem Tadel gegen einen wichtigen Unterstützer des CDU-Kandidaten ein: Wolfgang Schäuble habe bei seiner Empfehlung für Friedrich Merz „mit dem großen Gestus des Bundestagspräsidenten gesprochen“, sagte der Wissenschaftler vorwurfsvoll.

„Darüber kann man streiten“, fand von Lucke, denn eigentlich sei eine solche Parteinahme in diesem Amt nicht zulässig: „Schäuble hätte ja sagen können: Ich spreche jetzt als Parteimann. Er hat aber gesagt: Ich spreche für den Erhalt des Systems. Er ist sogar so weit gegangen, zu sagen: Es ist für das Land besser!“

Oppermann, der genau gegenüber saß, nickt ein paar Mal bekräftigend, bis ihm offenbar klar wurde: Wenn solche strengen Regeln für den Chef gelten, dann womöglich auch für ihn selbst, als Vizepräsident.

Witzigste Analyse

Und was bedeutet die CDU-Wahl für die SPD? „Im Koalitionsvertrag ist fast alles geregelt“, antwortete Oppermann mit Buddha-Miene, „aber wer CDU-Vorsitzender wird, steht da nicht drin!“

Die Runde zeigte sich amüsiert, und der SPD-Mann schob noch einen griffigen Vergleich nach: „Im Augenblick kämpfen die beiden Parteien im Mittelkreis“, sagte er. „Ich glaube, dass Merz die ganze Breite des Spielfeldes nutzen und auch mal über den rechten Flügel angreifen würde.“ Das klang, als hätte er nichts dagegen.

Parteiischste Prognose

Vom Parteitag in Hamburg wurde Ursula von der Leyen zugeschaltet. Die Verteidigungsministerin hat eine neue Haarfarbe, aber immer noch die alten Grundsätze: Ihr geht es um den Zusammenhalt der Partei nach der Wahl. Dafür gab’s den ersten Beifall.

Die mutigste These

„Wenn wir wieder in Richtung 40 Prozent kommen, wird auch die SPD wieder stärker“, meinte Jung.

Danach setzte von Lucke zum großen Merz-Bashing an: Aktien zur Alterssicherung, Asylrechtsänderung usw., alles falsch. So ging es minutenlang weiter. Oliver Kalkofe pflegt in solchen Fällen zu sagen: Der kann eine Kakerlake ins Koma quatschen.

Langer Rede kurzer Sinn: Bei der CDU, so von Lucke, gehe es jetzt „um den Versuch einer Altmännerriege, Angela Merkel zu einem Betriebsunfall der Geschichte zu machen.“

Ungewöhnlichste Analyse

CDU-Youngster Diana Kinnert trug einen Hut im Michael-Jackson-Stil und hatte den Politjugendsprech voll drauf: Bei der CDU erkenne sie „inszenierte Sicherheitsbilder“ und „überlebte Verortungen“.

Ihr Credo: „Zukunftskonzepte“ seien „auf der Rechts-Links-Achse nicht sichtbar“. Heißt: Flügelkämpfe sind mega-out!

Von Lucke legte von neuem los, wieder im Stakkato ohne Punkt und Komma, und wieder ohne den leisesten Versuch der Talkmasterin, den Wortkatarakt irgendwie zu einzudämmen: Merz sei „egozentrisch“, sagt er, und wenn er gewinne, hätte die Union mit ihm und Markus Söder „zwei Alphamännchen“ an der Spitze.

Illner nahm die Vorlage dankend auf: „Gibt es wirklich eine Sehnsucht nach dem starken Mann?“ fragte sie in die Runde.

„Das glaube ich“, antwortete Kinnert unter ihrem Hut, „ich glaube aber nicht, dass daraus programmatische Zielbildungen ableitbar sind.“ Uff! Steht sie mit Juso-Chef Kevin Kühnert wirklich nur wegen des Namens im Ähnlichkeitswettbewerb?

Irrläufer des Abends

Zum Schluss haut CDU-Youngster Kinnert noch einen Kracher raus: Die „christliche Sittlichkeit und Homophobie“ in ihrer Partei behagt ihr nicht, ihr fehlt „integrationspolitisch eine starke Stimme“. Deshalb glaube sie, dass der Kanzlerkandidat mit den besten Chancen „auch ein Robert Habeck sein könnte“. Halleluja!

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