Robert Habeck: Kein Zurück zu Twitter

Donnerstag, 17. Januar 2019
Thema „Hartz IV“ vor dem Talkgericht (v.l.): Robert Habeck, Christian Lindner, Sandra Maischberger, Martina Leisten, Elisabeth Niejahr © WDR/Max Kohr

„Maischberger: Hartz IV vor Gericht: Wie hart darf der Sozialstaat sein?“ ARD, Mittwoch, 16.Januar 2019, 22.55 Uhr.

Der „Grüne“-Parteichef Robert Habeck hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch versichert, dass er nicht an eine Rückkehr zu den sozialen Medien „Twitter“ oder „Facebook“ denkt, die er vergangene Woche aus Ärger über einige verpatzte Posts verlassen hatte.

Auf eine Frage der Talkmasterin Sandra Maischberger, ob er bereits Entzugserscheinungen habe, antwortete der populäre Politiker: „Überhaupt nicht! Es geht mir blendend!

„Ist das nicht ein Vorbild, Herr Lindner?“ wollte die Talkmasterin daraufhin von FDP-Chef Christian Lindner wissen. Der Chefliberale hatte die passende Antwort voll drauf: „Wir beklagen ganz oft die Filterblasen und die Bubbles“, erwiderte er, „und man sagt dann, die AfD bedient die ganzen soziale Medien. Ich möchte die nicht unter sich lassen!“

Dialog des Abends

Lindner macht bei der Gelegenheit auch noch staatsmännisch einen Punkt: „Ich betrachte es als Politiker als Teil meiner demokratischen Aufgabe, da hinzugehen, auch wenn es manchmal weh tut!“ erklärte er feierlich.

Habeck sah dabei nicht glücklich aus, und deshalb bohrte Maischberger noch einmal nach: „Kommen Sie wieder?“

„Hierher?“ fragte der Grüne.

„Nein, zu Twitter!“

Doch danach sieht es erstmal nicht aus. „Man muss zur Kenntnis nehmen, wie da diskutiert wird, und wie jede Talkshow, jedes Medium den politischen Diskurs verändert“, erklärte Habeck.

Schlauestes Statement

„Ich habe für mich entschieden, dass mich diese nervöse Kurzatmigkeit – dass das nicht das ist, woran ich politisch gemessen werden möchte“, fügte Habeck listig hinzu. „Ich setze darauf, dass ich halt ausgeruhter zu Sendungen wie der Ihren komme...“

„Also Comeback ausgeschlossen?“ fragte Maischberger noch einmal.

„Ausgeschlossen ist in dieser Welt nichts“, gab Habeck zu, „aber die Brücke ist erst mal gesprengt, und ich glaube, alle würden sich totlachen, wenn ich sage, das war mal ein Versuch, und nach einer Woche komme ich wieder angelatscht.“

Auch beim eigentlichen Thema der Talkshow gab es Dissens zwischen den beiden Politikern, die sich privat duzen.

Zum Start ein Duett

Habeck (offenes Hemd) und Lindner (Rollkragen) saßen wie auf dem Verlobungssofa und herzten einander erst mal mit allerlei Höflichkeiten: „Ganz meine Meinung! Ganz richtig! Sehe ich genauso!“

Unterschied: Habeck will Drückeberger lieber motivieren als bestrafen und soziologisiert gern: „Wir haben heute eine andere politische Fragestellung! Das Aufstiegsversprechen der Republik ist porös geworden!“

Lindner will Leistung belohnen, warnt vor Schwarzarbeitern mit Hartz-IV und schmettert gern Schlagworte raus: „Solidarität ist keine Einbahnstraße!

Zwang oder Anreiz, das war hier die Frage. Habeck setzte auf Ironie: „Vielleicht ist es so, dass Menschen gar nicht faul sind!“

Lindner wunderte sich, dass die Grünen bei Hartz-IV-Tricksern so milde seien, während sie bei Steuerbetrügern oder Sündern aus der Industrie immer gleich die volle Härte des Gesetzes fordern.

Beklopptestes Beispiel

Die Journalistin Elisabeth Niejahr („Handelsblatt“) prangerte das „absurde System“ an, z.B. bekämen Hartz-IV-Kinder über 12 Jahren beim Duschen mehr Stromkosten erstattet als Kinder unter 6 Jahren.

„Wir haben ein total überbürokratisiertes System, wo wir verrückt geklagt wird“, stellte die Journalistin fest.

Schlimmste Fälle

Die Sozialwirtin und Gastronomin Martina Leisten, nach einer Startup-Pleite mit Insolvenz und Schufa jetzt Hartz-IV-Empfängerin, beklagte, das Jobcenter habe sie in eine Drückerkolonne stecken wollen: „Das habe ich nicht gemacht!“

Talk-Gast Kevin Falke, nach Abbruch einer Ausbildung zum Holzbearbeitungsmechaniker und einer fristlosen Kündigung wegen Arbeitsverweigerung seit vier Jahren Hartzer, klagte, er habe das alles „nicht wirklich verstanden“.

Standpauke des Abends

Habeck sah in den Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger „extreme nichtintendierte Effekte“ und schwurbelt: „Wenn du arbeitslos wirst, wirst du würdelos!

Leistungs-Lindner dagegen verpasste dem jungen Mann mit der schwarzen Baseballkappe gleich mal einen Einlauf: „Sie können nicht von der Gesellschaft erwarten, dass Sie einen Job kriegen, der Ihnen Spaß macht! Sie müssen sich selber mal reinhängen!

Lautester Alarmruf

„Wir werden einen dramatischen Wandel auf dem Arbeitsmarkt erleben“, sagte Habeck voraus. „Die Leute sollen mit dem Arbeitsplatz nicht auch noch die Selbstachtung verlieren. Sonst verlieren wir den demokratischen Konsens!“

Seine düstere Prognose: „Es steht in Frage, ob das Aufstiegsversprechen in der Digitalisierung noch zu halten ist.“

Bissigster Spruch

Dann wollte Habeck mit einer Binse punkten: „Leistungen können gekürzt werden“, räumte er ein, „aber wir lassen niemanden verhungern.“

„Das ist vernünftig!“ lobte die Talkmasterin.

Lindner reagierte darauf mit Spott: „Vielen Dank für Ihre Unabhängigkeit als Moderatorin bei diesem Urteil!“ patzte er Mischberger an. Sein Credo: „Das Ziel des Sozialstaats ist, die Menschen wieder in die Eigenverantwortung zurückzuführen.“

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