Unions-Krach: CDU-Politiker stellt CSU-Minister an den Pranger

Dienstag, 22. Januar 2019
Was willst du schon wieder? Talkmaster Frank Plasberg bremste Grüne-Politiker Cem Özdemir immer wieder aus. © WDR/Oliver Ziebe

„Hart aber Fair: Grenzwerte geschätzt, Motoren manipuliert: ein Land im Diesel-Wahn?“ ARD, Montag, 21.Januar 2019, 21 Uhr.

Der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Oliver Wittke (CDU) hat in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ am Montag seinen Unionskollegen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer heftig kritisiert.

Anlass war ein von ARD-Talkmaster Frank Plasberg eingeblendetes Schreiben aus dem Kraftfahrtbundesamt, das an 1,5 Millionen Dieselbesitzer verschickt worden war. Es enthielt in etwas anderen Worten eine Aufforderung, den Problemen mit den drohenden Fahrverboten wegen Nichteinhaltung der Stickstoffoxid-Grenzwerte einfach durch den Kauf eines neuen Autos auszuweichen.  

Ein ARD-Einspieler rechnete vor: Umtauschaktion VW Passat Diesel, Neupreis inklusive Prämie 20.000 Euro, für den alten gibt es noch 3000,  bleiben zu zahlen 17.000 Euro. „Ist das ein Geschäftsmodell?“ fragte Plasberg spitz. 

Skandal des Abends

Dann zeigte der Talkmaster das Schreiben und wies auf den amtlichen Hinweis rechtsoben hin: „Für weitergehende Fragen wenden Sie sich bitte ausschließlich an diese Hotlines: BMW, Daimler, VW“, stand dort zu lesen - mit Telefonnummer, Fax und E-Mailadresse der drei Autobauer.

Härteste Attacke

„Wenn wir sowas im Fernsehen machen würden, wäre das brutale Schleichwerbung!“ ätzte der Talkmaster und fragte den Staatssekretär: „Wie finden Sie das?“

Ich halte das für skandalös!“ schimpfte der CDU-Politiker. „Wenn ich Bundesverkehrsminister wäre, wüste ich, wie ich darauf reagieren würde!“

„So hat er aber nicht reagiert“, stichelt der Grüne-Verkehrsexperte Cem Özdemir, der als Skandalursache „ein gemeinsames Versagen von Politik und Industrie“ geortet hatte.

Plasberg blockte ihn jedoch ab: „Ich finde es erst mal bemerkenswert, Herr Özdemir, dass jemand in der Regierung nicht blind einen Schwachsinn verteidigt, sondern einen solchen Hauptsatz spricht. Das sollten wir goutieren und nicht mehr draufhauen! Mehr kann man nicht erwarten. Vielleicht begegnet er  morgen dem Herrn Scheuer…“

Zum Start eine Schelle

Prof. Dieter Köhler, Verbandschef der deutschen Lungenärzte, der vor Hysterie „wie beim Hexenhammer im Mittelalter“ warnt, machte sich über die Grenzwerte für Diesel lustig: Als Grundlage diente Uralt-Studien aus den 1980ern, und die umstrittenen 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid seien ohne jede Wirkung auf die Gesundheit.

Und, der Hammer: Wer auf zwei Gasflammen Spaghetti mit Tomatensoße kocht, liegt nach 15 Minuten bei 1500 Mikrogramm!

Petze des Abends

Das konnte Barbara Metz von der Bundesumwelthilfe, die mit „Tempo 120“ schon die nächste Sau durchs Dorf treibt, natürlich so nicht stehenlassen: Inzwischen hätten auch sehr viele neue Studien den Zusammenhang von Diesel und schädlicher Luft bewiesen, behauptete sie. Deshalb habe ja die EU 2008 die 40 Mikrogramm aus den USA übernommen.

Ihren Trumpf spielte sie auf Kosten der Kanzlerin aus: „Angela Merkel war an der Festlegung des Grenzwertes beteiligt!“ Plasberg dazu nachdenklich: Ob die Kanzlerin darüber heute noch so richtig glücklich sei?

Sanfteste Ohrfeige

Özdemir wollte gleich zu Anfang nach grüner Sitte lieber über Moral als über Wissenschaft reden und setzte zu einem Empörungssolo an: Erst einmal müsse jetzt der VW-Skandal dran sein, polterte er.

Doch Plasberg stoppte ihn auf dem kurzen Bremsweg: „Machen wir eine Arbeitsteilung“, schlug der Talkmaster vor. „Sie sind ein geschätzter Gast, und ich versuche das Gespräch zu strukturieren.“ Klatsch!

Erfolgsmeldung des Abends

Staatsekretär Wittke hatte eine schöne Zahl mitgebracht: Deutschland hat die bösen Stickstoffdioxide in 20 Jahren um 50 Prozent reduziert. „Die modernsten und saubersten Autos weltweit werden bei uns in Deutschland produziert. Wir sind und bleiben ein Automobilland!“ erklärte er. Dafür gab’s Beifall.

Lungenprofessor Köhler setzt noch einen drauf: Die Behauptung,  aus dem Dieselauspuff komme Krebs, sei „schlichtweg falsch“. Und wenn Feinstaub wirklich so tödlich wäre, müssten Raucher nach wenigen Wochen tot umfallen“, denn aus der Zigarette staube es Millionen Mal so stark.

Geschickteste Grätsche

„Mich regt es auf, wenn es so extreme Unterschiede gibt zwischen der wissenschaftlichen Wahrheit und dem, was so in den Magazinen steht“, wetterte der Professor.

Özdemir versuchte gleich wieder einen Vorstoß: In der Schweiz liege der Grenzwert bei 30 Mikrogramm, in Österreich bei 35 Mikrogramm…“ Doch an Plasberg kam er einfach nicht vorbei: „In Kalifornien sind es 57 Mikrogramm“, sagte der Talkmaster, „und im Rest von Amerika 100!“

Bester und schlechtester Witz

Ein ARD-Einspieler zeigte: Nach EU-Richtlinien soll der Messeinlass der Stationen 1,5 bis vier Meter über dem Boden liegen. In Hamburg sind es 1,5 Meter, in Köln 3,5, in München knapp vier Meter und im griechischen Thessalonike 35 Meter: Dort steht das Teil auf dem Dach der Universität. Alexis Sorbas lässt grüßen…

In eigener Sache

Umwelthilfe-Metz nahm Industrie und Politik immer wieder voll auf die Hörner, bis sogar Plasberg nervös wurde: „Ich fahre einen Diesel Euro 6 mit AdBlue und dachte, ich bin auf der sicheren Seite!  Bereiten Sie wieder eine Klage vor?“

„Wünschen Sie sich das?“ lächelte die Ökolobbyistin, konnte den Talkmaster aber beruhigen: „Nee, das machen wir nicht.“

Interessantester Gast

Zum Schluss plauderte Heinz-Harald Frentzen, 1997 Vizeweltmeister in der Formel 1, aus dem elektromobilen Nähkästchen: Seine drei Autos fahren mit Strom, den er auf dem Dach produziert und in riesigen Batterien im Keller speichert.

„Die ganzen Vorurteile sind überholt“, stellte der frühere „Benzinritter“ (Plasberg) locker fest. „Ich fahren nach Südfrankreich 1200 Kilometer mit 100er Schnitt – inklusive Ladezeit!“

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