Grüne-Chefin fetzt sich mit CDU-Staatsekretär

Montag, 28. Januar 2019
Lange dabei: Anne Will ist seit 16. September 2007 ARD-Talkmasterin. Die 52-jährige war einst Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung © NDR/Wolfgang Borrs

„Anne Will: Streit um Abgaswerte - sind Fahrverbote verhältnismäßig?“ ARD, Sonntag, 27.Januar 2019, 21.45 Uhr.

Die Grüne-Chefin Annalena Baerbock und der CDU- Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger haben sich in der ARD-Talkshow „Anne Will“ am Sonntag ein hitziges Rededuell über die Abgas-Grenzwerte für Dieselmotoren geliefert.

Nach einem Kaltstart griffen die Dieseljäger sofort im Tiefflug an, und Baerbock forderte forsch wie immer Hardware-Nachrüstungen auf Kosten der Konzerne.

Jetzt beugen sie die Fakten“, warf sie den Messkritikern vor. „Das hat mit meinem Rechtsstaatsverständnis nichts zu tun.“ Hui! Dafür gibt’s schon mal den ersten Beifall.

Als die Grüne-Chefin immer wieder „massive Überschreitung in 65 Städten“ anprangerte, warf ihr Bilger vor: „Sie wollen ja gar keine Diskussion über die Grenzwerte! Sie wollen die Diskussion abwürgen!

In Zwiesel fährt der Diesel Kiesel, im Rest der Republik bald gar nicht mehr. Und wer das trotzdem will, muss durch ökologistische Minenfelder. Talkmasterin Anne Will zitiert den Skandal-Tweet des Grüne-Politikers Dieter Janecek, der kritischen Lungenärzten „Reichsbürger-Niveau“ antexten wollte. „Was ist das eigentlich für ein Niveau?“ fragt nun wiederum die Talkmasterin. „Sollten die Grünen besser alle nicht mehr twittern?“

Da machte Baerbock, sonst gern in der Offensive, lieber die Biege zu einem schnellen Themenwechsel und rettete sich in einer Banalität: „Politiker sind dazu da, Lösungen zu finden!“

Fast die ganze Sendung über stritten sich zwei wissenschaftliche Weißköpfe: Der Lungenfacharzt Prof. Dieter Köhler, der mit seiner Kritik an den Grenzwerten voll ins ökologistische Wespennest stach. Und der Epidemiologe Heinz-Erich Wichmann, der ungerührt von den unverschuldeten Problemen der Dieselkäufer schlicht „die Verminderung des Verkehrsaufkommens in dicht besiedelten Gebieten“ fordert. Halleluja!

Erster Tritt vors Schienbein

Der Epidemiologe verteidigte lang und breit die Wissenschaftler, die – wie er selbst - hinter den Grenzwerten der Weltgesundheitsorganisation stecken. „Herr Köhler gehört nicht dazu, das will ich sagen“, urteilte er süffisant über sein Gegenüber. Und warum will er das sagen? „Weil der sich als der große Experte bezeichnet!“

Netteste Bosheit

Der Talkmasterin wurde der Fachvortrag zu detailliert: „Wir haben hier ein anderes Tempo als Sie mit Ihrer Wissenschaft“, sagte sie.

Doch Wichmann war nicht zu bremsen: Bei der Bemessung sei zwar „immer eine gewisse Willkür dabei“, gab er zu, aber: „Die Grenzwerte sind einzuhalten.“ Basta!

Witzigster Vergleich

Köhler konterte den Tritt mit Witz: Die Grenzwerte seien nur bloße „Annahmen“ über vermutete Zusammenhänge zwischen Autoabgasen und Sterblichkeit, basierend auf Statistiken nach dem Motto „Wo es viele Kinder gibt, müssen viele Störche sein“.

„Das ist aber nicht sehr wissenschaftlich!“ meckerte die grüne Klima-Kassandra humorlos.

Schlimmster Verdacht

„Es geht um Forschungsgelder“, sagte Köhler. „Da muss ja ein Ergebnis rauskommen, dass Feinstaub und Stickstoffdioxid schädlich sind.“ Rumms!

Schönster Versprecher

Der Streit machte die Grüne so wuschig, dass sie an sensibler Stelle die Konsonanten vertauschte und rief: „EU-Recht für saubere Lust!“

Nüchternster Kommentar

„Fahrverbote führen nicht zu besserer Luft, sondern nur dazu, dass der Verkehr in Nebenstraßen und auf die Dörfer verdrängt wird“, stellte die FDP-Politikerin Judith Skudelny klar.

Lungen-Köhler assistiert mit der Zahl des Abends: Stickoxid-Grenzwert in den USA 100 Mikrogramm pro Kubikmeter (statt 40 wie bei uns), und „das wäre dann überhaupt kein Problem!“

Und auch das sagte der Lungenfacharzt: „Der Diesel stößt am Auspuff sauberere Luft aus als er einsaugt.“

Faulste Ausrede

Ein ARD-Einspieler zeigte messtechnische Ungereimtheiten an deutschen Straßen. Baerbock ging eilig in Deckung: „Ich kenne nicht jede einzelne Messstelle!“

Wichmann, kein Mann der sanften Meinungsvermittlung, stürzte sich noch einmal auf seinen besonderen Spezi Köhler: „Unfug!“ blaffte er ihn an. „Sie sind ein wissenschaftlicher Exot!“ Zu einem anderen Wort mit „ot“ am Schluss reicht die Wut dann aber doch nicht...

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt