Kramp-Karrenbauer zieht ihre Kanzler-Kandidatur in Zweifel

Donnerstag, 31. Januar 2019
Talk-Duett: Sandra Maischberger, Annegret Kramp-Karrenbauer im Zwiegespräch © WDR/Max Kohr

„Maischberger: Katholisch, konservativ – Kanzlerin?“ ARD, Mittwoch, 30.Januar 2019, 22.45 Uhr.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch zum ersten Mal vor einem Millionenpublikum ihre Kanzler-Kandidatur in Zweifel gezogen.

Wörtlich sagte die Politikerin auf eine entsprechende Frage der Talkmasterin zunächst: „Wenn ich mir das nicht zutrauen würde, hätte ich auch nicht für den CDU-Vorsitz kandidieren dürfen!“

Doch dann schob sie nach: „Als Vorsitzende dieser großen Volkspartei CDU hat man auch eine andere Verpflichtung: Man muss die Partei in die entsprechende Situation bringen, dass sie überhaupt einen Kanzler oder eine Kanzlerin stellen kann.“

Interessanteste Erklärung

Maischberger staunte, und Kramp-Karrenbauer ließ auch gleich die Katze aus dem Sack: „Das heißt, man muss das auch ein Stück weit von der eigenen Person trennen.“ Denn: „Für mich ist nicht die Frage: Was will ich? Was ist mein persönlicher Karrierewunsch?“

Klarste Antwort

Die Talkmasterin schnappte nach Luft: „Das ist interessant! Das heißt, es könnte auch jemand anderes ein Kandidat der CDU werden?“

Kramp-Karrenbauer erinnerte an den Wahlkampf der Union 2005 mit Edmund Stoiber: „Angela Merkel hat ja in der Vergangenheit in einer konkreten Situation genau das bewiesen“, stellte sie fest. „Das ist auch meine Erwartung an jeden Vorsitzenden der Partei!“

Maischberger wollte es noch immer nicht glauben: „Es kann sein, dass Sie sagen: Der ist besser geeignet, der wird Kanzlerkandidat?“ wunderte sie sich.

Die bündige Antwort: „Als verantwortliche Parteivorsitzende muss das so sein, ja!“

Vorglühen mit frechen Fragen

Zuvor hatte Maischberger die CDU-Chefin mit ihrem beliebtes Satzvervollständigungsspiel herausgefordert: „Angela Merkels größter Fehler war?“ Doch die CDU-Chefin wich elegant: „Das muss sie selbst entscheiden.“

Mehr Mitmachmut zeigte die neue Vorsitzende bei K-Fragen der harmloseren Sorte. Maischberger: „Sie sind Karnevalistin und sehr kontrolliert, was ist Ihre Lieblingsmusik?“ - „KISS und Klassik!“

 

Frechste Frage

„Waren Sie rebellisch?“ wollte Maischberger dann wissen. In der Antwort klang wie einst bei Kanzler Kohl („Gechichte“) auch bei Kramp-Karrenbauer der rheinische Schetismus durch: „Ich war kein rebelliches Kind.“ Später folgen noch andere Beispiele für den sympathischen Sprachfehler: „kritich“, „Deutchland“, „Viele Menchen wünchen“.

Nächste Prüfung: „Waren Sie schon mal volltrunken?“ – Kramp-Karrenbauer: „Ja. Das war knapp vor der Uni. Die normale Mischung aus Bier und Wein. So sehr viel brauche ich nicht, um volltrunken zu sein…“

Härtester Vorwurf

Maischberger zitierte Kramp-Karrenbauers Kritik an der „Ehe für alle“, seither seien auch andere Forderungen nicht auszuschließen, "etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen".

Damit vergleiche sie solche Ehen mit Inzest und Vielehe, die beide strafbar seien, sagte die Talkmasterin empört.

Doch die CDU-Chefin zuckte nicht mit der Wimper: „Für meine Partei ist diese Frage entschieden, und dazu stehe ich“, antwortete sie. „Ich habe aber auch eine persönliche Meinung dazu, und an der möchte ich gern festhalten!“

Strengste Erwiderung

Maischberger ging ihr noch mal mit dem Bohrer an den Nerv: „Kennen Sie jemanden, der seine Tante heiraten will?“ fragte sie spitz. „Oder seinen Onkel?“

„Das ist gar nicht auszuschließen, wenn es etwa um Versorgungsfragen geht“, erklärte Kramp-Karrenbauer in plötzlicher Strenge. „Das hat nichts mit Sexualität zu tun“, sondern höchstens mit Altersarmut.

Bester Konter

Die Talkmasterin probierte es mit einer Kritik an Politikern, die erst Politik studiert haben und dann immer nur Politik machen, statt sich auch mal in einem anderen Beruf umzusehen.

Doch die CDU-Chefin ließ sie cool auflaufen: „Bei Journalisten, die Journalismus studiert haben und immer nur Journalismus machen, frage das niemand“, lächelte sie.

Treffer, versenkt! Maischberger brach ihr Studium der Kommunikationswissenschaften schon nach drei Tagen ab und ging als Radiomoderatorin zu Bayern 2.

Schnellstes Ping-Pong

Auch im Frage-Antwort-Spiel zeigte AKK klare Kante: Tempolimit? „Nein!“ Dieselfahrverbote? „Nicht in jedem Fall verhältnismäßig.“ Würde sie empfehlen, jetzt einen Diesel zu kaufen? „Ja!“

 

Wehrpflicht? „Ich bin für eine Dienstpflicht.“ Mindestlohn? „Ja!“ Spitzensteuersatz erhöhen? „Nein!“ Lieber „Queen“ oder Helene Fischer? „Queen!“

Deutlichste Absage

Ganz fest zurrte die neue Vorsitzende das CDU-Parteitagsverbot für jegliche Regierungsbildung mit AfD oder Linken: „Keine Koalition mit Populisten von links oder rechts!“

Auf die Frage nach ihren Gegenkandidaten Friedrich Merz und dessen wichtigsten Unterstützer Wolfgang Schäuble sagte Kramp-Karrenbauer in leicht verkürzter Ausdrucksweise: „Sind mir beidermaßen lieb!“ Ihr Schlusswort: „In einer großen Mehrheit wollen die Deutschen, dass Angela Merkel in dieser Legislaturperiode Kanzlerin bleibt.“

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