Vor 16 Jahren: Harald Schmidt über die schon damals sieche SPD

Donnerstag, 7. Februar 2019

Die schlimmen Wahlschlappen der SPD, die schweren taktischen Fehler ihrer auf ganzer Linie gescheiterten Vorsitzenden und die Verzweiflungsprojekte ihrer Minister erinnern an die Endzeit des letzten SPD-Kanzlers Gerhard Schröder. Vor etwas mehr als 16 Jahren, im Dezember 2002, widmete sich Harald Schmidt dem Niedergang der einst stolzen Arbeiterpartei in seiner SAT.1-Show auf für ihn typische Weise: Zu einem Gespräch mit seinem Redaktionsleiter Manuel Andrack zeigte Schmidt Porträts sozialdemokratischer Politiker auf einer Magnettafel mit dem Bild eines Dreimasters und kommentierte den Zustand der Besatzung. Auszüge:

Schmidt: „Das hört man zur Zeit viel: ‚Der Lotse geht nicht von Bord’ oder ‚Der Kapitän verlässt nicht das Schiff’. Das gute alte Schiff SPD ist ja voll von erstklassigen Besatzungsmitgliedern, und man sollte sich mal fragen, welches Besatzungsmitglied hat an Bord welche Funktion? Wer fährt auf dem Schiff, wer fährt unter dem Schiff, wer sieht während der gesamten Weltumsegelung nie Tageslicht? Wer ist sozusagen der Filipino der SPD? Wer ist es, der das Schiff wirklich am Laufen hält? Da wird’s schon mal schwierig!“

Andrack: „Na ja, der Kapitän ist ja nun wohl klar.“

Schmidt: „Der Kapitän ist Schröder. Wer ist der Steuermann? Müntefering.“

Andrack. „Aber der steuert in die falsche Richtung, sagt Schröder.“

Schmidt: „Der Kapitän kann sich auch mal hinlegen, der Steuermann macht ja im Grunde die Arbeit.“

Andrack: „Wer ist die Galionsfigur, Doris Schröder-Köpf?“

Schmidt: „Nein, Doris Schröder-Köpf ist nicht an Bord, die bleibt im Hafen und winkt. Sigmar Gabriel hat so einen bombastischen Titel, Chef de irgendwas, im Grunde kellnert er auf dem Hinterdeck. Möchte aber auf die Brücke.“

Andrack: „Da ist einer, der über die Planke läuft.“

Schmidt: „Hans Eichel.“

Andrack: „Das ist der Zahlmeister.“

Schmidt: „Wer ist es dann, der über die Planke geht? Ulla Schmidt. Und zwar wird sie verabschiedet von Olaf Scholz. Der allerdings nicht weiß, dass auch nach ihm dann die Brücke hochgemacht wird. Die ‚rote Heidi’ ist hier unten am Rudern. Hier rudert auch Struck. Der Smutje ist meiner Meinung nach Quasselstrippe Stiegler. Kocht, bringt jeden Tag irgendeinen Fraß auf den Tisch, alle sagen: Schmeißt den ins Wasser, man kann es nicht mehr fressen, lieber beißen wir Ratten den Kopf ab, und er brutzelt da unten rum und mosert oben über die Besatzung.“

Andrack: „Thierse ist die Galionsfigur.“

Schmidt: „Nein, überhaupt nicht.“

Andrack: „Oder der Harpunier.“

Schmidt: „Nein. Der Harpunier ist Clement. Sieht er irgendwo einen Besserverdiener auftauchen – puff! Im Rettungsboot...“

Andrack: „...der blinde Passagier.“

Schmidt: „(Hessens SPD-Spitzenkandidat Gerhard) Bökel. Hessen ist schon aufgegeben worden von der eigenen Mannschaft. Dann haben wir hier unseren bombastischen Verkehrsminister (Stolpe). Jung, unverbraucht, dynamisch. Haben wir nicht so einen Funker, der mithören kann? Einer muss ja den Funk abhören. Thierse da nach vorne, da stört er nicht weiter. Ohne Funktion. Renate Schmidt könnte hier lauern, um in Doppelfunktion das Amt von Ulla Schmidt mit zu übernehmen. Dann muss man nicht so viel umdrucken, man streicht einfach den Vornamen aus.“

Andrack: „Unter was für einer Flagge segelt das Schiff?“

Schmidt: „Auf jeden Fall unter falscher. Ich glaube, dass das Schiff in einem absoluten Billigland angemeldet ist. Irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. Das Trockendock naht...“

Helmut Ruge: „Satire ist Hochrechnung in die Zukunft. Um zu zeigen, was heute ist, muss man zeigen, wie es weitergeht.“

 

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