Maischberger: Juso-Chef Kühnert greift Bayern-Chef Uli Hoeneß an

Donnerstag, 7. März 2019
Mitspieler in Maischbergers Sozialtheater (v.l.): Ulrike Herrmann („taz“), Werner Mang, Michael Prütz, Marie-Christine Ostermann, Kevin Kühnert, Rainer Hank © WDR/Max Kohr

„Maischberger: Attacke auf die Reichen: Beschimpfen, besteuern, enteignen?“ ARD, Mittwoch, 6.März 2019, 22.45 Uhr.

Juso-Chef Kevin Kühnert hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch den Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeneß, hart attackiert.

Wörtlich sagte der Langzeitstudent ohne Abschluss über Millionärsspenden für das Gemeinwohl: „Als Uli Hoeneß verurteilt wurde, für seine Steuerbetrügereien in den Knast zu wandern, da hat er sich empört und gesagt: Er sei immer so wohltätig gewesen und habe so viel gespendet!“

Doch, so Kühnert weiter: „Der Sozialstaat und das gesellschaftliche Zusammenleben funktionieren nicht nach dem Prinzip ‚Jeder entscheidet selbst, wieviel er gibt‘ - selbst wenn es Millionen sind!“

Härtester Vorwurf

„Wir geben jeder einen gerechten Anteil rein, und es wird demokratisch entschieden, was damit passiert“, erklärte der Juso-Chef seine Sicht der Dinge. „Und bei Wahlen haben Uli Hoeneß und Bill Gates und Mark Zuckerberg und wir, die wir hier sitzen, jeder und jede die gleiche Stimme!“

Das sei allemal besser als wie Hoeneß & Co. „aus Mildtätigkeit Wohltaten zu verteilen, was eigentlich nur kaschieren soll, dass sie nicht in Solidarität zum Rest stehen wollen!“

Soll heißen: Bill Gates oder Michael Otto dürfen auch in Zukunft gern Millionen abdrücken, aber was dann mit ihrem Geld passiert, dass bestimmen Herr Kühnert und seine Genossen.  

Fehlt’s den Sozis mal an Dampf, hilft ein bisschen Klassenkampf. Schon vorher hatte Talkmasterin Sandra Maischbergers Sozialseismograph mehrere mittelschwere Neidbeben registriert.

Zum Start gleich eine Zirkusnummer

Gleich zu Beginn hatte der Berliner Mietaktivist die Runde in Sozialsprühnebel aus dem Moralhydranten gehüllt: „Profitgierige Immobilienkonzerne! Maximum an Profit!“ schimpfte der Versicherungsmakler, der auf Youtube als „Kreuzberger Demo-Dino und hauptberuflicher Alt-68er“ firmiert und jetzt mit Schiebermütze zur Rechten der Talkmasterin saß. Sein politisches Ziel: „Enteignung, und als Entschädigung ein Euro!!“

„Ein Euro pro Wohnung?“ staunte Meischberger.

„Nein!“ wettert Prütz. „Ein Euro pro Konzern!“

Gläserner Mieter

Er selbst wohne noch ganz vernünftig, meinte Prütz: Miete 1300 Euro Miete, elf Euro pro Quadratmeter, mit Freundin halbe-halbe, macht 28 Prozent seines Nettoeinkommens.

„So genau wollten wir das gar nicht wissen“, lächelte Maischberger. Für Prütz kein Problem: „Sie fragen, ich antworte!“

Schärfste Drohung

Für Juso-Chef Kühnert ist das Berliner Volksbegehren zur Enteignung von großen Wohnungsbaukonzernen „ein letzter Wink mit dem Zaunpfahl“. Das solle heißen: „Wir können auch anders!“ Sein Vorschlag: „Berliner Mietendeckel“. Mieten auf fünf Jahre einfrieren. Ohne Inflationsausgleich. Denn: „Mit welchem Recht hat jemand mehr als zwanzig Wohnungen?“

Verblüffendstes Kompliment

Hank ärgerte sich über das schwarmgeistige Agitproptheater: „Ist das Ihre Vorstellung von Rechtsstaat, dass die Politik den Menschen sagt, wieviel Eigentum sie haben dürfen?“ schimpfte er.

Unternehmerin Ostermann hat einen roten Blazer, aber keine rote Meinung: „Die Politik hat sich total verkalkuliert“, sagte sie vorwurfsvoll. Bei den geforderten Steuererhöhungen seien „schnell sehr viele Arbeitsplätze futsch“.

Der Schönheitschirurg, Solariumteint, Künstlermähne, überrascht mit einer Nettigkeit: „Sie sind ein gutaussehender, intelligenter junger Mann, der eine große Zukunft hat“, lobte er Kühnert. „Aber mit Enteignungen kommen Sie nicht weiter!“ 

Der Juso-Chef rechnete gnadenlos ab: „Wohnungen verkauft, Infrastruktur verkauft!“ klagte er über die Politik der Genossen um Klaus Wowereit. „Jetzt holen wir das wieder zurück, getrieben von Volksentscheid und Bürgerbewegung!“

Wollen Sie in die DDR zurück?“ fragte der Schönheitschirurg.

„Das ist Polemik!“ schnaubte Kühnert. „Sie führen eine globalgalaktische Diskussion!“ 

Pütz eilte dem Juso-Chef zu Hilfe: „Brutaler Kapitalismus! Sozialdarwinistisch!“ Er selbst erinnere sich noch gut an seine Zeit als Balljunge beim vornehmen TC Rot-Weiß, wo ihm die arroganten Reichen die verdienten 50 Pfennig pro Stunde „nur mit Mühe gerade so rübergereicht“ hätten.

Schlimmste Ätz-Antwort

Mang führte für sich ins Feld, er habe sich sein Arztstudium als Taxifahrer selber verdient: „Ich bin ja kein Erbe!“ Jetzt sei er nicht nur „einer der wohlhabendsten Ärzte der Welt“, sondern auch ein „sozialer Leistungsdemokrat“. Uff!

Die Unternehmerin setzt sich für junge Leute ein, die gern selbständig werden wollen. Von Kühnert kriegte sie dafür aber tüchtig Mecker: „Es gibt auch ein Leben unterhalb der Selbständigkeit!“ spottet der abschlusslose Langzeitstudent.

Härtestes Wortgefecht

Der Chirurg prangerte Steuerverschwendung an, „zum Beispiel durch Frau Merkels verfehlte Flüchtlingspolitik. Davon hätten viele Wohnungen gebaut werden können!“

„Also Flüchtlinge raus?“ höhnte Kühnert. „Ist das Ihr Vorschlag?“ Der Juso-Chef möchte lieber neue Schulden machen. Er ist gegen die schwarze Null, denn „bei 150 Milliarden Euro Investitionsstau“ will er „nicht nur auf die Bilanzsumme gucken.“

Totaler Quatsch!“ funkte die junge Unternehmerin dazwischen.

Arroganz der Politiker!“ wetterte Wirtschaftspublizist Hank. „Die denken, dass nur sie allein wissen, wie man das Geld richtig auszugeben hat!“

Logikfreie Argumentverwurstung mit buntem Phrasenstrauß zur Volksbeglückung, unterbrochen durch unprofessionelle Feindseligkeiten, die gesellschaftspolitische Probleme wurden bühnenreif schnelloperiert: Dieser Talk war erstklassiges Sozialtheater!

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