Illner-Talk: Sahra Wagenknecht wettert gegen das Elektroauto

Freitag, 8. März 2019
Maybrit Illners Rede-Runde im ZDF (v.l.): Sahra Wagenknecht, Peter Altmaier, die Talkmasterin, Karl Haeusgen, Sandra Navidi, Felix Lee © ZDF/Svea Pietschmann

„Maybrit Illner: Zwischen Trump und China – rettet die ‚Planwirtschaft‘ Europa?“ ZDF, Donnerstag, 7.März 2019,22.15 Uhr.

Die „Linke“-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag einen neuen Streit um das Elektroauto entfacht.

Wörtlich sagte die Politikerin: „Es gibt stichhaltige Argumente, dass die Batterie nicht die Zukunft sein kann!“ Vor allem sei die Ökobilanz des E-Autos verheerend. Für die Batterien würden umweltschädliche Substanzen verarbeitet, die dann teuer entsorgt werden müssten.

Schärfste Zuspitzung

Zuvor hatte sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier um die Autoindustrie gesorgt: „Wenn die Autos künftig elektrisch und autonom fahren, aber die Batterien aus China kommen, und die Plattformen aus den USA, dann montieren wir hier in Deutschland vielleicht nur noch die Räder und die Außenspiegel!“

Dabei warnt er besonders vor Firmenkäufen, bei denen Chinesen Mondpreise  bezahlen, um „technologische Expertise abzusaugen“.

Ketzerische Frage

Karl Haeusgen, Vizepräsident der deutschen Maschinenbauer („Wir erleben gerade einen Kampf der Wirtschaftssysteme!“) schwamm ebenfalls kühn gegen den Talkshow-Mainstream: „Wer sagt denn eigentlich, dass das Elektroauto wirklich die Technologie der Zukunft ist?“ fragte er. Vielleicht sei es auf lange Sicht klüger, auch für andere Technologien offen zu bleiben.

Altmaier schien sich da aber nicht viel zuzutrauen: „Irgendwann muss man sich entscheiden!“ erklärte er bündig.

„Nein!“ widersprach der Unternehmer, und Wagenknecht eilte ihm mit ihren Bedenken zu Hilfe. Auch die Energiewende findet bei der Linke-Fraktionschefin keine Gnade: Die Bundesregierung habe 100 Milliarden ausgegeben, um grüne Energie zu fördern, aber gleichzeitig zugesehen, wie die Solarindustrie den Bach runtergegangen sei, schimpfte sie und rief: „Das war ein Riesenfehler!“

Haeusgen weiß, was damals lief: Die Bundesregierung habe zwar  Subventionen in die Solaranlagen gepumpt, aber die Chinesen hätten einfach noch mehr gegeben.

Beste Empfehlung

„Deutschland sollte China gegenüber nicht zu misstrauisch sein“, lächelte der Journalist Felix Lee, der für die „taz“ in China. „Aber mit Chinesen muss man hart verhandeln. Die tun das selber ja auch. Man wird überhaupt erst dann ernst genommen, wenn man hart verhandelt!“

So wie Trump? „Es sieht so aus, als würden die Chinesen Zugeständnisse machen“, meinte die Talkmasterin. Sogar die New Yorker Finanzexpertin Sandra Navidi, die sonst an ihrem Präsidenten kein gutes Haar lässt, musste zugeben: „Die Chancen, dass China wenigstens teilweise einlenken wird, sind nicht schlecht.“

Maschinenbauer Hausgen, in China schon lange am Werk, stellte fest, ein Einlenken Chinas im Handelsstreit sei „ein Ergebnis, über dass wir uns in Deutschland freuen!“ Denn: „Trump ist der einzige, der das in China erreichen kann. Mit Trump-Bashing kommen wir nicht weiter. In der Sache hat er Recht!“

Klügste Analyse

„Vor einem Jahr war die chinesische Führung noch siegesgewiss“, erklärte China-Korrespondent Lee, „aber das ist jetzt anders. Die Stimmung ist schon sehr angespannt! Trumps Strafzölle schwächen die chinesische Wirtschaft, und das ist jetzt schon zu spüren.“

Die Linke-Fraktionschefin versuchte es wieder einmal mit der alten sozialistischen Gleichmacherei: „Die USA verteidigt ihren Status als Wirtschaftsweltmacht“, sagte sie, „und die Chinesen wollen eine Wirtschaftsweltmacht sein!“ 

Doch auch hier ging der Unternehmer sofort dazwischen: „Man muss vorsichtig sein, die Chinesen und die Amerikaner über einen Kamm zu scheren! Der wesentliche Unterschied ist immer noch der, dass die Amerikaner in unserem westlichen Wirtschafts- und Gesellschaftsverständnis arbeiten. Trump ist ein demokratisch gewählter Präsident in einem demokratischen Land!“

Wagenknecht ließ trotzdem nicht locker und leitete schnell den nächsten Spielzug ein: „Das Problem ist ja, das wir unsere digitale Infrastruktur abhängig gemacht haben von den fünf großen Datenkraken im Silicon Valley!“

Interessanteste Wortschöpfungen

Das aber, so die Linke-Fraktionschefin, „ist die Schlüsselbranche des 21. Jahrhunderts. Darüber wird die gesamte Vernetzung auch der europäischen Industrie laufen!“

Dieses Argument war dann jedoch sogar Navidi nicht geheuer: „Ich sehe hier noch kein Robogeddon und auch keine Robapokalypse“, beruhigte sie. 

Elegantester Seitenhieb

Altmaier wies auf seine neue „Nationale Industriestrategie 2030“ hin, die Illner jetzt zu ihrem Talk-Titel anregte. Ziel des Ministers: „Wohlstand durch Marktwirtschaft und Wettbewerb.“ Aber auch das machte Altmaier klar: „Wenn uns Amerika, China, Japan oder Südkorea durch unfaire Praktiken bedrohen, müssen wir unsere Unternehmen schützen!

Maschinenbauer Haeusgen („Der Staat ist ein lausig schlechter Unternehmer“) freute sich daraufhin, dass jetzt endlich auch mal über Wirtschaftspolitik geredet werde, „nach so vielen Runden Sozialpolitik!“

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