AfD-Chef Meuthen greift Merkel wegen Brexit an

Donnerstag, 14. März 2019
Eurotalker (v.l.): Jean Asselborn, Jörg Meuthen, Rolf Dieter Krause, Sandra Maischberger, Anja Kohl, Anthony Glees, Dirk Schümer © WDR/Max Kohr

„Maischberger: Das Brexit-Drama: Kann das Chaos noch verhindert werden?“ ARD, Mittwoch, 13.März 2019, 23 Uhr.

AfD-Parteichef Jörg Meuthen hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel den Vorwurf erhoben, sie trage die Hauptschuld am Brexit.

Wörtlich sagte der Politiker, der einer der beiden Bundessprecher  der Rechtsaußenpartei und ihr Spitzenkandidat für die Europawahl ist: „Wenn Sie Schuldige suchen, müssen Sie die bei Frau Merkel suchen!“  

Denn erst durch die Bundeskanzlerin sei Briten-Premier David Cameron damals überhaupt auf die Idee verfallen, über einen Brexit abstimmen zu lassen: „Merkel hat ihn da reingetrieben!“ 

Denn, so der AfD-Mann: „Als die Engländer nach den Wanderungsbewegungen der Flüchtlinge das Chaos sahen, dass Frau Merkel hier angerichtet hat, haben sie gesagt: Das wollen wir in Großbritannien nicht haben!“

Überraschendste Zustimmung

Der frühere ARD-Korrespondent in Brüssel Rolf-Dieter Krause widersprach heftig: „Sie regen sich über muslimische Einwanderer auf, die Engländer haben sich aber über Zuwanderer aus Osteuropa geärgert!“

Doch in einem Punkt fand der AfD-Mann Unterstützung bei einem Experten: „Die äußere Sicherheit aufrecht zu erhalten wäre die erste Pflicht gewesen“, sagte der britische Politikwissenschaftler Anthony Glees über die Grenzöffnung der Kanzlerin. „Das haben Sie nicht gemacht, und das war blöd!“

Zuvor hatte der Professor, mit einem knallbunten Zirkusschlips verkleidet, verblüffende Reden geführt: Jetzt müssen die Queen in den Brexit-Streit eingreifen, forderte er, denn: „Auch nach dem Tod von Diana ist sie an die Öffentlichkeit gegangen“, und das habe damals geklappt. „Das ist kein Scherz!“ fügte er sicherheitshalber hinzu.

Witzigster Vergleich

Der Journalist Dirk Schümer (WELT) fühlte sich beim Brexit zuerst an Shakespeares Dramen erinnert, aber „jetzt kommt ich mir vor wie bei Monthy Python!“

Krause hatte auch noch einen: „Die Engländer wollen mit uns Fußball spielen, aber dabei die Hand benutzen!“

Schreckensvision des Abends

Die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl drehte die Debatte wieder auf ernst: Sie fürchtete sogar, dass „am Ende das Königreich auseinanderbricht“ Das Finanzzentrum der Londoner City würde heim Brexit „flachgelegt“.

Die Talkmasterin sah darin aber Positives: „Dann werden dort die Wohnungen wieder billiger!“ lächelte Maischberger.

Beruhigungspille des Abends

AfD-Meuthen gab eine Runde Valium aus: „Ich höre immer Chaos, Drama, Katastrophe“, spottete er. „Ich bewundere die Briten für ihren Pragmatismus. Wenn der Brexit kommt, wird er sich nicht in dieser Härte realisieren.“

Denn, so der Parteichef: „Als sich Tschechien und die Slowakei trennten, hat es ja auch geklappt.“

Doch das ließen ihm die anderen nicht durchgehen: „Die blieben aber beide in der EU“, sagten Asselborn und Krause unisono.

Härtestes Urteil

„Die Engländer haben sich benommen wie ein Empire“, lästerte Schümer. „Nebel über dem Kanal!“

Die EU wollte die Briten bestrafen!“ schimpfte Meuthen.

„Falsch!“ donnerte der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn neben ihm auf dem Sofa. „Ich war 17 Monate lang dabei! Wir haben uns nur an die Regeln gehalten!“

Doch der AfD-Chef blieb dabei: Statt den Briten Rosinenpickerei vorzuwerfen, hätte man mit ihnen besser verhandeln sollen, sagte er.

Krause wurde das schicke Halstuch eng: Die EZ habe doch versucht, es den Briten so glatt wie möglich zu machen, rief er erregt.

Theresa May saß im Unterhaus wie ein Vogel mit zwei gebrochenen Flügeln!“ ätzte Prof. Glees.

Schärfste Attacke

Dann schlug es Mitternacht, und der Talk wurde immer lauter. „Wollen Sie Stacheldraht wie die Ungarn?“ patzte der Luxemburger den Engländer an.

WELT-Schümer ärgerte Asselborn („Wir sind kein Kleinstaat, wir sind ein kleiner Staat!“) daraufhin gleich auch noch mit einem Witz über die umstrittenen Pläne des französischen Präsidenten zu einem noch engeren Zusammenwachsen der EU: „Der Wagen ist mit 60 aus der Kurve geflogen. Jetzt fahren wir 120, damit das endlich klappt.“

Schönster Redeschwall

Nun war Krause nicht mehr zu halten: Die EU solle endlich auf das Einstimmigkeitsprinzip der dann noch 27 Staaten verzichten, sagte der Ex-ARD-Mann, denn dann könne eine „Koalition der Willigen“ mit „qualifizierter Mehrheit“ alles entscheiden.

Wie bitte? Berlin und Paris sagen an, und die Polen und die Ungarn müssen kuschen, wie einst im Ostblock vor der großen Sowjetunion? Doch Krause duldete jetzt keinen Widerspruch mehr. „Das ist Polemik!“ bügelt er den widerspenstigen AfD-Mann ab. „Darüber will ich nicht diskutieren!“

Am Schluss schlug er fast um sich, und es wurde so hitzig, dass die Talkmasterin alle Mühe hat, einigermaßen pünktlich den Stecker zu ziehen. Uff! 

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