Ess-Experte bei Maischberger: „Joghurt ist gesund, Milch nicht!“

Donnerstag, 4. April 2019
Küchen-Kabinett (v.l.): Susanne Langguth, Dr. Manfred Lütz, Bas Kast, Sandra Maischberger, Melodie Michelberger, Michaela May, Andrea Ballschuh © WDR/Max Kohr

„Maischberger: Ernährung als Religion: Kann denn Essen Sünde sein?“ ARD, Mittwoch, 3.April 2019, 23.45 Uhr.

Der Wissenschaftsautor Bas Kast, der mit "Der Ernährungskompass" die deutschen Bestsellerlisten anführt, hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ überraschende Ansichten über Milch und Milchprodukte offenbart.

Dabei erklärte der Holländer, der für sein vieldiskutiertes Buch drei Jahre lang Tausende von Studien ausgewertet haben will: Milch fördere das Wachstum von Kindern, Erwachsene dagegen mache sie alt und krank. Joghurt-Bakterien wiederum würden diese Wachstumsfaktoren ab, und deshalb blieben die Erwachsenen gesund.“

Bei Käse sprang Kasts Ernährungs-Ampel ebenfalls auf Grün. Talkmasterin Sandra Maischberger wunderte sich: Der sei doch so fett! Doch: „Fett ist nicht der Feind“, erklärte Kast. „Im Käse steckt Spermidin, und das stoppt den Alterungsprozess.“

Maischberger dachte, sie habe sich verhört, doch der Experte klärte sie auf: „Das Spermidin heißt so, weil es zuerst in Sperma isoliert wurde.“

„Ich werde das nie wieder los!“ stöhnte die Talkmasterin daraufhin, und Kast trug wenig dazu bei, sie auf andere Gedanken zu bringen: „Ich hoffe, er schmeckt Ihnen trotzdem“, lächelte er. Uff!

Bekehrung am Backofen, Sündenfurcht im Supermarkt, Reue an der Käsereibe. Das Talk-Thema „Ernährung als Religion: Kann denn Essen Sünde sein?“ förderte noch andere Informationen zutage. 

Der Psychologe Dr. Manfred Lütz, ein weiterer Buchautor in der Runde, griff seinen holländischen Kollegen massiv an: „Hier wird etwas als Wissenschaft ausgegeben, was gar keine Wissenschaft ist!“ schimpfte er.

„Sie sind wohl ein bisschen neidisch?“ spottete Maischberger, entschuldigte sich aber gleich: „War nicht so gemeint…“

„Ich schreibe ja selber popularisierte Bücher“, erwiderte Lütz. „Aber dieses Buch ist falsch, und es ist Volkverdummung!“ Die behauptete Menge der verschiedensten internationalen Studien könne Kast gar nicht gelesen haben („250 am Tag!“). Außerdem fehle jedwede Reflektion.

Das typische Kast-Frühstück besteht aus Kaffee und Schokolade. Kaffee dürfe man trinken, so viel man wolle, sagte der Autor. Schokolade solle einen möglichst hohen Kakao-Anteil enthalten, so ab 70 Prozent. Kasts Credo: „Die Dosis macht das Gift. Was du ab und zu mal isst, bringt dich nicht um – nur, was du täglich isst…“

Die TV-Moderatorin Andrea Ballschuh, ebenfalls Buchautorin („Zucker is(s)t nicht") erklärt: „Ich esse total gerne Vollfettprodukte. Meine Tochter liebt Vollfettmilch und Vollfettkäse. Alles gut. Nicht das Fett, der Zucker ist das Problem!“

Die Influencerin Melodie Michelberger fand es „problematisch, Lebensmittel in Gut und Böse einzuteilen“, denn „dadurch entsteht immer das Gefühl, dass man was falsch macht.“

Kraftwort des Abends

„Die beste Wissenschaft, der man glauben kann, ist man selber“, meinte die Schauspielerin Michaela May: „Ich genieße gern, und wenn ich genieße, habe ich auch kein schlechtes Gewissen!“ Aber: „Wenn ich spät abends Salat esse, dann wurlt es immer!“ Bedeutet: Es rumort. Folge der unangenehmen Begleiterscheinung, so May: „Ich esse so gern Salat, aber ich merke immer, es ist Sch…!“

Interessanteste Ratschläge

„Wahrscheinlich ist das am bekömmlichsten, was einem am besten schmeckt“, vermutet Dr.Lütz und kam auch noch mit einem Dogma um die Ecke: „Wer früher stirbt, lebt länger ewig. Ich bin ja Christ.“

„Man sollte nicht mehr essen, als man Hunger hat!“ meinte Susanne Langguth, Chemikerin beim Lebensmittelverband BLL.

Heftigster Vorwurf

„40 Prozent der Deutschen haben bereits eine nichtalkoholische Fettleber“, klagte TV-Moderatorin Ballschuh an. „Darunter immer mehr Kinder!“ Als sie beschlossen habe, auf Zucker zu verzichten, habe sie wie eine Süchtige unter Entzugserscheinungen gelitten: „Kopfschmerzen, Händezittern, schlecht schlafen...“ Trotzdem habe es sich gelohnt: „Durch den vielen Zucker hatte ich sechs Jahre lang Blähungen. Die waren dann weg, und ich bin morgens auch viel erholter wachgeworden!“

Interessanteste Ausreden

Langguth wehrte sich wacker gegen die Vorwürfe aus der Runde: Zu viel Zucker in den Softdrinks? Muss ja keiner kaufen, es gibt sie überall auch zuckerfrei. Zucker in der Tomatensoße? Ist gut, weil es kaschiert, dass Tomaten oft viel Säure haben. „In den Lebensmitteln der Industrie ist nichts anderes als das, was Sie im Haushalt ins Essen reintun“, behauptet die Chemikerin.

Letzte Worte

„Schokolade ist wie Nikotin“, sagt May, „wenn ich ein Stückchen esse, muss ich die ganze Tafel essen.“

„So etwas wie die süße Sünde gibt es gar nicht“, sagte Michelberger. „Wenn du Bock hat auf ‘ne Cola – trink ‘ne Cola! Wenn du Bock hast auf‘n Donut - iss‘n Donut!“ Allerdings: „Wenn du das Gefühl hast, du musst jeden Tag drei Donuts essen, solltest du vielleicht mal mit einem Psychologen sprechen.“

Zum Beispiel mit Dr. Lütz. Der kriegt das Schlusswort: „Dieser ganze Essenskult hat etwas sehr Egozentrisches und damit etwas Gesellschaftsfeindliches“, kritisiert er, „Jeder sorgt nur für sein Essen, und das mit immer neuen Dogmen alle paar Jahre.“ Amen!

 

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