Brexit-Talk: Laschet hofft auf die Europawahl

Freitag, 5. April 2019
Brexit-Talker (v.l.): Kristiane Backer, Sir Peter Torry, Maybrit Illner, Armin Laschet, Christian Schulte-Loh, Marcel Fratzscher © ZDF/Svea Pietschmann

„Maybrit Illner: Endstation harter Brexit – ohne Vertrag ins Chaos?“ ZDF, Donnerstag, 4.April 2019, 22.15 Uhr.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hat in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ am Donnerstag an die Wähler appelliert, Populisten bei der Europawahl im Mai eine klare Absage zu erteilen.

Wörtlich sagte der CDU-Politiker: „Wir stehen vor dieser Europawahl, wo Linkspopulisten und Rechtspopulisten, lauter chaotische Gruppen, plötzlich eine Mehrheit haben könnten. Mein Gefühl ist, dass die Wahlbeteiligung steigen wird, weil viele in Deutschland sagen: Jetzt haben wir erkannt, was die europäische Einigung wert ist. Das ist meine Hoffnung!“

Zuvor hatte der frühere britische Botschafter in Berlin, Sir

Peter James Torry, geunkt: „Für einen weichen Brexit ist es wohl schon zu spät“. Er hoffe jedoch auf eine Verlängerung bis 2020. „Unsere Regierung trifft bereits Vorbereitungen, an den Europawahlen im Mai teilzunehmen!“ erklärte der Diplomat. Doch: „Das wird nicht einfach, denn der normale Bürger bei uns denkt, dass wir schon seit drei Jahren aus der EU ausgestiegen sind!“

Hoffnungsvollste Analysen

To brexit or not to brexit? „Wenn jetzt ein neues Referendum stattfinden würde, wäre das Ergebnis: Remain! Bleiben!“ glaubte die frühere MTV-Moderatorin Kristiane Backer, die seit dreißig Jahren in London lebt dort mit Kunst handelt. Ihre Sorge: „Wenn der Brexit nicht kommt, gibt es Blut auf den Straßen!

Auch Laschet stieß in die Alarmtrompete: „Das Referendum zurückzunehmen könnte zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führen!“ warnte er.

Der Wirtschaftsforscher Prof. Dr. Marcel Fratzscher riet, die EU solle einem „großzügigen Aufschub“ zustimmen, denn: „Viele Briten bereuen jetzt, dass sie für den Brexit gestimmt haben oder gar nicht zur Wahl gegangen sind!“

Schönste Schnurre

Der deutsche Comedian Christian Schulte-Loh, der seit Jahren in England lebt und die Briten mit Brexit-Sprüchen zum Lachen bringt, ließ mit einer (wahren) Anekdote etwas Dampf aus dem Kessel: „Am Tag nach dem Referendum war die am häufigsten bei Google gestellte Frage: Was ist eigentlich die EU?“

Kompliment des Abends

Der Labour-Abgeordnete Ben Bradshaw, aus London zugeschaltet, kratzte sich bei der Talkmasterin mit einem Lob ein: „Ich habe in den letzten zwanzig Minuten von Ihren Gästen mehr Vernünftiges gehört als von unserer Regierung in drei Jahren!“ Kein Wunder, er gehört ja zur Opposition…

Ziel des erbitterten Brexit-Gegners: „Wir hoffen aus eine Verlängerung (der Austrittsfrist) und eine Volksabstimmung!“

Schlimmste Befürchtung

Backer sah ein Menetekel an der Wand: „Die Regierung hat schon –zigtausende Polizisten, Combat Police, überall im Land bereitgestellt, falls es zu gewaltsamen Protesten kommt!“ Ihr Vorschlag: „Vielleicht sollten wir in der EU auch mal darüber nachdenken, warum so viele Briten überhaupt rauswollten!“

Der Professor blieb optimistisch: „Für Deutschland wäre auch ein harter Brexit gut verkraftbar“, sagte er voraus. Allerdings wäre es deutlich besser, wenn der Bruch rasch käme, ohne lange Hängepartie.

Zahl des Abends

Schulte-Loh sorgte sich nicht besonders um seinen künftigen Status als Ausländer in London: „Als Deutsche sind wir auf der sicheren Seite“, meinte er, denn: „Die königliche Familie ist ja auch deutsch!“

Torry äußerte eine Hoffnung, die er selbst „etwas makaber“ nannte: Seit dem Referendum seien eine halbe Million Briten, die überwiegend für den Brexit waren, verstorben. Gleichzeitig hätten viele junge Leute, die eher für Europa seien, das Wahlalter erreicht.

Interessanteste Frage

Illner fragte Laschet nach seinem speziellen Brexit-Berater Friedrich Merz. Antwort: Der Fast-Vorsitzende der CDU berate in NRW mittelständische Unternehmen, die z.B. gar nicht mehr wüssten, wie man ein Zollformular ausfüllt.

Und, so der Ministerpräsident: Merz helfe auch Firmen, die nach Deutschland übersiedeln wollen, um in der EU bleiben zu können. Laschet: „Über hundert britische Unternehmen sind schon nach NRW gekommen!“  

Unerquicklichste Feststellung

„Nach dem Brexit ist jeder Brite in Deutschland von der ersten Sekunde an ein Drittstaatler und müsste theoretisch ein Visum beantragen“, erklärte der Ministerpräsident. „Er müsste zum Ausländeramt gehen und sich dort in die Schlange stellen!“

„Auch ich!“ seufzt Ex-Botschafter Torry vernehmlich.

Britischste Prognose

Der Comedian hatte einen typisch englischen Vorschlag: „Am besten wäre, wir würden eine Münze werfen!“

Torry setzte ebenfalls auf eine oft bewährte Eigenheit seiner Landsleute: „Im letzten Moment finden wir eine Lösung!“

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