Norbert Röttgen in „Hart aber Fair“: Europa muss den Briten helfen!

Dienstag, 9. April 2019
Hart-Faire Talk-Runde (v.l.): Norbert Röttgen, Kevin Kühnert, Anthony Glees, Petra Braun, Nikolaus Doll, Frank Plasberg © WDR/Oliver Ziebe

„Hart aber Fair: Sorry, liebe Briten: Wer nimmt Euch jetzt noch ernst?“ ARD, Montag, 8.April 2019, 21 Uhr.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen hat in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ am Montag eine deutliche Abkehr von der bisherigen Brexit-Politik in Brüssel gefordert.

Wörtlich sagte der Politiker, der den Außenpolitischen Ausschuss des Bundestags leitet: „Wir müssen uns ändern! Wir leben in einer völlig veränderten Welt, und die EU hat sich nicht genug angepasst!“

Das gelte vor allem für eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik. „Die EU muss Reformen einleiten!“ machte Röttgen klar. „Wir haben Veränderungsbedarf, und das wollen wir mit den Briten machen.“ Jetzt könne es nicht mehr um einen weiteren Ausbau des Binnenmarkts mit immer neuen Regulierungen gehen, sondern darum, „ein starkes Europa in dieser chaotischen Welt schaffen“.

Zum Auftakt der Talkshow hatte der Politologe Anthony Glees, Mitglied der Tory-Partei Theresa Mays, ein schlaues Angebot gemacht: „Wir wollen raus aus dem politischen Institutionen der EU, aber wirtschaftlich sehr eng mit der EU verbunden bleiben!“

Der Wirtschaftsjournalist Nikolaus Doll („WELT“)lehnte die  Rosinenpickerei ab: „Das Problem muss jetzt beendet werden, und zwar diese Woche!“ Heißt: Harter Brexit sofort!

Nüchternster Vorschlag

„Es ist eine Illusion, zu glauben, mit einem No-Deal-Brexit wären die Probleme verschwunden“, stellte Röttgen dagegen fest. „Damit würde das Chaos sogar noch gesteigert. Wir sollten lieber Empathie aufbringen und uns fragen: Wie können wir helfen? Was ist zu tun?“

Parteiischste Attacke

Juso-Chef Kevin Kühnert saß mit den Europasternen auf dem Kapuzenpulli neben dem CDU-Politiker und nutzte die Chance zu einer Attacke auf die britische CDU-Schwesterpartei: „Es sind die Konservativen, die uns Linke immer daran erinnern: Erst das Land, dann die Partei. Jetzt sollten sie selber mal so denken!“

Röttgen ließ die Tirade an sich vorüberrauschen und klopfte lieber ein paar Forderungen fest: Großbritannien solle bei der Europawahl mitmachen, von der EU ein Jahr Austrittsaufschub erhalten und dann noch einmal abstimmen.

Journalist Doll reagierte sauer: „So lange abstimmen, bis es passt?“ Glees hätte nichts dagegen: „Das ist Demokratie!“ Die Schwäbin Petra Braun, die in London ein Geschäft mit deutschen Lebensmitteln betreibt, stimmte zu: „Sonst kommt hier nie Ruhe rein!“

Doch der Journalist nervte die anderen weiter: „Und wenn nichts anderes dabei herauskommt?“ Daraufhin klebte ihm Plasberg ein unfaires Etikett an: „Wüterich!“ sagte der Talkmaster zu seinem Gast. Er selber, sagt Plasberg, sei dagegen „ein Verstehender“. Halleluja!

Bestes Beispiel 

Juso-Kevin weiß, was tun: „Ein zweites Referendum mit exakt der gleichen Fragestellung wäre witzlos“, meinte er. „Aber jetzt noch mal andersherum fragen!“ Alte Juso-Taktik: Auf die Formulierung kommt es an.

Glees hoffte, dass viele Landsleute jetzt ihre Meinung ändern würden. „Die Fischer von Wales haben inzwischen gemerkt: Wenn sie nicht mehr in der EU sind, müssen sie ihre Fische selber essen!“

Zahl des Abends

80 Prozent der Brexit-Befürworter haben keinen akademischen Hintergrund“, stellte der Juso-Chef fest. Er selbst hat ein Publizistikstudium abgebrochen und lässt ein Politologiestudium ruhen.

Jetzt arbeitete er flink seine Agenda ab: „Europa hat für viele kein richtiges Angebot“, sagte er und fordert einen europäischen Mindestlohn sowie Steuern für IT-Konzerne wie Google. Nur so könne man die Populisten aus dem EU-Parlament raushalten.

Ungewöhnlichste Analyse

„Wir Briten waren immer ein Volk von Pragmatikern“, erklärte Glees. „Jetzt sind wir ein emotionales Volk geworden.“

Und seit wann ist das so? „Seit dem Tod von Prinzessin Diana“, sagte der Politologe in das allgemeine Staunen.

Plasberg witterte sofort einen echten Talk-Trüffel: „Könnte denn die Queen was machen?“ fragte er.

Und der Talkmaster wurde tatsächlich fündig, denn Glees stieg auf die Frage ein: „Ich wäre überhaupt nicht überrascht, wenn es die Queen wäre, die ganz geheim zu Theresa May und Jeremy Corbyn gesagt hätte: Also, Leute, jetzt müsst ihr endlich was machen!“

Verblüffendste Info

Ein ARD-Einspieler zeigte: Die Premierministerin könnte das Austrittsgesuch noch im allerletzten Moment einseitig zurückziehen und Großbritannien damit in der EU halten.

Wie bitte? May müsste das allerdings so spät machen, dass keine Zeit mehr bleibt, dagegen zu klagen, erläuterte Plasberg. Also etwa am Brexit-Tag drei Minuten vor Mitternacht Mitteleuropäischer Zeit. Das könnte spannend werden!

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